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In der Spreeaue rücken Bagger an

Bei Lömischau beginnen die Bauarbeiten zur Renaturierung der Spree. Das ist gut für die Umwelt, hat aber noch mehr Vorteile.

© Carmen Schumann

Von Franziska Springer

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Lömischau. Es sei ein historischer Tag, den man heute erlebe, betont ein Mitarbeiter der Bautzener Landestalsperrenverwaltung (LTV) immer wieder, während er Gäste zum Altarm der Spree in Lömischau chauffiert. Er findet sogar an historischem Ort statt: Hier, wo in idyllischer Natur ein schickes Festzelt auf Pressevertreter und Ehrengäste wartet, fand 1927 der erste Spatenstich zur Begradigung der Spree statt. Seit Dienstag nun folgt mit dem Beginn der Bauarbeiten zu ihrer Renaturierung die Kehrtwende.

Damals, vor fast einem Jahrhundert, sei das Ziel der Begradigung die prominente Lösung für das Hochwasserproblem der Gegend gewesen, weiß Jan Peper vom Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft und verweist auf eine überlieferte Landkarte. Nur wenig weiter nördlich lag damals die Staatsgrenze. Die Idee: Die Fließgeschwindigkeit des Wassers sollte erhöht und das Problem so nach Preußen verlagert werden. „Zielsicher baute man in Halbendorf ein Waldschulheim mitten ins Überschwemmungsgebiet. Das steht nun ständig unter Wasser“, sagt Peper, der die Redynamisierung der Spree auf der sieben Kilometer langen Strecke zwischen Lömischau und Lieske koordiniert. Seither kämpfen die Feuerwehren der Region ständig mit Schläuchen und Sandsäcken gegen Windmühlen, erzählt er. – Bis Ende nächsten Jahres soll das der Vergangenheit angehören, denn schon dann soll die Spree sich wieder durch ihr altes Flussbett schlängeln. Zunächst werden dafür fünf Altgewässer wieder an den Flusslauf angebunden. „Dafür müssen wir die Altarme zunächst auspumpen und Holz und Ablagerungen beräumen“, erklärt Daniel Steinmüller, Bauingenieur bei der LTV. Erst dann erfolgen die Durchbrüche zur Spree. Deren begradigter Flusslauf wird nicht etwa wieder verfüllt, sondern dient im Fall von Hochwasser als Überlauf. Der überschüssige Abraum, schätzungsweise 300 000 Kubikmeter, kommt bei Hochwasserschutzmaßnahmen in Halbendorf wieder zum Einsatz: Mit ihm werden Böschungen an einer neuen Spundwand aufgeschichtet und anschließend begrünt.

Außerdem sollen sich die Wasserbewohner der Spree künftig wieder bequem den Flusslauf hinauf und hinab bewegen können, erklärt Jan Peper. Das sei beispielsweise für die Quappe wichtig – einen beliebten Speisefisch, den es früher in der Region zuhauf gab. Noch vorhandene, aber ungenutzte Wehre, wie etwa das in Lömischau, werden dafür abgerissen. An anderen Stellen werden Fischtreppen eingerichtet. Auch die Auen mit ihren Wiesen und Wäldern profitieren von dem Projekt: Neue Vernetzungen mit der Spree bewirken, dass das Gelände künftig wieder regelmäßig überflutet und gedüngt wird.

In seiner Gesamtheit sei das ein Mammutprojekt, sagt Umweltamtsleiter Georg Richter, fügt aber hinzu: „Mit Kreativität und Pragmatismus lassen sich solche Probleme lösen.“ Dabei auf Umwelt- und Gewässerschutz genauso zu achten, wie auf die Sicherung vor künftigen Hochwassern, ist für ihn selbstverständlich: „Der Mensch gehört zur Natur, aber als einer ihrer Bestandteile, nicht in Herrscherpose.“

Etwa 400 000 Reichsmark kostete es zwischen 1927 und 1931, die Spree in ein neues Flussbett zu zwingen. Für fast sechs Millionen Euro wird diese historische Fehlentscheidung nun wieder rückgängig gemacht. Jeweils die Hälfte der Ausgaben ist dabei für Redynamisierung und Hochwasserschutz vorgesehen.

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