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In Ostsachsen wird es immer trockener

Die Folgen des Klimawandels sind hier härter als anderswo in Deutschland. Wälder und Felder spüren es bereits.

© dpa

Von Stephan Schön

OSTRALE Biennale O19

Die zweite Biennale und 12. OSTRALE widmet sich ab dem 11. Juni bis zum 1. September dem Leitgedanken „ismus“.

Dresden. Die Temperaturen sind seit Tagen auf Rekordniveau. Ganz Ostsachsen muss auch heute weiter in dieser Saharaluft schwitzen. Was dann am Abend an Regen noch in der Lausitz ankommt, das ist vergleichsweise wenig.

Nicht nur heute ist das so. Die Lausitz wird generell trockener, berichtet Susann Mehler vom Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG). Morgen stellt sie in Görlitz eine neue Studie des Klimaprogramms Klaps vor. Erstmals wird darin länderübergreifend Ostsachsen gemeinsam mit dem tschechisch-polnischen Grenzraum untersucht.

Immer weniger Frosttage in höheren Lagen

Der Studie zufolge stieg die Durchschnittstemperatur in der Lausitz seit 1971 stärker als in anderen Regionen Deutschlands. Im Tiefland hat die Zahl der Sommertage mit über 25 Grad bereits um 16 Tage pro Jahr zugenommen; die der Hitzetage mit mehr als 30 Grad um sechs Tage. Die Frosttage seien aber fast unverändert, berichtet Mehler. Anders im Gebirge ab 650 Metern. Dort fehlen inzwischen 23 Tage, an denen die Temperatur unter Null sinkt. Bis zum Jahr 2050 verschwinden nochmals etwa 20 Frosttage. Vom Winter bleibt dann nicht viel – mit Folgen für Skisport und Liftbetrieb.

Dass die längere Vegetationsperiode zu besseren Ernten führt, bezweifelt Thomas Pluntke vom LfULG. Auch er stellt morgen eine neue Studie vor, die sich dem Wasserhaushalt der Neißeregion widmet. Die Trockenperioden in Ostsachsen dauern inzwischen nicht nur durchschnittlich drei Tage länger, sie haben auch in der Häufigkeit um etwa 15 Prozent zugelegt. „Der zusätzliche Niederschlag, den wir im Winter messen, rettet nicht den Verlust im Sommer“, sagt Pluntke.

Mehr Sonne bedeutet mehr Verdunstung

Insbesondere in Ostsachsen ist die Sonnenscheindauer seit 1971 um 15 bis 20 Prozent gestiegen. Damit wird die stärkere Verdunstung zum Problem. Letztlich steht immer weniger Wasser zur Verfügung, das absickern und abfließen kann. Folgen hat das für Wasserkraftanlagen und die Flutung der Tagebauseen.

Aber auch der Wald bekommt ein Problem. Die Fichtenwälder südlich von Bautzen und Görlitz werden dem nicht standhalten. Das wird Rainer Gemballa vom Staatsbetrieb Sachsenforst morgen auf der Tagung berichten. „Doch nicht das Klima bringt die Bäume um, das macht dann der Borkenkäfer.“ Geschwächt sind die Bäume ein ideales Opfer. Gemballa fordert neue Arten, Kiefern zum Beispiel.

Aber nicht nur das ist nötig. Während es im Großraum Dresden für Stadt und Land ausreichend Wasserreserven aus den Speichern des Erzgebirges gibt, fehlen solch große Reservoirs für die Lausitz. Damit bleibt die Region nicht nur für Starkregen anfälliger, sondern auch für Hitzeperioden. Lösungen dafür gibt es noch nicht.