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Feuilleton

Indie-Verlage unter Schock

Sonnenschein lockt viele Besucher zur Buchmesse in Leipzig. Auch die Stimmung der Buchbranche hellt sich auf - doch nicht alle teilen den Optimismus.

286.000 Gäste kamen auf das Messegelände in Leipzig und das dazugehörige Festival "Leipzig liest". © dpa/Jan Woitas

Von Franziska Höhnl und Birgit Zimmermann

Leipzig. Aufbruchstimmung, Besucherandrang und trotzdem einige Sorgenfalten: Die Leipziger Buchmesse hat mehr Besucher angezogen. Seit Donnerstag kamen 286.000 Gäste auf das Messegelände und das dazugehörige Festival "Leipzig liest", wie die Veranstalter am Sonntag mitteilten. Das waren 15.000 mehr als 2018, als Winterwetter und Bahnchaos die Bilanz deutlich geschmälert hatten.

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"Wir haben ein sehr stimmungsvolles Bücherfest erlebt", sagte Buchmesse-Direktor Oliver Zille. "Der Buchmarkt muss sich immer wieder neu beweisen und steht vor vielen Herausforderungen. Die Buchmesse hat ihre Aufgabe erfüllt, Literatur sichtbar zu machen."

So gut die Stimmung bei der Messe und der Branche insgesamt ist, so schlecht ist sie allerdings bei den unabhängigen Verlagen. Sie wurden von der Insolvenz des größten Zwischenbuchhändlers KNV besonders kalt erwischt. Ein Großteil der fest eingeplanten Einnahmen aus dem wichtigen Weihnachtsgeschäft ist für sie dahin. "Es gab kein anderes Thema auf der Messe", sagte Volker Surmann, Chef des Berliner Satyr-Verlags, am Sonntag. Kleine Verlage habe es wegen schlechterer Vertragskonditionen mit KNV heftiger getroffen als die großen.

"Das hat viele ins Mark getroffen. Verlegen ist sowieso hart und man lebt von der Hand in den Mund. Aber das war der nächste Tiefschlag", sagte Surmann. Alle hofften, dass KNV weitermache. Denn vor allem die kleineren Verlage setzten bis zu 80 Prozent ihrer Bücher über die Zwischenbuchhändler ab, von denen es nur drei in Deutschland gibt. Der Geschäftsführer des Börsenvereins, Alexander Skipis, sagte, er sei optimistisch, dass "das Problem KNV gelöst werde".

Der Instagram Poet "#Atticus" signiert am Stand des DTV-Labels "Bold!" auf der Leipziger Buchmesse.  © dpa/Jan Woitas

Ungeachtet der folgenreichen KNV-Insolvenz übte sich die Branche in guter Stimmung. Erstmals seit sechs Jahren meldeten die Marktforscher für 2018 wieder mehr Buchkäufer. Der Gesamtumsatz blieb im vergangenen Jahr stabil (+0,1 Prozent) im Vergleich zu 2017.

Den Optimismus schöpft der Börsenverein des Deutschen Buchhandels aus dem Start des neuen Jahres: In den ersten beiden Monaten ging es bei den Umsätzen um 4,5 Prozent und beim Absatz um 2 Prozent nach oben. "Diese Branche ist nicht in einer Krise, diese Branche ist im Aufbruch", sagte Skipis auf der Messe. Dabei sollen auch neue Ladenkonzepte bei den führenden Buchhändlern beitragen.

Sehr zufrieden ist das Gastland Tschechien. Die Resonanz auf den Auftritt sei "überwältigend" gewesen, sagte Programmkoordinator Martin Krafl. "Das Interesse war größer als wir gedacht haben." Die Besucher seien gut informiert zum Stand gekommen. Unter dem Motto "Ahoj!" hatten die Tschechen 55 Autorinnen und Autoren sowie 70 Neuerscheinungen präsentiert.

Auch Buchmesse-Direktor Zille sagte, die Welle der Aufmerksamkeit für Tschechien habe ihn überrascht. Nächstes Jahr wird es dagegen kein Gastland geben. Dann sollen andere Themen in den Vordergrund gerückt werden, sagte der Messe-Chef. "Es wird auch in Zukunft so sein, dass wir nicht jedes Jahr ein Gastland haben werden." Für 2021 ist der Partner schon klar: Dann wird sich Portugal in Leipzig präsentieren. Nächstes Jahr wird die Buchmesse vom 12. bis 15. März veranstaltet. 

Die "Manga-Comic-Con" findet im Rahmen der Buchmesse statt und ist Jahr für Jahr Treffpunkt für Liebhaber von Comics, Manga, Cosplay und Anime.  © dpa/Hendrik Schmidt
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