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In Hartha leben die ältesten Menschen

Die Bevölkerung des Altkreises schrumpft. Gleichzeitig steigt der Altersdurchschnitt. Führt das zu Problemen in der Betreuung?

Von Cathrin Reichelt

In keiner der fünf Städte des Altkreises Döbeln ist die Tendenz positiv. In allen zeigt der Daumen nach unten, wenn es um die Bevölkerungsentwicklung geht. Bis zum Jahr 2030 leben in der Region rund 9 700 Menschen weniger als im Jahr 2013. Würden diese Menschen alle in einer Kommune leben, wäre eine Stadt wie Waldheim samt seiner Ortsteile komplett entvölkert. Mit knapp 3 000 Einwohnern muss Döbeln mit den größten Verlusten rechnen. In Waldheim sind es reichlich 2 200. In Roßwein, Waldheim und Leisnig wird es jeweils rund 1 500 Menschen geben. Das ist das Ergebnis einer Studie der Bertelsmann Stiftung. In der werden allerdings nur Kommunen mit einer Größe über 5 000 Einwohner betrachtet, so dass Aussagen über die Entwicklung der Dörfer im Altkreis Döbeln derzeit nicht möglich sind.

Etwa ein Drittel der Einwohner ist im Jahr 2030 älter als 65 Jahre

Gleichzeitig mit dem Rückgang der Bevölkerung, werden die Menschen, die noch im Altkreis leben, immer älter. Der Anteil derer, die zwischen 65 und 79 Jahre alt sind, steigt in den kommenden 15 Jahren von knapp 20 Prozent auf bis zu 28 Prozent. Besonders viele alte Frauen und Männer werden voraussichtlich in Hartha leben. In der Stadt wird auch der Anteil der über 80-Jährigen mit reichlich 15 Prozent am höchsten sein. In Roßwein machen die Senioren bis 79 künftig einen Anteil von knapp 27 Prozent aus. In den anderen drei Städten liegt der Prozentsatz zwischen 23 und 25. Mit knapp zehn Prozent gibt es in Waldheim im Jahr 2030 die wenigsten Über-80-Jährigen. In Döbeln, Leisnig und Roßwein liegt deren Anteil etwa bei elf Prozent.

Durch die hohe Zahl der Älteren steigt auch das Durchschnittsalter

Der höher werdende Anteil der Älteren hat einen Anstieg des Durchschnittsalters zur Folge. Auch dabei ist Hartha mit 61,5 Prozent Spitzenreiter – und das nicht nur in der Region Döbeln. Die Stadt wird in 15 Jahren zu den „ältesten“ im Landkreis Mittelsachsen gehören. Für die Einwohner der anderen Städte des Altkreises wird ein Durchschnittsalter zwischen 53 und 57 Jahren prognostiziert.

Trotz Überalterung ist ein Pflegenotstand vermeidbar

Trotz der zunehmenden Zahl der älteren Menschen muss es nicht zu dem vielzitierten Pflegenotstand kommen, meint Cornelia Brambor vom gleichnamigen Pflegedienst. Für dessen Vermeidung sieht sie sowohl die Pflegedienste als auch den Freistaat Sachsen in der Pflicht. In ihrer Firma werden seit Jahren Pflegekräfte ausgebildet. Im vergangenen Jahr hat sie mit 17  jungen Leuten einen Lehrvertrag abgeschlossen und in diesem Jahr mit neun Jugendlichen. Viele der jungen Frauen und Männer, die auslernen, erhalten bei Brambors einen festen Arbeitsvertrag. „Somit landen sie gar nicht erst auf dem Arbeitsmarkt.“ Damit sie die gute Qualität der Pflege halten könnten, müssten sie ihre Mitarbeiter natürlich auch „an die Hand nehmen“. In dem familienfreundlichen Unternehmen sei das ein Geben und Nehmen. Kompromisse seien eingeplant.

Kritisch betrachtet die Geschäftsführerin neue Schulen, die derzeit entstehen, und Pflegekräfte ausbilden. Dafür erhalten sie vom Freistaat Sachsen Fördergeld für 24  Monate. Die Ausbildung zum Pflegeassistenten dauert aber nur ein halbes Jahr. „Das sind alles Quereinsteiger. Ihnen fehlt die Praxis“, befürchtet Cornelia Brambor. Sie fände es besser, wenn das Fördergeld für eine einheitliche Ausbildung von Pflegekräften in Sachsen verwendet würde.

Großes Potenzial sieht Cornelia Brambor in den Asylbewerbern. Sie freue sich, über jeden, der kommt. Denn die Ausländer würden nicht nur zur Belebung der Wirtschaft beitragen, sondern seien auch hochmotiviert, zu arbeiten. Von den Pflegebedürftigen würde deren Betreuung gut angenommen.

Auch viele ältere Menschen verlassen ihre Heimatstadt

Aus verschiedenen Gründen entschließen sich ältere Menschen noch einmal zu einem Umzug. Die größte sogenannte Alterswanderung wird für Hartha erwartet. Dort stehen knapp neun Personen pro 1 000 Einwohner zubuche. In Waldheim sind es reichlich sieben, in Roßwein 4,5 und in Leisnig sowie Döbeln jeweils 1,7 Personen.