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In Saus und Braus

Flüge, teure Katzen, das beste Hotel am Platz – ein 27-Jähriger leistete sich ein Luxusleben ganz ohne eigenes Vermögen. Er ist ein klassischer Betrüger.

© Sven Ellger

Von Alexander Schneider

Jonas L. ist 27 Jahre alt, hat keinen Beruf erlernt, aber gibt sich gerne als „Vertriebspartner“ eines Dresdner Callcenters aus. Die Verbraucherzentrale Sachsen warnt wegen „Abzocke“ vor dieser Firma, die unter anderem Senioren hoffnungslos überteuerte „Nahrungs-ergänzungsmittel“ wie „Gesund + Fit Vitalkapseln“ mit freundlichem Singsang am Telefon aufschwatze.

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Dass Jonas L. von dieser Firma angeblich nie einen Cent erhalten habe – geschenkt. Was ihm an Vermögen fehlt, macht der Mann mit seinem Mundwerk wett. Etwa wenn er sich als Immobilienmakler aus Frankfurt am Main im Hotel Taschenbergpalais Kempinski einmietet. Mit seiner Freundin schwelgte er dort im Sommer 2015 eine Woche im Luxus. Mehr als 3 000 Euro ist er dem Hotel bis heute schuldig geblieben – für Übernachtungen, Frühstücke, Wäscherei, Maniküre, Minibar und allerlei andere Extras.

Als die Zimmermädchen den Braten rochen und Handy, Tablet-PC, Sonnenbrille, Uhr und Kleidung des zahlungsunfähigen Pärchens einzogen, marschierte der falsche Makler zur Polizei und zeigte das Personal wegen Unterschlagung an. Diese und andere Geschichten brachten den Mann im April dieses Jahres für zwei Monate in Untersuchungshaft und am Mittwoch – wieder einmal – vor das Amtsgericht Dresden.

Laut Anklage hatte L. auch vier Flüge zwischen Dresden und Düsseldorf für mehr als 1 600 Euro gebucht und online mit den Bankdaten seiner Mutter und anderer Geschädigter bezahlt. In einer Zoohandlung im Elbepark kaufte er eine Rassekatze für 750 Euro und schwindelte dem Personal mit einem offenbar gefälschten Foto auf seinem Handy vor, er habe den Betrag bereits bezahlt.

Ungewöhnlich, aber effektiv: Nachdem Oberstaatsanwalt Silvio Helmert die Anklage verlesen hatte, hielt er dem Angeklagten erst mal eine Standpauke. Er möge in diesem Gerichtssaal nicht wieder solche Geschichten erzählen wie zuvor beim Haftrichter. Die Beweise gegen ihn seien erdrückend. Das muss gewirkt haben. Nach einem Rechtsgespräch und einer Beratung mit Verteidiger Karsten Hinz räumte der Angeklagte fast alle Vorwürfe ein. Im Kempinski sei er etwa gewesen, weil es aus dem Abfluss im Bad seiner Dresdner Wohnung erbärmlich gestunken habe. „Ja“, sagte Helmert, „da gehen Sie gleich ins beste Haus am Platze!“

Jonas L. hat neun Vorstrafen, darunter auch einschlägige Betrügereien, und etwa 20 000 bis 25 000 Euro Schulden. So genau wisse er das nicht. Erst in der U-Haft habe er sich an die Schuldnerberatung gewandt. Inzwischen habe er einen Job bei einer Zeitarbeitsfirma und wolle perspektivisch einen Beruf erlernen. „Machen Sie nichts, wo sie Verträge abschließen müssen“, riet ihm Oberstaatsanwalt Helmert.

Das Schöffengericht verurteilte den Angeklagten zu zwei Jahren Haft, die zur Bewährung ausgesetzt wurden, und 300 Arbeitsstunden. So hatte es Helmert zuvor gefordert – auch wenn er bezüglich der Bewährung „Bauchschmerzen“ habe, wie er sagte. „Das ist Ihre letzte Chance.“