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Industriepionier lieferte Keramikmaschinen

Im Jahr 1878 begründete Richard Raupach eine Maschinenfabrik und damit den guten Ruf der späteren Görlitzer Kema.

Seit 140 Jahren gibt es jenen Betrieb, der unter dem Kürzel Kema bekannt wurde. Einst war es die Richard Raupach Maschinenfabrik Görlitz. Deren eigentliches Jubiläum zu begehen, erweist sich allerdings als nicht einfach. Als Grundlagen dafür gelten die Festschrift „50 Jahre Richard Raupach 1878 bis 1928“, Schreibmaschinenmanuskripte der Autobiografie des Kommerzienrates Richard Raupach von 1918 sowie die „Geschichte der Firma Richard Raupach 1929 bis zur Enteignung 1948“ von Manfred Raupach. Mit ihm verständigte sich das Görlitzer Ratsarchiv auf den 1. November 1878 als Gründungsdatum.

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An jenem Tag mietete der Ingenieur Richard Raupach eine kleine Werkstatt in der Leipziger Straße. Mit drei bis vier Schlossern begann er, ältere uneffektiv arbeitende Dampfmaschinen und Kesselanlagen umzubauen und durch Expansionsapparate zu verbessern. 1879 heiratete er Anna, mit der er bis zu ihrem Tod 23 Jahre harmonisch zusammenlebte. Aus der Ehe gingen zwei Söhne und eine Tochter hervor.

Der Betrieb wurde zu klein, es entstand ein Neubau an der Zittauer Straße. 1903 war das Areal auf „65 Morgen und 250 Mitarbeiter Belegschaft“ angewachsen. Das war Anlass für Richard Raupach, eine sozial wirksame Stiftung zur Unterstützung für langjährige Arbeiter sowie deren Witwen und Waisen zu gründen.

Am 25. April 1904 wurde das Unternehmen eine GmbH. Am 28. September 1905 verlieh man Richard Raupach den Titel eines Königlichen Kommerzienrates. Regelmäßig beteiligte sich das Unternehmen an großen Ausstellungen und erhielt Gold- und Silbermedaillen. Am 14. Juni 1909 wurde Walter Raupach, der älteste Sohn des Gründers, neuer Geschäftsführer. Um möglichst unabhängig zu werden, begann man im Sommer 1912 mit dem Bau einer eigenen Gießerei. Anfang 1914 zählte die Firma 400 Mitarbeiter. Während des Ersten Weltkrieges arbeitete man Tag und Nacht, um Artilleriemunition und andere Kriegsmaterialien herzustellen.

Richard Raupach starb am 4. Dezember 1921 infolge eines Autounfalles. Am 24. April 1921 hatte sein zweiter Sohn Gerhard, ebenfalls Diplom-Ingenieur, die Geschäftsführung übernommen. Viel Wert wurde weiterhin auf die soziale Unterstützung von Belegschaftsmitgliedern gelegt. So erhielten bedürftige und befähigte junge Mitarbeiter Beihilfen zum Studium an Fachschulen, und für geringe Pacht bekamen Arbeiter und Angestellte insgesamt 335 Schrebergärten. Unmittelbar nach Beginn des Zweiten Weltkrieges mussten die Beschäftigten Rüstungsaufträge für die Kriegsmarine ausführen. Für zum Militär eingezogene Arbeiter kamen Frauen und Rentner sowie ab 1943 zwangsverpflichtete Tschechen und Russen.

1945 erfolgte unter sowjetischer Aufsicht die Demontage. 1949 erfolgte die Umstrukturierung zum Volkseigenen Betrieb Keramikmaschinenbau (VEB Kema). In den 1950er Jahren wurden noch Reste der aufgelösten Ziegeleimaschinenfabrik Roscher übernommen. Rund 550 Mitarbeiter zählte die Kema Mitte 1989. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde das Unternehmen von der Firmengruppe Eirich in Hardheim/Baden gekauft. Von dieser ging die Kema später an die BMS GmbH und wurde 2013 schließlich von der ECT-Kema als Vertriebspartner übernommen. (ro/rs)