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In den Zaun gerauscht

Eine Kurve in Ebersbach erweist sich bei Nässe als tückisch – und Horst Schöne fürchtet um seine Enkel.

© Matthias Weber

Von Gabriela Lachnit

Nicht schon wieder! Horst Schöne hat bei jedem Regen ein mulmiges Gefühl. Der Ebersbacher wohnt direkt an der Bundesstraße 96 gegenüber der Firma EAB. Dort macht die Fahrbahn in Richtung Oppach eine Kurve. Keine große, aber sie reicht trotzdem aus, um Horst Schöne bei Regen regelmäßig die Sorgenfalten auf die Stirn zu treiben.

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Dieses Foto zeigt den vorerst letzten Unfall im Juni.
Dieses Foto zeigt den vorerst letzten Unfall im Juni. © privat

Die Kurve zieht sich an seinem ganzen Grundstück entlang. Nur der gepflasterte Gehweg befindet sich zwischen dem Zaun und der Fahrbahn. Seit dem Jahr 2011 sind vier Kraftfahrzeuge in seinen Zaun am Grundstück gerauscht, an mehreren, unterschiedlichen Stellen. „Und das sind nur die Fälle, bei denen die Polizei vor Ort war und die Unfälle aufgenommen hat“, erklärt er. Ein Unfallfahrer beispielsweise hatte hoch und heilig versprochen, dass er den Schaden am Zaun und an den Säulen selbst repariert, auf die Polizei könne also verzichtet werden. „Sein Versprechen hat der junge Mann gehalten“, erzählt der Ebersbacher.

Obwohl die angerichteten Schäden jedes Mal von den Verursachern in Ordnung gebracht oder von den entsprechenden Versicherungen bezahlt worden sind, hat Horst Schöne die Rennerei und viel Arbeit mit der Reparatur von Zaunfeldern und Zaunsäulen. An den letzten Unfall vor rund vier Wochen im Juni denkt er erst recht nicht gern zurück. Da war ein Van genau dort auf sein Grundstück gerutscht, wo Horst Schönes Sohn gerade dabei war, ein großes, hölzernes Spielhaus mit Balkon und Rutsche für die Enkel und die Kinder der Mieter im Haus zu bauen. „Man stelle sich vor, die Kinder hätten hier gespielt und das Auto wäre auf sie zugerutscht! Nicht auszudenken“, sagt er. Jetzt baut Schöne in diesem Bereich seines Grundstücks einen ganz neuen Zaun. Denn dort hatten einstmals mehrere Koniferen die Abgrenzung zur Straße und zum Gehweg gebildet. Aber diese Gewächse haben vor einiger Zeit auch schon Autos gefällt . . .

In diesem Jahr sind bereits zwei Wagen unfreiwillig auf sein Grundstück gefahren, eins am 6. März und eins am 25. Juni. Jedes der Unfallfahrzeuge war nach dem Crash nicht mehr fahrtauglich. „Zum Glück ist den Fahrern jedes Mal nichts passiert, außer, dass sie zunächst recht geschockt waren wegen des Unfalls und ihn sich nicht erklären konnten“, berichtet der Ebersbacher. Einer habe Stein und Bein geschworen, dass er nicht schneller als die erlaubten 50 km/h gefahren sei. Schöne hat daher die Vermutung, dass die Unfälle bei Nässe möglicherweise ihre Ursache in der Beschaffenheit der Fahrbahn und nicht in überhöhter Geschwindigkeit der Fahrzeuge haben.

Mit dieser Vermutung hat sich die Sächsische Zeitung an das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) gewandt. Dessen Sprecherin Isabel Siebert erklärt: „Zur letzten Unfallkommissionssitzung unter Federführung der Verkehrsbehörde beim Landratsamt Görlitz vom Juni 2018 taucht die Stelle in Ebersbach nicht in der Statistik auf. Es wird dort keine Unfallhäufung gesehen“, sagt sie. Genauso sieht es die Polizei. „Diese Kurve ist kein Unfallschwerpunkt. In den zurückliegenden acht Jahren haben sich an der Kurve sieben Unfälle bei Nässe ereignet“, sagt Polizeisprecher Thomas Knaup. Als Ursache für jeden der Unfälle hat die Polizei herausgefunden, dass nicht die Kurve oder das Wetter schuld waren – „in allen Fällen war es der Mensch, der hinter dem Lenkrad saß“, betont Thomas Knaup. Die Fahrer hatten die Geschwindigkeit nicht den Witterungsverhältnissen angepasst, in zwei Fällen standen die Fahrer zudem unter Alkoholeinfluss, berichtet der Sprecher. Aus polizeilicher Sicht bestehe kein Anlass, die genannte Kurve näher zu begutachten. Die Unfälle seien auf menschliches Versagen, nicht auf den Zustand der Straße zurückzuführen, so der Polizist. Es gebe auch keine Veranlassung, die Höchstgeschwindigkeit in der Kurve von Tempo 50 auf 30 zu reduzieren, betont Knaup, „denn 99,99 Prozent der Kraftfahrer meistern diese Kurve tagtäglich erfolgreich.“ Niemand verbiete es einem Kraftfahrer, bei ungünstiger Witterung, beispielsweise bei Regen, langsamer zu fahren. „Dafür bedarf es keines Verkehrsschildes, sondern einfach nur der Nutzung des eigenen Verstandes“, so der Pressesprecher.

Das Lasuv prüft übrigens in mittelfristigen Abständen nach Fertigstellung einer Straßenbaumaßnahme – diese hatte es vor einigen Jahren auch im Bereich der genannten Kurve an der Bundesstraße 96 gegeben – den Fahrbahnzustand. Für die Kurve in Ebersbach ist eine Überprüfung der Fahrbahngriffigkeit derzeit nicht geplant, bestätigt Frau Siebert. Die Kurve sei kein Unfallschwerpunkt. Eine Prüfung der Dresdener Straße in Zittau dagegen hatte ergeben, dass die Griffigkeit des Fahrbahnbelages nicht mehr gegeben ist. Deshalb erhält die Straße dort im September eine neue Decke.