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In Polen sinken die Sympathien für die USA

Die Zeitung „Polska“ war außer sich: „Fliegende Wracks“ seien die US-Kampfflugzeuge vom Typ F-16. Eine Maschine des US-Konzerns „Lockheed Martin“ war zuvor mit rauchenden Triebwerken am Himmel über Warschau erschienen und wenig später notgelandet.

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Von Jens Mattern, Warschau

Die Zeitung „Polska“ war außer sich: „Fliegende Wracks“ seien die US-Kampfflugzeuge vom Typ F-16. Eine Maschine des US-Konzerns „Lockheed Martin“ war zuvor mit rauchenden Triebwerken am Himmel über Warschau erschienen und wenig später notgelandet. Es war eine der 1700 Mangelerscheinungen, die bei den 48 Flugzeugen festgestellt wurden, die Polen 2003 von den USA gekauft hatte.

Dieser damals europaweit umstrittene Kauf galt als sichtbarstes Zeichen der engen Verbundenheit Warschaus mit Washington. Nun könnten die Mängel an den Flugzeugen zum Symbol für den Niedergang des US-Mythos an der Weichsel werden.

Doch es gibt weitere Gründe für die Unzufriedenheit mit dem großen Verbündeten. Schon seit zehn Jahren bemüht sich die Warschauer Diplomatie vergeblich um eine Aufhebung der Visumspflicht für polnische Bürger. Die amerikanische Angst vor schwarzarbeitenden Polen wiegt jedoch schwerer als die Sorge, einen Verbündeten zu verprellen.

Die Europäische Kommission hatte kürzlich über den Atlantik hinweg gedroht, die US-Diplomaten bräuchten auch ein Visum, sollte die Visa-Pflicht bei den neuen EU-Mitgliedsstaaten nicht aufgehoben werden. Gerade einmal sechs Prozent der Polen, ergab eine Umfrage, wollten in den USA arbeiten. Für Deutschland konnten sich schon 48 Prozent erwärmen. Seit dem EU-Beitritt bieten zudem die offenen Märkte von Großbritannien und Irland für Polen legale Beschäftigungsmöglichkeiten.

Der harte Verhandlungskurs Warschaus bei der geplanten Stationierung des US-Raketenschilds stützt sich auch auf die Amerika-Skepsis in der polnischen Bevölkerung. Dort sprechen sich nur 36 Prozent entschieden für eine Stationierung aus. Bislang ist das Ende der Verhandlungen um die Patriot-Raketen, die iranische Flugkörper über polnischem Boden abfangen sollen, nicht abzusehen. Polen verlangt zusätzliche Patriot-Raketen zur Verteidigung gegen Russland, das auf die US-Pläne mit Drohungen gegen Warschau reagiert. Den USA ist dies jedoch zu aufwendig.

Doch Premierminister Donald Tusk und Außenminster Radek Sikorski stellten sich bislang stur. Auch die drohende Option, die US-Basis nach Litauen zu verlegen, scheint nicht zu beeindrucken. Das in der EU bereits bekannte wie gefürchtete polnische „liberum veto“ blüht nun auch den USA.