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In schweren Stiefeln nach Afrika

Der Oderwitzer Feuerwehrmann Fred Schulze bildet im Sommer Kollegen in Kenia aus. Dafür hat er sogar die deutsche Dienstvorschrift übersetzt.

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© Matthias Weber

Von Mario Sefrin

Kenia. Fred Schulze weiß längst, wo das afrikanische Land auf dem Globus zu finden ist. Denn Kenia ist das Reiseziel, das der Oderwitzer Feuerwehrmann im Juli zwei Wochen besuchen wird. In dem Land direkt am Äquator steht für Schulze jedoch kein Urlaubsaufenthalt auf dem Programm – auch wenn er viele Eindrücke aus Afrika mit nach Hause nehmen will.

Fred Schulze fliegt dienstlich nach Kenia. „Ich werde dort für eine private Hilfsorganisation Feuerwehrleute ausbilden“, erzählt der 35-jährige Grundschullehrer. Eine solche Ausbildung ist für ihn nichts Neues: Als Gruppenführer bei der Feuerwehr ist er auch für die Ausbildung der anderen Kameraden zuständig und kommt dabei neben Oderwitz auch in den Nachbarorten zum Einsatz. Eine dieser Ausbildungen ist auch der Auslöser für den bevorstehenden Afrika-Trip gewesen: „Kameraden tauschten sich spaßeshalber per Facebook über Hilfsprojekte einer Organisation aus Deutschland in der Stadt Kabarnet und der gleichnamigen Region in Kenia aus. Einer der Kameraden berichtete mir schließlich davon“, sagt Schulze.

Es dauerte jedoch nicht lange, und Fred Schulze hatte ehrliches Interesse an den deutschen Hilfsprojekten in Afrika. „Ich habe eine Mail an die in Augsburg ansässige Organisation geschickt und um genauere Informationen gebeten“, erzählt der Oderwitzer. Diese Informationen hat Schulze bekommen, und wieder sollte es nicht lange dauern, da war ihm klar: „Ich mache das.“ Das war Mitte März dieses Jahres. Vor der Zusage, in Kenia zu helfen, hielt Schulze Rücksprache mit seiner Frau. Doch die habe ihn bei seinem Vorhaben nur bestärkt: „Sie hat mir gesagt, so eine Chance kommt nie wieder.“

Geholfen hat dabei sicher, dass seine Frau Bianca selbst in ihrer Freizeit beim Deutschen Roten Kreuz arbeitet und somit weiß, wie wichtig solche ehrenamtliche Hilfe ist. Und ehrenamtlich ist die Unterstützung, die Fred Schulze in Kenia leistet. „Ich bekomme gerade mal die Unterkunft vor Ort bezahlt. Ansonsten nehme ich für die Reise zwei Wochen Urlaub“, erzählt der Oderwitzer. Doch das macht ihm nichts aus, er freut sich auf das Abenteuer. Dafür steckt er seit einigen Wochen auch gern im Vorbereitungsstress. „Ich bin bei der Vorbereitung solcher Reisen ein recht genauer Mensch“, sagt Fred Schulze.

Es gebe aber auch eine ganze Menge zu tun, fügt er hinzu. Welche Impfungen sind notwendig, wie sieht es mit der Infrastruktur vor Ort aus, wie klappt die Verständigung? Fred Schulze versucht, auf viele seiner Fragen eine Antwort zu bekommen. „Über manches informiere ich mich selbst im Internet, andere Antworten bekomme ich per Mail von der Hilfsorganisation“, erzählt der Oderwitzer.

So weiß er schon, dass die Stadt Kabarnet rund 270 Kilometer nordwestlich der kenianischen Hauptstadt Nairobi liegt und etwa 35 000 Einwohner hat. Und Schulze weiß auch, wie seine Arbeitstage am Äquator ablaufen werden: „Ich werde die dortigen Feuerwehrleute unter anderem im Löscheinsatz unterrichten. Auch bei Einsätzen sowie beim Aufbau einer Rettungsleitstelle nach deutschem Vorbild in Kabarnet soll ich beratend zur Seite stehen“, sagt Schulze. Er ahnt, dass da einiges an Arbeit auf ihn wartet: „Für mich wird das Grundlagenarbeit. Ich muss erst einmal die Voraussetzungen in Kenia kennenlernen und schauen, wie der Wissensstand der Feuerwehrleute dort ist.“ Es scheint jedenfalls in Kenia kein einheitliches Feuerwehrsystem zu geben, so viel hat Fred Schulze schon mal in Erfahrung gebracht.

Die Grundlage für seine Tätigkeit ist bereits gelegt, denn für die Feuerwehr in Kenia wurde die deutsche Feuerwehr-Dienstvorschrift 3, die bei einem Einsatz die ersten zwei Minuten regelt, ins Englische übersetzt. Daran hat Fred Schulze mitgewirkt. Auch wird der Oderwitzer in Kenia mit deutscher Technik arbeiten, denn dank der Augsburger Organisation hat es bereits viele Spenden aus Deutschland für die Kenianer gegeben, darunter auch Fahrzeuge, Geräte und Ausrüstung für die Feuerwehr.

Verständigen wird sich Schulze in Kenia auf Englisch – und das nicht nur mit den beruflichen und freiwilligen Feuerwehrleuten, sondern auch mit dem Helfer und Begleiter, den Schulze während seines Aufenthalts zur Seite gestellt bekommt. Dieser ist der regionale Nationalpark-Ranger und will dem Gast aus Deutschland viel von seiner Heimat zeigen. Das Klima dafür wird angenehm sein: „In Kenia ist im Juli Winter, mit Temperaturen um die 25 Grad Celsius.“ Die Bewunderung seiner Oderwitzer Kameraden ist ihm schon jetzt sicher: „Die finden das ganz cool“, sagt er.

Doch so weit ist es noch nicht. Noch konzentriert sich Fred Schulze auf die Reisevorbereitungen. „Dafür habe ich mehrere Listen“, sagt der Oderwitzer. Eine wichtige Frage ist für ihn, wie er in Kenia das Wasser aufbereiten kann. „Ich will nichts riskieren“, sagt Schulze dazu. Auf Nummer sicher geht er auch beim Gepäck und dessen zulässigem Gewicht, weshalb er seine Feuerwehrstiefel wahrscheinlich bei der Reise mit dem Flugzeug anhaben wird. Und so wird sich der Oderwitzer Feuerwehrmann wohl mitten im Sommer auf seinen Weg machen – über Berlin, Düsseldorf, Abu Dhabi und Nairobi nach Kabarnet. In schweren Stiefeln.

Über Spenden für die afrikanische Feuerwehr würden sich nicht nur die dortigen Kameraden, sondern auch Fred Schulze freuen. Weitere Informationen zu den Hilfsprojekten in Kenia gibt es im Internet:

www.feuerwehr-oderwitz.de

www.prokapsogo.de