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In Sachsen leben nicht nur Deppen

Die gemeinsame Vermarktung von Dresden und dem Elbland zeigt erste Erfolge. Doch eine dunkle Wolke zieht auf.

© Norbert Millauer

Von Peter Anderson

Die Schlagzeilen sind nicht schön. Im Gegenteil, teilweise fallen sie abwertend und überzogen aus: „Ein ganzes Bundesland wählt rechts“, schreibt die Frankfurter Rundschau. In der Hamburger Morgenpost heißt es: „Die Mauer ist wieder da.“ Rechtsextremismus-Forscher Michael Lühmann aus Göttingen lässt sich bei Zeit Online über „Das sächsische Leiden“ aus. Der MDR reduziert ein Interview mit dem Publizisten Sergej Lochthofen auf den brutalen Satz: „Im Osten leben schon die Deppen der Nation.“

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Genau darum soll es heute gehen bei der Pressekonferenz des Tourismusverbandes Sächsisches Elbland, zusammen mit der Dresden Marketing GmbH (DMG) im Radebeuler Hoflößnitz. Seit einem halben Jahr werben die beiden Partner weltweit und national gemeinsam für eine Region, die elbabwärts bis Torgau reicht, im Norden bis Großenhain, südlich bis Tharandt. Die Zahlen gehen nach oben. Bei den Übernachtungen legten Stadt und Land im Vergleich zu 2016 um 3,2 Prozent zu, bei den Ankünften um fünf Prozent.

Pegida-Effekt noch im Hinterkopf

Was passiert, wenn Sachsen jetzt einmal mehr in den Medien und durch einzelne Politiker pauschal zum Sündenbock und Braunen Peter der Nation gemacht wird? Ist ein erneuter Pegida-Effekt wie 2015 und 2016 zu befürchten? „Wir konnten damals mit einer Studie nachweisen, dass die Berichterstattung über Pegida Dresden einen Image-Schaden zugefügt hat“, sagt die Leiterin Marktforschung und Tourismusmarketing bei der DMG, Ina Duckstein. Das habe sich auch bei den Besucherzahlen bemerkbar gemacht, deutlicher allerdings im Hochschulbereich. Zwei Jahre lang kamen weniger Touristen nach Elbflorenz und in die sächsische Toskana. Jetzt gibt es einen deutlichen Aufwärtstrend. Wie gewonnen, so zerronnen?

DMG-Pressesprecherin Karla Kallauch zeigt sich vorbereitet. „Wir haben Erfahrung mit solchen Situationen“, sagt sie. Als eine Reaktion habe die Marketing GmbH damals intensiv Journalisten, Blogger und sonstige Multiplikatoren zu Pressereisen eingeladen. Dabei standen natürlich die großen Sehenswürdigkeiten und kleinen Geheimtipps auf dem Programm. Gleichzeitig vermittelten die Tourismuswerber Gespräche mit Aktivisten, mit Unternehmern, mit Wissenschaftlern. In der Folge hätten sich die Redakteure deutlich sensibler und weniger pauschalisierend geäußert. Ein Bewusstsein für die Vielschichtigkeit der Problemlage im Freistaat sei entstanden. Dieses Rezept könnte jetzt erneut angewendet werden.

Zusätzlich verweist Karla Kallauch auf die Kraft der sogenannten sozialen Netzwerke. Drei Mitarbeiter widmeten sich in ihrem Unternehmen mittlerweile diesem Bereich. Sie antworteten auf unsachliche Kommentare, sorgten dafür, dass falsche Behauptungen richtig gestellt würden.

Tourismusverbandschef Bert Wendsche, der gleichzeitig parteiloser Oberbürgermeister von Radebeul ist, fasst zusammen, worauf es in einer möglichen Krisensituation ankommt. „Wir müssen die Menschen umfassend mit Informationen über die Situation in Sachsen versorgen. Ähnlich wie wir das auch nach den Hochwasserkatastrophen gemacht haben. Das ist entscheidend“, sagt er.

Wein in den USA, Meissener in China

Für Wendsche trägt die Kooperation zwischen Landeshauptstadt und Elbland erste deutliche Früchte. Das Jubiläum 25 Jahre Sächsische Weinstraße habe mithilfe der konzentrierten Marketing-Kraft in den Vereinigten Staaten sehr gut platziert werden können. „Uns hat fast schon überrascht, wie interessiert sich die Amerikaner an unserem Wein und der Genussregion gezeigt haben“, so Elbland-Geschäftsführerin Sindy Vogel. Ähnlich positiv reagierten die Chinesen auf den Komplex Meissener Porzellan. Die von Dresden über Meißen, Moritzburg und Radebeul reichende neue VVO-Rundtour mit Bus und Bahn sei sehr gut angenommen worden.

Einen nochmaligen, großen Schub erwarten sich die Touristiker von der 2018 in Dresden stattfindenden Messe German Travel Mart. Die Plattform soll deutsche Anbieter sowie internationale Einkäufer zusammenbringen und hoffentlich für bessere Schlagzeilen sorgen.