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In der falschen Tonne

Mit dem Müllsortieren nehmen es viele im Kreis Bautzen nicht so genau. Aus Achtlosigkeit - oder gar mit Absicht?

© Uwe Soeder

Von Jana Ulbrich

Die Frauen am Förderband dürfen wirklich nicht empfindlich sein, wenn sich der tagtägliche Inhalt aus Gelben Säcken und Tonnen vor ihnen ausbreitet. Eigentlich sollten es ja nur Wertstoffe sein, die die Mitarbeiterinnen beim Veolia Umweltservice in Droben sortieren – Plastikverpackungen, Weißblechdosen oder Tetrapacks. Aber der eigentliche Verpackungsmüll macht gerade einmal 60 Prozent dessen aus, was im Landkreis Bautzen in den Gelben Tonnen landet. Der Rest sind Bioabfälle und Restmüll: verschimmelte Lebensmittel, tote Katzen, stinkende Windeln, gebrauchte Hygieneartikel und anderes.

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„Fehleinwürfe“ nennt man das freundlich ausgedrückt bei Veolia. Von Jahr zu Jahr nimmt ihr Anteil zu. Vor allem in den Gelben Tonnen. Aber auch in den anderen ist längst nicht nur drin, was drin sein sollte. Zum ersten Mal hat der Landkreis deshalb jetzt auch den Inhalt der Bio- und Restmülltonnen untersuchen lassen. „Wir wollten uns einen Überblick verschaffen und sehen, ob und was wir möglicherweise verändern müssen“, sagt Rita Thieme, die Sachgebietsleiterin für Abfallwirtschaft im Landratsamt. Über ein Jahr lang haben die Mitarbeiter auf der Deponie in Nadelwitz immer mal wieder ausgewählte Bio- und Restmülltonnen ausgekippt und auf ihren Inhalt sortiert. Das Ergebnis des akribischen Wühlens im Müll hat die Erwartungen der Fachleute übertroffen: Allerdings im negativen Sinne, wie Rita Thieme feststellen muss.

Ein Drittel Bioabfall im Restmüll

So besteht der Inhalt der Restmülltonnen zu fast einem Drittel aus organischen Abfällen, die viel besser in der Biotonne aufgehoben wären. Drei Prozent des Restmülls sind ungeöffnete Lebensmittelverpackungen. „Gerade das macht auch noch ein ganz anderes Problem deutlich“, sagt Rita Thieme, „nämlich das, wie sorglos wir Lebensmittel verschwenden.“

Auch im Biomüll landen Lebensmittel in ungeöffneten Verpackungen, vor allem in Plastik. Die Sortier-Analyse der Biotonnen hat eine Fehlwurfquote von rund zehn Prozent zutage gefördert. „Das ist wirklich ziemlich viel“, sagt Rita Thieme. Die vielen Plastiktüten und Verpackungen im Biomüll wirken sich negativ auf die Verwertung aus. Zum allergrößten Teil werden die Bioabfälle aus dem Landkreis kompostiert. Plastik im Kompost aber verrottet nicht – und beeinträchtigt schließlich die Qualität der Komposterde.

90 Tonnen Müll landen im Wald

Rita Thieme und ihre Mitarbeiter suchen auch nach den Ursachen der hohen Fehlerquote bei der Abfallentsorgung. Ist es Unwissenheit? Achtlosigkeit? Oder Absicht? „Sicherlich spielt da alles eine Rolle“, vermutet die Sachgebietsleiterin. Der viele Bioabfall im Restmüll lässt sich möglicherweise auch mit der Tatsache erklären, dass im Landkreis nur 60 Prozent aller Haushalte eine Biotonne nutzen.

Wer auf dem eigenen Grundstück kompostiert, kann sich von der Entsorgungspflicht befreien lassen. Vor allem Haushalte im ländlichen Raum wählen so die Biotonne ab, muten dem Komposthaufen im Garten dann aber doch nicht alle organischen Abfälle zu – vor allem keine tierischen. Bestenfalls landen diese dann im Restmüll, schlimmstenfalls aber eben auch in der Gelben Tonne und vor den Veolia-Mitarbeiterinnen auf dem Sortierband. Es gibt viele Anzeichen dafür, dass Restmüll zum Teil auch ganz bewusst nicht über den offiziellen Weg entsorgt wird. Sechs Leerungen der Restmülltonne jährlich sind in den Müllgebühren inbegriffen. Jede weitere muss zusätzlich bezahlt werden. Ist das der Grund dafür, dass Restmüll auf die anderen Tonnen verteilt wird? Oder dass – wie im vergangenen Jahr – 90 Tonnen Müll mal einfach so im Wald landen?

Einfach umgelagert?

Fakt ist, dass das reguläre Restmüllaufkommen im Landkreis seit Jahren immer weiter sinkt – von reichlich 45 000 Tonnen im Jahr 2009 auf weniger als 38 000 Tonnen im letzten Jahr. In der gleichen Zeit dagegen wird aber beispielsweise der Inhalt der Gelben Tonnen mehr: Um 2 000 Tonnen hat sich die Menge seit 2009 erhöht. Es sieht so aus, als ob ein Teil des Restmülls eben doch einfach „umgelagert“ wird.

Insgesamt müssen im Kreis Bautzen pro Jahr rund 100 000 Tonnen Abfall entsorgt werden. Nur reichlich die Hälfte davon wird einer Verwertung zugeführt, der Rest landet in der Müllverbrennungsanlage in Lauta. Hier wird aber ebenfalls verwertet: Bei der Verbrennung des Restmülls werden Strom und Wärme erzeugt, und selbst die Rückstände können noch als Baustoffe oder zum Verfüllen von Bergbauhohlräumen herhalten.