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Indische Berühmtheit findet letzte Ruhe in Waldheim

33 Jahre nach seinem Tod wird die Asche von Govinda, einem Sohn der Stadt, auf dem Waldheimer Friedhof beigesetzt.

© Dietmar Thomas/Archiv

Von Verena Toth

Waldheim. In Indien ist er eine Berühmtheit, bekannt und verehrt wird er noch heute unter dem Namen Anagarika Govinda. Geboren wurde der Maler und Schriftsteller aber als Ernst Lothar Hoffmann im Jahr 1898 in Waldheim. Nun, 33 Jahre nach seinem Tod, soll auch dieser außergewöhnliche Sohn der Stadt in seiner Heimat geehrt und beigesetzt werden. Ein Teil seiner Asche wird in einem Grab beigesetzt, finanziert von der François Maher Presley Stiftung. Am 20. April soll es auf dem Friedhof und im Rathaus eine Feierstunde mit geladenen Gästen geben.

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Der Maler und Schriftsteller Anagarika Govinda alias Ernst Lothar Hoffmann wurde 1898 in Waldheim geboren.
Der Maler und Schriftsteller Anagarika Govinda alias Ernst Lothar Hoffmann wurde 1898 in Waldheim geboren. © François Maher Presley Stiftung

Als junger Mann zog Ernst Lothar Hoffmann nach Indien, dessen Staatsbürger er 1938 mit dem Namen Anagarika Govinda wurde. Hoffmann-Govinda führte in Indien die abstrakte Malerei ein und lehrte an dortigen Universitäten. Mit seiner indischen Frau Li Gotami unternahm er viel beachtete Expeditionen nach Tibet, wo er den Rang eines Lama erhielt. Sein Buch „Der Weg der weißen Wolken“ war in den 1960-er Jahren weltweit ein Besteller. Archäologisches Material, das Govinda aus Tibet mitbrachte, stößt bis heute auf starkes Interesse und wurde zuletzt 2017 im Völkerkundemuseum St. Gallen ausgestellt.

Govindas Leben und sein umfangreiches künstlerisches wie schriftstellerisches Werk war der interkulturellen Verständigung gewidmet. Er bezeichnete sich als einen „indischen Staatsbürger europäischer Herkunft und buddhistischer Religion, der einem tibetischen Orden angehört und an die Bruderschaft der Menschen glaubt.“ 1985 verstarb der Weltbürger in Kalifornien.

Bei hohen buddhistischen Würdenträgern ist es üblich, dass ihre sterblichen Überreste an verschiedenen Orten beisetzt werden. Ein Teil der Asche Govindas wurde in einem Grabdenkmal in Darjeeling in Indien bestattet, ein anderer Teil wurde in Kalifornien verstreut. Ein dritter Teil war seit jeher zur Beisetzung in seinem Geburtsort Waldheim vorgesehen. Aber erst jetzt,
33 Jahre nach seinem Tod, findet seine Asche den Weg nach Sachsen.

Der Pforzheimer Volker Zotz, ein Wegbegleiter und Schüler Govindas, hatte die Lama und Li Gotami Govinda Stiftung ins Leben gerufen. Diese verwaltet auch dessen Erbe und bewahrte die Asche auf. Vor zwei Jahren waren Volker und Birgit Zotz schon einmal in Waldheim zu Gast, um die erste Ausstellung Govindas zu begleiten. „Erst nach der politischen Wende konnten die Kontakte zwischen der Stiftung und unserer Stadt wieder aufgenommen werden. Doch nun soll sich der Kreis endlich schließen und Govinda, so wie den anderen verdienstvollen Bürgern der Stadt, die gebührende Ehre zuteil werden“, sagt Barbara Hengst, Mitarbeiterin im Stadt- und Museumshaus Waldheim.

Zu dem Festakt am 20. April werden auch Vertreter der indischen Botschaft und des Dalai Lama erwartet. Die Feierlichkeiten werden von der François Maher Presley Stiftung für Kunst und Kultur ausgerichtet. „Wir stiften für diesen Anlass den Grabstein im Wert von 5000 Euro. Govinda ist in Indien Kulturgut, und ich fand ihn hier in Waldheim noch ein wenig unterbewertet“, erläutert Presley sein Engagement. „Wir wollen Govinda für die Stadt erhalten und somit ein besonderes Publikum ansprechen“, so Presley weiter, der sich seit Jahren für das kulturelle und touristische Leben in Waldheim einsetzt. Für das Grabmal Govindas hat die François Maher Presley Stiftung ein Relief bei der norddeutschen der Bildhauerin Gertraud Wendlandt in Auftrag gegeben. „Es soll ein besonderes Kunstwerk werden, das der Stadt Waldheim für immer erhalten bleiben wird“, erläutert der Stiftungsgründer.