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Die Lausitz bekommt Ostsee-Strände

Ende 2015 holt Vattenfall die letzte Kohle aus dem Tagebau Cottbus-Nord, der sich danach mit Spree- und Grundwasser füllt. Eine Sorge aber bleibt.

Von Tilo Berger

Südsee-Flair hat die Lausitz schon mal: Auf halbem Wege zwischen Senftenberg und Spremberg plätschert Wasser im Blunoer Südsee. Auch wenn Einheimische und Besucher nur zu gern „die“ Südsee sagen – offiziell trägt der geflutete Tagebau südlich des Dorfes Bluno eine männliche Bezeichnung.

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Den Cottbuser Ostsee gibt es noch nicht. Und so recht kann es sich in Cottbus auch noch gar niemand vorstellen, dass vor den Toren der Stadt in zehn Jahren Deutschlands größter künstlicher See liegen soll. Mit Badestränden, Ferienhäusern, Anglern und kleinen Inseln für den Naturschutz.

Nach 34 Jahren ist Schluss mit dem Kohleabbau

Dort, wo seit 1981 Bagger das Braunkohleflöz freilegen und den Bodenschatz aus der Erde holen, der im nahen Kraftwerk Jänschwalde zu Strom und Wärme wird. Aber nicht mehr lange. Mit dem Jahr 2015 endet die Kohleförderung im Tagebau Cottbus-Nord. Schon jetzt wird der Korridor, den die Abraumförderbücke F 34 frei kratzt, von Monat zu Monat schmaler.

Im Herbst 2015 braucht der Bergbau- und Energiekonzern Vattenfall seine F 34 gar nicht mehr. Die etwa 200 Bergleute aus Cottbus-Nord will Vattenfall je nach Alter entweder in den Ruhestand oder in andere Tagebaue schicken, sagt Birgit Schroeckh, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit im nördlichsten Lausitzer Konzernbereich. Die Kohle aus Cottbus-Nord wird durch Lieferungen aus anderen Tagebauen ersetzt.

In anderthalb Jahren kommen die Sanierer

Nach den Bergleuten kommen ab Anfang 2016 die Sanierer. Sie beseitigen die ausgedienten Gleise der Kohlebahn, begradigen die Böschungen rund um die Grube und planieren die künftigen Strände des Ostsees. Theoretisch müssten dabei zwei Unternehmen Regie führen: die Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) für den Tagebaubereich aus den Jahren 1981 bis 1990, und Vattenfall für alles andere.

Praktisch wird es so laufen, dass Vattenfall die Arbeiten leitet und dabei in ständigem Kontakt mit der LMBV steht. „Wir profitieren dabei von den Sanierungs-Erfahrungen der LMBV“, erklärt Vattenfalls Chef-Geotechniker Ingolf Arnold. Die Flutung soll 2018 beginnen. Dazu lässt Vattenfall das Grundwasser ansteigen und zapft zugleich die nahe Spree an.

Angst vor Braunfärbung ist unberechtigt

Die Sorge, in den See fließe dann braune Brühe, hält Arnold für unberechtigt: Die Spree führt in diesem Abschnitt klares Wasser – vor allem dank der Talsperre Spremberg, die südlich von Cottbus dem Fluss jeden Tag rund fünf Tonnen Eisen abnimmt. Und da der Sand im jetzigen Tagebau und somit am Grunde des künftigen Ostsees viel Kalk enthält, sei auch nicht mit einer Versauerung des Wassers wie in anderen gefluteten Kohlegruben zu rechnen, versichert Arnold.

Gestern hat Vattenfall die Unterlagen für das wasserrechtliche Verfahren beim zuständigen brandenburgischen Landesbergamt in Cottbus eingereicht. Der Konzern rechnet mit einer zügigen Bearbeitung. Geht alles gut, könnte schon ab 2018 Spreewasser in den sanierten Tagebau fließen. Die Wasserzufuhr soll sechs Jahre dauern, erklärt ein Geotechniker.

Am Ende entsteht Deutschlands größter künstlicher See

Das Gewässer soll mit einer Wasserfläche von rund 19 Quadratkilometern Deutschlands größter künstlicher See werden – etwa dreimal so groß wie die Talsperre Spremberg. Zurzeit hält den Rekord mit 18 Quadratkilometern der Geiseltalsee bei Leipzig, ebenfalls ein gefluteter Tagebau. Der Cottbuser Ostsee wird die Bestmarke behalten, bis in einigen Jahrzehnten die noch größeren jetzigen Tagebaue Garzweiler bei Köln und Nochten bei Weißwasser geflutet werden.