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Sachsen

In neun Stunden von Döbeln nach Dresden

Bei der CC-Rallye fahren 140 Cabrios durchs Land. SZ-Autorin Jenny Thümmler war ganz nah dabei. Ein Bericht.

SZ-Autorin Jenny Thümmler mit ihrem Beifahrer Falko Herbig. © kairospress

Von Jenny Thümmler

Nach unserem ökologischen Fußabdruck fragen wir heute mal nicht. Über 140 Autos versammeln sich am Sonnabend beim Autohaus Gruma in Döbeln, um die CC-Rallye Sachsen zu fahren. 

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Es sind fast alle Cabrios, ein paar Coupés haben sich untergemischt. Das Teilnehmerfeld gleicht einer Leistungsschau, was Dresden und Umgebung zu bieten hat. Sportwagen von Audi, Porsche, Mercedes und Lamborghini sind dabei, Alltagscabrios wie VW Golf und Seltenes wie Morgan 4/4, Shelby Cobra von 1965 – oder der Lotus Caterham Super Seven, den die späteren Sieger Oliver und Daniela Hauschild fahren. 

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Von Döbeln aus durch Sachsen

Die CC-Rallye erfreut sich eines neuen Teilnehmerrekords. Die Fahrzeuge sind höchst vielfältig.

Sammeln am Autohaus Gruma in Döbeln vor dem Start © Jenny Thümmler

Wir treten mit einem Mazda MX-5 an, der Klassiker unter den Roadstern. In diesem Teilnehmerfeld ein eher unauffälliges Auto, dafür sind wir eher auffällig. Bei unzähligen anderen Teams fährt der Mann, die Frau sitzt auf dem Beifahrersitz. Wir machen das andersrum. Aber wie sagt Rallyeleiter Markus Hendel so schön? „Der Beifahrer ist am wichtigsten, denn er ist der Lotse. Der Fahrer muss ja nur fahren.“ Na toll.

© Jenny Thümmler

Die Fahrzeuge glänzen, die Stimmung ist locker. Viele kennen sich, man trifft sich offenbar häufig bei Orientierungsrallyes. Andere sind Neulinge und lernen zuallererst, wie man ein Roadbook liest. Darin gibt’s nämlich nur Zahlen und Pfeile. Es ist wie eine Schnitzeljagd mit dem Auto. Ob man auf der richtigen Strecke ist, wird mit Stempelstellen und Wertungsprüfungen kontrolliert.

Auch seltene Autos waren dabei, so wie dieser Shelby Cobra 427 von 1965 © kairospress

Die erste davon versemmeln wir prompt. „Fahre 80 Meter in 16 Sekunden“, lautet die Aufgabe. So ähnlich konnte man das am Vorabend der Rallye schon testen. Haben wir natürlich nicht gemacht. Das ist wie beim Kochen. Wer abschmeckt, ist feige. Also schnell längst verschüttete Physikkenntnisse hervorkramen: Wie berechnet sich die Geschwindigkeit? Ah ja, Weg geteilt durch Zeit. Macht fünf Meter pro Sekunde.

Nach einiger Diskussion weist mein Beifahrer mich an, mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 19 km/h zu fahren, und schon geht’s los. Leider vergisst der eben noch so pfiffige Copilot, die Stoppuhr richtig zu starten, sodass wir nach Zeitgefühl fahren müssen. Hat man aber nicht im Rallyestress. Wir sind viel zu schnell. 2,4 Sekunden zu früh rollen wir durch die Lichtschranke. Das sind Welten bei diesen feinen Messmethoden. Erst nach ein paar Kilometern wird die Stimmung im Auto wieder besser.

© kairospress

Es geht gut 260 Kilometer durch die herrliche sächsische Landschaft. Bergauf, bergab. Fast immer auf Nebenstraßen, durch kleine Dörfer, auf schattigen Waldstraßen, auch mal über holprige Pisten, die schon bessere Tage gesehen haben. Höhepunkte sind die Stempelstellen an touristischen Zielen wie Sonnenlandpark Lichtenau, Wasserschloss Klaffenbach oder Schloss Wildeck in Zschopau.

An Schloss Augustusburg dürfen die Cabrios mitten durch den Schlosshof rollen – eine herrliche Kulisse! Die Schlossgäste winken den Fahrern zu, viele machen Fotos. Vor allem natürlich von den seltenen Autos. Manchen lässt das nicht unbeeindruckt. Vor den Zuschauern lässt der Fahrer eines gelben Lamborghini den Motor hochdrehen. Der Sportwagen kreischt, dass die altehrwürdige Augustusburg erzittert. Kann man schön finden, muss man aber nicht. Ein paar Kilometer weiter steht der Lambo an der Tankstelle.

© Jenny Thümmler

Eine Wertungsprüfung nach der anderen begegnet uns unterwegs. Leider immer nach demselben Prinzip. Immer Lichtschranken, die die Fahrtzeit auf die hundertstel Sekunde genau stoppen. Immerhin schaffen wir Abweichungen von 0,37 und sogar 0,04 Sekunden von der Sollzeit. Mit Fahrzeugbeherrschung oder Fahrspaß haben diese Prüfungen aber wenig zu tun.

Zu Fuß muss es auch klappen - eine besondere Wertungsprüfung © Jenny Thümmler

Zwei Runden um eine Verkehrsinsel flitzen zu dürfen, ist eine schöne Abwechslung. Und natürlich die Gokart-Rennstrecke Erzgebirgsring in Lichtenberg. Mitten auf der Strecke überrascht uns auch noch die geheime Wertungsprüfung: ein Extra-Zeitfenster für eine Extra-Wegstrecke. Zählend sitzen wir beide im Auto, während wir um die Kurven hasten. Es klappt, juchhu! Mehr davon!

Im Laufe der Stunden drückt die Sonne immer mehr. Es ist herrliches Cabriowetter, aber langsam wird die Haut an Nacken und Armen rot. Eincremen im Vierstundentakt. Und gaaanz langsam aufstehen beim Aussteigen und hinsetzen beim Einsteigen. Ledersitze haben nicht nur Vorteile. Die Verpflegung mit Eis und Getränken an der Strecke ist erstklassig.

Cabrioparade zur Mittagspause © Jenny Thümmler

Mehrmals wird der Fahrzeugtross zu Tankstellen geleitet, wo freundliche Gesichter kaltes Wasser, Saft oder Eis reichen. Es gibt zudem Mittags- und Kaffeepause. Super Service. Da schwindet auch ein bisschen der Neid auf Familie Kliemann und den Riesenkofferraum in ihrem Cadillac de Ville. Da drin steht eine Kühlbox, Größe XL, und geht in diesem Kofferraum trotzdem fast unter.

Am Haus der Presse in Dresden ist das Ziel © kairospress

Als die ersten Autos kurz vor 18 Uhr ins Ziel am Haus der Presse in Dresden angekommen, sehen die Zuschauer in meist müde Gesichter. So eine lange Rallye schlaucht, noch dazu bei dieser Hitze. Trotzdem wird das Salonschiff „August der Starke“ für die Abschlussfahrt voll. Schließlich gibt es nicht nur Ergebnisse und Siegerehrung, sondern auch kühle Getränke und Essen.

Oliver und Daniela Hauschild als Sieger haben bei allen acht Wertungsprüfungen zusammen nur 2,38 Sekunden danebengelegen. Unklar. Das haben wir schon bei unserer ersten übertroffen. Platz 49 ist es am Ende für uns. Wir sind zufrieden. Und eine Rallye steht bestimmt wieder mal auf dem Plan.

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