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In Dipps blitzt es öfter

Ein halbes Jahr ist stadteigene neue Technik im Einsatz. Die SZ zeigt die neuen Blitzer-Standorte.

© dpa

Von Franz Herz

Dippoldiswalde. Zum Jahreswechsel hat die Stadt Dippoldiswalde einen eigenen Blitzer angeschafft. Dippoldiswalde als Große Kreisstadt hat seit 2008 das Recht, selbst das Tempo auf den Straßen zu kontrollieren und Sünder abzustrafen. Das macht Dippoldiswalde seitdem auch, aber weil die Stadt keine eigene Technik hatte, beauftragte die Stadtverwaltung eine Firma damit. Die war in der Regel zweimal im Monat in der Region unterwegs.

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© Koerner, Heidemarie

Der stadteigene Blitzer steht jetzt deutlich öfter an den Straßen im Stadtgebiet. „Im ersten halben Jahr wurde die Geschwindigkeitsmessanlage zu insgesamt 59 Messreihen eingesetzt“, informierte Marcel Hänchen, Chef des Ordnungs- und Verkehrsamts im Dippoldiswalder Rathaus. Eine Messreihe ist ein Einsatz des Blitzers. Da sind durchaus auch mehrere an einem Tag möglich. Zusammen mit dem Bürgerpolizisten Jonny Kummer hat das Ordnungsamt im Frühjahr auch die Aktion „Blitz für Kids“ an der Grundschule in Reichstädt begleitet. Solche gemeinsamen Aktionen mit der Polizei sind auch in Zukunft vorgesehen.

Hänchen berichtet davon, dass die Stadt mit ihrer eigenen Anlage deutlich flexibler im Einsatz sein kann, als sie es früher war, wenn sie erst die Firma bestellen musste. Auch kann das Ordnungsamt schneller auf Anregungen von Bürgern oder Ortschaftsräten reagieren, wenn die Tipps geben, wo der Blitzer einmal stehen sollte.

So kam auch eine ganze Reihe von neuen Blitzerstandorten dazu. Schon immer sind die Straßen vor den Grundschulen in Reichstädt und Seifersdorf oder vor den Kindergärten in den verschiedenen Ortsteilen kontrolliert worden. Doch jetzt blitzte es öfter auch an Standorten, wo die Stadt Dippoldiswalde bisher das Tempo nicht überwacht hat, wie die Wohngebiete der Kernstadt oder problematische Stellen, auf denen Schulkinder unterwegs sind, wie der Abzweig nach Berreuth, der Fußgängerüberweg vor dem Busbahnhof in Dippoldiswalde oder die Straße an der Bushaltestelle im Reinholdshainer Oberdorf.

Der Chef des Ordnungs- und Verkehrsamts sagt ausdrücklich, dass die Dippoldiswalder gerne Vorschläge für Messstandorte ans Ordnungsamt geben können, wenn sie das Gefühl haben, dass Autofahrer irgendwo öfter zu schnell unterwegs sind. Seine Mitarbeiter können darauf jetzt flexibler reagieren als früher.

Nun dient der Blitzer dazu, die Sicherheit auf den Straßen zu verbessern und die Autofahrer vorbeugend dazu zu bringen, sich an die Tempolimits zu halten. Aber das würde nicht funktionieren, ohne auch vom Geld zu reden.

Bei Tempoüberschreitungen bis zehn Stundenkilometer sieht der aktuelle Bußgeldkatalog zehn Euro vor, bis 15 Stundenkilometer dann schon 20 Euro, bis 20 Stundenkilometer über dem Limit sind es dann 30 Euro. Wer mehr als 30 km/h zu schnell fährt, muss schon eine dreistellige Summe bezahlen und mit einem Fahrverbot rechnen. Dazu werden dann noch Kosten und Auslagen berechnet. Da kommen schon ordentliche Summen zusammen.

Schon im ersten Halbjahr 2018 hat Dippoldiswalde mit der neuen Technik rund 31 000 Euro an Verwarnungs- und Bußgeldern wegen Verstößen gegen die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit eingenommen. Damit kann die Rechnung aufgehen, mit der die Stadtverwaltung die Anschaffung des eigenen Blitzers gegenüber dem Stadtrat begründet hat. Ein Argument für den neuen Blitzer war, dass die Stadt auf Dauer mit der eigenen Technik Geld einspart gegenüber den Kosten für die Fremdfirma.

Für die Anschaffung der Messanlage hat die Stadtverwaltung 53 000 Euro an Kosten kalkuliert. Die sollte dann einige Jahre in Funktion bleiben. Für die Anmietung der Technik bei der Firma hat Dippoldiswalde mit Ausgaben von 23 000 Euro im Jahr kalkuliert. Es sieht also danach aus, als ob der Blitzer schon dieses Jahr sein Geld einspielen würde – außer, die Autofahrer halten sich an die Tempolimits. Das wäre zwar voll und ganz im Sinne der Verkehrssicherheit, aber die städtische Rechnung ginge dann nicht mehr auf. Ob es dazu kommt, haben die Kraftfahrer selbst in der Hand.

Zum Einsatz kommt in Dippoldiswalde ein System der Firma Leivtec, einem Tochterunternehmen des Leica-Konzerns. Das arbeitet mit Digitaltechnik. Wenn sich ein Auto nähert, wird es in 50 Meter Entfernung vom Infrarotlicht der Kamera erfasst. Die berechnet aus den reflektierten Bildern die Geschwindigkeit des Fahrzeugs. Wenn alles in Ordnung ist, werden alle Daten sofort wieder gelöscht. Wird jedoch die vorgeschriebene Geschwindigkeit überschritten, werden das erste und das letzte Bild gespeichert, zusammen mit allen anderen Daten der Messung. Diese Beweisdaten werden dann auf den Computer der Stadtverwaltung überspielt.