merken

In der ersten Liga der Buchhändler

Die Bischofswerdaerin Angelika Heinrich verkauft nicht nur Bücher. Das zahlt sich aus – und wurde jetzt belohnt.

Von Ingolf Reinsch

Gesund und Fit

Immer gerne informiert? Nützliche Informationen und Wissenswertes rund um das Thema Gesundheit haben wir in unserer Themenwelt zusammengefasst.

Angelika Heinrich ist glücklich. „Wir freuen uns riesig“, sagt Bischofswerdas Buchhändlerin und meint damit ihr kleines Team, zu dem Schwiegertochter Mandy Heinrich und die Verkäuferin Karin Seidel gehören. Gut fünf Jahre, nachdem die Geißmannsdorferin ihr Geschäft an der Kirchstraße eröffnet hat, schaffte sie es in die erste Liga der inhabergeführten Buchhandlungen Deutschlands. Angelika Heinrich gehört seit dieser Woche zu jenen Unternehmerinnen und Unternehmern, die das Gütesiegel „Hervorragende Buchhandlung“ führen dürfen. 118 Buchhandlungen, unter ihnen sieben aus Sachsen, wurden am Mittwoch in Kassel mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet. Gewürdigt werden damit kleinere, inhabergeführte Buchhandlungen, die ein anspruchsvolles und vielseitiges literarisches Sortiment und/oder ein kulturelles Veranstaltungsprogramm anbieten, innovative Geschäftsmodelle verfolgen bzw. sich im Bereich der Lese- und Literaturförderung für Kinder und Jugendliche engagieren. Die Bischofswerdaerin gehört dazu.

Die Bischofswerdaerin Angelika Heinrich wurde mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet. Foto: Steffen Unger
Die Bischofswerdaerin Angelika Heinrich wurde mit dem Deutschen Buchhandlungspreis ausgezeichnet. Foto: Steffen Unger

Im Jahr 2004 hatte sie sich mit einem Schreibbüro selbstständig gemacht. Dass sie 2013 – damals Mitte 50 – in den Buchhandel wechselte, hatte zwei traurige Anlässe. Erst musste Wieland Hantzsch die Traditionsbuchhandlung Emil Walther aufgeben. Im Januar 2013 zog sich dann auch die Handelskette Thalia aus Bischofswerda zurück. Eine Stadt wie Bischofswerda ohne Buchhandlung geht überhaupt nicht, sagte sich Angelika Heinrich. Sie fand, dass Bücher sehr gut zu ihrem bisherigen Portfolio passen und besprach die Idee mit ihrem Mann. Der habe sie zuerst für verrückt erklärt, dann aber ihr voll Rückhalt gegeben, auch beim Umbau und der Einrichtung des Ladens, erzählt die Geschäftsfrau. „Mein Traum war es schon immer, ein Geschäft zu haben“, sagt sie. Es mussten nicht unbedingt Bücher sein. Sie hätte auch gern Bekleidung oder Schuhe verkauft – und geht nun doch in ihrer neuen Profession voll auf. Wohl wissend, dass Bücher keine Ware wie andere Dinge sind.

Romane, Heimat- und Reiseliteratur, Kinder- und Jugendbücher und nun auch wieder Kalender sind der Renner. Auch die Angebote in der Ecke mit christlicher Literatur werden gut angenommen. Wer Spezielles wünscht, etwa Fachbücher, bekommt es auf Bestellung. Die Verlage liefern über Nacht. Kunden kommen nicht nur aus Bischofswerda und umliegenden Dörfern, sondern auch aus Neustadt und Stolpen. Das Geschäft fällt auf in der Stadt. Nicht nur, weil Angelika Heinrich mehr Mühe als manch anderer in die Gestaltung ihrer Schaufenster aufwendet und dort sehr viel Stadtkolorit mit rein bringt.

Die Bischofswerdaerin macht mit ihrem Team mehr, als nur Bücher verkaufen. Einmal im Monat organisiert sie eine öffentliche Veranstaltung, lädt Autoren ein oder bringt Kabarettisten in die Stadt. Ihre ersten Veranstaltungen fanden in der Buchhandlung statt. Dort reicht der Platz schon lange nicht mehr, weshalb sie das Kirchgemeindehaus oder den Rathaussaal mietet. „Ich organisiere gern“, nennt Angelika Heinrich einen Grund für dieses Engagement. Außerdem möchte sie damit auch etwas für die Stadt Bischofswerda tun, damit sie für die Menschen hier etwas attraktiver ist. Und nicht zuletzt geht es ihr auch darum, Menschen für Bücher zu interessieren und sie fürs Lesen zu gewinnen. Deshalb gibt es Veranstaltungen nicht nur für Große, sondern auch für Kleine. Angelika Heinrich lädt Kinder in ihr Geschäft ein, fährt in Kindergärten und Grundschulen, um Leselust und das Bewusstsein für den Wert eines Buches zu wecken.

Darüber hinaus gibt die Buchhändlerin Autoren aus der Region eine Chance. Sie stellt deren Bücher nicht nur ins Verkaufsregal, sondern gibt ihnen, wenn sie es wünschen, auch ein Podium, um sich und ihr Buch vorzustellen. So ist am 22. November die Burkauerin Melanie Naumann mit ihrem ersten Thriller „Der Fedora Attentäter“ Gast der Veranstaltungsreihe. – Angelika Heinrich hat dieses Buch gerade ausgelesen. Sie liest jeden Tag, meist am Abend eine halbe Stunde. Bücher, die Schicksale von Menschen im Zweiten Weltkrieg beschreiben, interessieren sie besonders.

Lohnt es sich, in Bischofswerda ein Geschäft zu eröffnen? Angelika Heinrich wägt trotz ihres Erfolges ab und sagt dann, es komme darauf an. Aufs Sortiment, die Qualität, die Beratung – und einen langen Atem, den man als Geschäftsmann bzw. -frau braucht. Angelika Heinrich glaubte an sich, als sie im Mai 2013 ihr Buchgeschäft eröffnete. Ebenso die Familie und die Mitarbeiter der Kreissparkasse, die ein Darlehen bewilligten, das inzwischen zurückgezahlt ist. Dass sie mit 56 Jahren noch einen Kredit bekam, um ein Geschäft zu eröffnen, war keine Selbstverständlichkeit. In einer anderen Bank wurde sie als erstes auf ihr Alter angesprochen. Da habe sie gewusst, dass man gar nicht erst verhandeln muss, berichtet Angelika Heinrich.

Mit Schwiegertochter Mandy ist die Unternehmensnachfolge in der Familie gesichert. Schon jetzt gibt es eine Arbeitsteilung. So spezialisiert sich Mandy Heinrich auf den Bereich der Hörbücher. Das Preisgeld von 7 000 Euro schenkt Angelika Heinrich vielen: Sie investiert es in ihr Geschäft, vor allem in die Leseförderung für Kinder- und Jugendliche. Das ist gut, weil es für die Zukunft angelegtes Geld ist.