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In der Robotron-Kantine in die Zukunft schauen

In dem Gebäude sollen Dresdens große Themen zusammenfinden: Forschung, Kunst und Wirtschaft.

© TU Dresden/Technisches Design

Von Kay Haufe

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Grau und verfallen duckt sich die Robotron-Kantine heute zwischen Rathaus und Hygienemuseum in die Wiese. Doch geht es nach einem Team aus Kultur- und Kreativwirtschaftlern sowie Wissenschaftlern und Unternehmern, hat das Gebäude eine spannende Perspektive. In ihm soll ein Zukunftslabor entstehen, mit Ausstellungsflächen, Laborräumen, Treffpunkten und Platz für Veranstaltungen. Im Open Future Lab, so der Name für das neue Haus, soll an den zentralen Themen des Lebens von morgen gearbeitet werden. Die SZ erklärt, wie das funktionieren soll.

Wem gehört die Kantine, und was plant der Eigentümer damit?

Das Gebäude gehört dem Kasseler Unternehmen Immovation, das im Bereich der Lingnerstadt in den nächsten Jahren ein neues Viertel mit Wohnungen bauen will. Geplant war zunächst der Abriss des Flachbaus. Die Stadt hatte vorgesehen, an seiner Stelle den Blüherpark zu erweitern. Eine Abrissgenehmigung hat der Grundstückseigentümer schon. Doch dann erteilte der Stadtrat im März 2017 den Auftrag an die Verwaltung, nach Perspektiven für die Kantine zu suchen. Im Dezember lagen die Ergebnisse der Standort- und Gebäudeanalyse vor. Der Besitzer hat laut Stadt zugestimmt, das Haus nicht abzureißen, bis eine Entscheidung fällt.

Welche Pläne gibt es inzwischen für das Gebäude?

Die Stadt hatte in der Standortanalyse vorgeschlagen, dass das Kunsthaus Dresden mit der städtischen Galerie für Gegenwartskunst in die Robotron-Kantine ziehen könnte. Der Rektor der Hochschule für Bildenende Künste (HfBK) unterstützte diesen Vorschlag.

Was ist die Idee hinter dem Open Future Lab?

Schon vor einigen Monaten hat der Branchenverband der Dresdner Kultur- und Kreativwirtschaft „Wir gestalten Dresden“ Interesse am Erhalt der Robotron-Kantine gezeigt. Inzwischen hat er sich weitere Mitstreiter gesucht, unter anderem Professoren der TU Dresden und die Initiative Ostmodern, und hat mit ihnen ein Betreiberkonzept entwickelt. Die Kantine soll ein offener Ort des Arbeitens und des Austausches sein und gibt Wissenschaft, Kunst und Wirtschaft einen Raum, um mit Stadtgesellschaft, Politik und Verwaltung in den Dialog zu treten.

Was muss dafür baulich verändert werden?

Um das Gebäude nach den Vorstellungen der Ideengeber nutzen zu können, müsste es für rund 14,5 Millionen Euro saniert werden. Im Untergeschoss sollen wissenschaftliche Studios (Science Studios), Lebende Labore (Living Labs) und eine Zukunftsgalerie einziehen. Im Erdgeschoss ist eine Veranstaltungsfläche für bis zu 360 Menschen vorgesehen, die tagsüber als Treffpunkt und abends für Vorträge oder Tagungen genutzt werden kann. Dazu kommen zwei Dachebenen, die auch individuell vermietet werden können.

Welche Inhalte sollen in der Kantine ihren Platz finden?

Dresden hat die höchste Dichte an Forschungseinrichtungen im Bundesgebiet, doch viele Dresdner wissen kaum, was darin passiert. Im Open Lab sollen neueste Entwicklungen vorgestellt und auch getestet werden, ob sie überhaupt den Anforderungen der Nutzer im Alltag entsprechen. Jens Krzywinski, Professor für Technisches Design und Mitglied bei „Wir gestalten Dresden“, nennt als Beispiel Prothesen aus Biomaterial aus dem 3-D-Drucker. Damit kämen Wissenschaftler, Bürger, aber auch Unternehmer zusammen, später könnte ein Produkt daraus entstehen. Zum anderen soll Platz für Ausstellungen sein, in denen auch Prototypen gezeigt werden. Statt nur im eigenen Saft zu schmoren, würden Akteure hier interdisziplinär arbeiten.

Wie hoch sind die Kosten, und wie ist der Zeitplan?

Dresden möchte 2025 Kulturhauptstadt werden, bis dahin soll das Haus umgebaut sein. Die 14,5 Millionen Euro sollen nach dem Konzept der Ideengeber zu 40 Prozent von der Stadt und dem Freistaat bezahlt werden, 15 Prozent sollen aus Fördermitteln kommen, weitere 15 Prozent von Hochschulen, 19 Prozent sollen Unternehmen bestreiten, und elf Prozent sind aus Vermietungseinnahmen geplant. Ulf Heinemann von der Robotron Datenbank Software GmbH sieht im Open Lab eine große Chance und würde den Namen Robotron für das Haus nutzbar machen.