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„In Dresden muss sich etwas ändern“

© Christian Juppe

Eva-Maria Stange will überparteilich gewinnen, setzt auf mehr als nur rot-grün-rote Forderungen.

Von Andreas Weller

Sie habe lange gezögert, erklärte Kunstministerin Eva-Maria Stange (SPD) gestern. Der Weg zu ihrer Präsentation als Oberbürgermeisterkandidatin im Lingnerschloss führte durch die dortige Baustelle. Ein wohl nicht gewolltes Sinnbild zu ihrer Sicht auf die Stadt. „Dresden ist immer ein schwieriges Pflaster, aber jetzt besonders“, so Stanges Worte, als sie auf Pegida angesprochen wird. Überhaupt habe sie lange überlegt, ob sie das kann, will und die Unterstützung habe. „Mir ist es wichtig, dass ich nicht nur von meiner Partei getragen werde, sondern von den Bürgern.“

Das macht nun die Wählerinitiative „gemeinsam für Dresden“. Initiator ist der Soziologieprofessor Karl-Siegbert Rehberg, Erstunterzeichner kommen aus der Wissenschaft, der Kultur, der Politik und aus sozialen Einrichtungen. Die Wirtschaft hält sich noch bedeckt. „Da bestehen Abhängigkeiten, deshalb wird die Kandidatur ideell, aber noch nicht öffentlich, unterstützt“, sagte Sänger Reinhard Decker. Unterstützung gebe es aber von der SPD, Grünen und Linken – der Stadtratsmehrheit. „Ohne Rückendeckung der Parteien wäre es Harakiri“, so Stange.

Dennoch werde sie alle Parteiämter für den Wahlkampf niederlegen. Auf ihren Wahlplakaten werde das SPD-Logo nicht auftauchen, um ihre Überparteilichkeit klarzustellen. Im Herzen bleibe sie aber Sozialdemokratin. Und Ministerin. Stange werde Wahlkampf und ihre Arbeit klar trennen. Das könne gut funktionieren.

Aufbruch und Perspektive

Der Soziologieprofessor spricht immer wieder von einem Aufbruch, der in Dresden notwendig sei. „Es braucht eine deutliche Perspektive für die Zukunft der Stadt, eine soziale Spaltung muss vermieden und kulturelle Teilhabe für alle gesichert werden.“ Zudem sei Stange besonders geeignet, die Meinungskämpfe wie bei Pegida und den Gegnern der Bewegung zu versachlichen. „Eva-Maria Stange verbindet Glaubwürdigkeit mit Sachkompetenz, Dialogfähigkeit mit Führungsstärke. Sie kennt Dresden“, erklärte Rehberg.

Stange selbst sieht ein Problem darin, dass Dresden arm sei. „Arm an kultureller Vielfalt.“ Sie habe viel von den Nöten der Bürger gehört. Als Landtagsabgeordnete unter anderem für Gorbitz zuständig, sei sie ständig im Dialog mit den Anwohnern. „Ich habe gemerkt, dass Dresden sich immer mehr spaltet: in arme und in reiche Stadtteile. Die armen Stadtteile drohen umzukippen.“ Dem wolle sie entgegensteuern. Wie genau, soll in ein Wahlprogramm einfließen, das noch erstellt wird. Es werde natürlich auch erwartet, dass die Punkte der Kooperationsvereinbarung der Stadtratsfraktionen von Linken, Grünen und SPD mit Stange als Oberbürgermeisterin umgesetzt werden. „Meine Vorstellungen gehen darüber hinaus“, so Stange. Es gebe auch viele andere Interessen von Bürgern außerhalb dieses Spektrums, die sie umsetzen wolle. „In Dresden muss sich etwas ändern.“

Die montäglichen Pegida-Demos, Terrordrohungen gegen Dresden, beziehungsweise Pegida-Anführer Lutz Bachmann, und der Mord an einem Asylbewerber beeinträchtigen laut Stange derzeit das Bild Dresdens. „Es gibt in der internationalen Wissenschaft und Kultur große Sorgen.“ Dresden sei zwar nicht der Nabel der Welt, aber es werde wahrgenommen, was hier passiere. „Dresden ist das Spiegelbild und die Eintrittskarte von Sachsen.“ Deshalb müsse klargestellt werden, dass Dresden ein anderes Gesicht hat, als es derzeit außerhalb wahrgenommen werde. „Dresden muss offen sein, für Menschen auf der Flucht und nicht nur für Ausländer als hoch qualifizierte Wissenschaftler oder Fußballer“, so Stange. „Willkommen in Dresden“ dürfe nicht nur eine Phrase sein. Auch um das zu verdeutlichen, ist Stange dafür, mit Pegida-Mitläufern intensiv ins Gespräch zu kommen. „Aber bei rassistischen Äußerungen werde ich deutliche Worte dagegen sagen.“

Keine Gespräche mit Pegida-Führung

Mit den Organisatoren der Demos werde sie aber keinen Dialog führen. „Solche Gespräche würde ich derzeit ablehnen. Was dort gesagt wird, ist keine Grundlage.“ Die offiziellen Forderungen von Pegida haben nichts mit dem bei den Demos Gesprochenen zu tun, kritisiert Stange. Sie legt sich diesbezüglich also fest. Anders als ihre Mitbewerber. Innenminister und CDU-OB-Kandidat Markus Ulbig und Wirtschaftsbürgermeister und ebenfalls OB-Kandidat Dirk Hilbert (FDP) haben Anfragen der SZ zu dem Thema Pegida, die sie seit Dezember vorliegen haben, bisher nicht beantwortet.

Die Wählerinitiative „Gemeinsam für Dresden“ sucht Unterstützer, damit Stange unabhängig kandidieren kann. Gleiches gilt für Hilbert, der ebenfalls nicht als Kandidat seiner Partei antritt.