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In der Falle

Immer wieder fahren Radtouristen trotz Verbotes auf der B 169 über die Elbe. Woran liegt das? Ein Experte hat es getestet.

© Sebastian Schultz

Von Britta Veltzke

Ein Tag Ende Juli: Zwei Radfahrer bepackt mit roten Seitentaschen rollen die Auffahrt zur B-169-Brücke in Riesa herunter. Offenbar waren sie mit dem festen Ziel, die Elbe zu überqueren unterwegs – und sind dann doch wieder umgekehrt. Kein Wunder, bei dem Verkehr. Ob eine Geisterfahrt in diesem Augenblick die beste Entscheidung war, bleibt allerdings zu bezweifeln. Gunter Spies arbeitet als Braumeister im Riesenhügel am einen Ende der Brücke und lebt – großzügig gemessen – am anderen Ende. Er beantworte Radtouristen in Riesa regelmäßig die Frage, wie sie auf die andere Flussseite kommen. „Auf der Fahrt zur Arbeit und zurück habe ich auch schon oft Fahrradfahrer gesehen, die sich auf die Bundesstraße verirrt haben. Gerade heute ist es wieder passiert.“

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Reicht die Beschilderung aus? Um das herauszufinden, hat die SZ einen nicht-ortskundigen Fahrradwege-Kenner nach Riesa eingeladen: Konrad Krause, Geschäftsführer des Allgemeinen Deutscher Fahrrad-Clubs Sachsen. Der Dresdner wollte es selbst testen. Los geht die Tour in der Hauptstraße. Konrad Krause geht intuitiv vor und fährt an der Ecke Puschkin-Platz die Breite Straße erst einmal runter an die Elbe. Am Ende der Fußgängerzone hängt zwar ein Pfeil, der gerade aus in Richtung Radweg geht – den hat der Testfahrer allerdings übersehen. „Aber das ist ja auch kein Wunder bei dieser Menge an Schildern“, sagt er. An der Elbe geht es nicht weiter. Das stillgelegte Muskator-Werk unterbricht den durchgängigen Radweg am Fluss. Aber immerhin – Krause erspäht sein Ziel: die Elbbrücke.

Also geht es zurück bergauf zum Puschkin-Platz und über die Bahnhofstraße weiter in Richtung Elbradweg. Krause orientiert sich weiter am Fluss. Der steile Weg am Haus der Industrie- und Handelskammer bringt in hinab zur Elbe. Die Brücke kommt immer näher. Doch auf eine Rampe hinauf wartet er vergeblich. Erst hinter der Eisenbahnbrücke kann er wieder hoch Richtung Brückenauffahrt fahren. Doch hier – zwischen Eisenbahnbrücke und dem Amtsgericht – findet sich kein Hinweis für Radler. Seine Intuition führt ihn auf der stark befahrenen Straße unter den beiden Brücken hindurch. Am Riesenhügel taucht er wieder auf, um auf die Brücke zu fahren – auf der rechten Seite, wie es sich gehört. Doch dann steckt Konrad Krause in Falle: An der Brückenauffahrt steht er plötzlich vor einem Durchfahrt-Verboten-Schild für Radfahrer. Und nun?

Erst nach der Fußgängerbrücke am Bahnhof findet er die Brücken-Auffahrt für die Radler – auf der linken Seite der Autobrücke. Die zuvor ausgeschilderten Orte helfen Ortsfremden dabei relativ wenig. Woher sollen sie auch wissen, ob die Städtchen links- oder rechtselbisch liegen?

Krauses Fazit am Ende der Exkursion: „Die Beschilderung folgt keinem einheitlichen und nachvollziehbaren Prinzip. Man könnte auch sagen, sie ist für Ortsfremde völlig verwirrend“, urteilt der Fahrradclub-Chef. Besonders fragwürdig findet er, warum unter den Brücken nicht schon darauf hingewiesen wird, dass Radfahrer die Elbe hier nicht wie gewohnt auf der rechten Fahrbahnseite überqueren können. Die 15 Jahre alte Autobrücke stehe beispielhaft für viele große Infrastrukturprojekte in Sachsen: „Die Planer schauen zuallererst auf die Autofahrer und wurschteln am Ende noch etwas für die Radfahrer dran.“

Auch die Stadtverwaltung hat das Problem erkannt. „Es stimmt, dass diese Wegführung für Ortsfremde etwas verwirrend sein kann, weil es nicht logisch erscheint, erst unter der Brücke durchzufahren, um dann „rückwärts“ wieder dorthin zu kommen.“ Aber dies ließe sich nicht anders lösen, sagt Stadtsprecher Uwe Päsler. Gleich unter den Brücken auf die linksseitige Auffahrt am Offenen Jugendhaus (dem „Bunten Haus“) hinzuweisen, will die Stadt auch nicht: „Das wird wegen der schwierigen Überquerung der B182 bewusst nicht ausgeschildert.“ Was die schwierige Elbüberquerung betrifft, ist die Stadt Riesa inzwischen aber aktiv geworden: Zur besseren Orientierung sollen noch in diesem Monat drei Schilder für rund 400 Euro aufgestellt. Eine kleine Karte darauf zeigt, wie es über die Brücke geht.

ADFC-Chef Konrad Krause hält das für „lieb gemeint und schlecht umgesetzt“. „Es gibt Standards für die Radwege-Beschilderung, die hier nicht ansatzweise angewendet werden.“ Er empfiehlt der Stadt die Beschilderung unbedingt einheitlich zu gestalten – und bei dieser Gelegenheit, gleich alle Hinweise an den rechten Wegesrand zu stellen. „Das ist bei der Beschilderung für den Autoverkehr schließlich auch so üblich.“