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Leben und Stil

Ingwer – tolle Knolle, aber nichts dahinter?

Viele halten Ingwer für ein Wundermittel. Doch längst nicht alle Heilsversprechen sind bewiesen.

Gut bei Erkältung: Ingwer hat durchaus positive Wirkung für die Gesundheit - viele Heilsversprechen sind aber auch übertrieben.
Gut bei Erkältung: Ingwer hat durchaus positive Wirkung für die Gesundheit - viele Heilsversprechen sind aber auch übertrieben. © Christin Klose/dpa

Von Sabine Meuter

Tee, Suppe oder Curry – Ingwer gibt vielen Gerichten und Getränken ein besonderes Aroma. Außerdem soll sich die Knolle positiv auf die Gesundheit auswirken. Das liegt an ihren vielfältigen Inhaltsstoffen. „Ingwer enthält nachweislich über 100 verschiedene Substanzen“, sagt Prof. Johannes Georg Wechsler. Der Münchner Facharzt für Innere Medizin und Ernährungsmedizin ist Präsident des Bundesverbands Deutscher Ernährungsmediziner.

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Die Stoffe sollen anti-entzündlich, abschwellend und sogar schmerzlindernd wirken. Ingwertee etwa ist ein beliebtes Hausmittel, um lästigen Schnupfen oder Husten auszukurieren. Das Wohltuende sind die scharfen Substanzen der Knolle, die in heißem Wasser aufgelöst werden – da wird einem beim Trinken schnell warm. Wechsler empfiehlt, bei einer Erkältung acht Tage lang pro Tag einen Liter Ingwertee zu trinken. „Wichtig ist, kochendes Wasser zu verwenden, in das Scheiben einer Ingwer-Knolle gelegt werden.“

Wichtig: „Eine Ingwer-Knolle aus biologischem Anbau muss man nicht zwingend schälen“, erklärt Daniela Krehl. Sie ist Fachberaterin Lebensmittel und Ernährung bei der Verbraucherzentrale Bayern. Anders sieht es aus, wenn der Ingwer importiert wurde, zum Beispiel aus China. „In diesem Fall können in den Schalen Schadstoffe wie Pestizide stecken, weshalb der Ingwer zwingend zu schälen ist“, sagt Wechsler.

Hilft gegen Heißhunger

Nicht wenige schwören auf die Einnahme von Ingwer im Kampf gegen Übergewicht. Denn der Knolle wird nachgesagt, die Fettverdauung und die Magensäureproduktion zu fördern. Zwar wird niemand durch Ingwer allein schlank. „Bei Heißhungerattacken kann es aber zum Beispiel helfen, auf einem Stück Ingwer zu kauen, das mindert den Appetit“, sagt Krehl. Außerdem liefert die gelbe Wurzel neben Vitamin B und C wichtige Mineralstoffe, sie enthält Eisen, Magnesium, Kalzium, Kalium, Natrium und Phosphor.

Daneben ranken sich aber viele Mythen um die Pflanze, die wissenschaftlich bislang oft nicht eindeutig belegt werden konnten. So soll die Pflanze eine krampflösende Wirkung haben oder bei Schwangeren wehenfördernd sein. „Gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse gibt es dazu aber nicht“, sagt Wechsler.

Machen wir bei Ingwer also viel Lärm um nichts? Ganz so negativ muss es man es dem Ernährungsmediziner zufolge nicht sehen: „Ingwer hat sich seit 2.000 Jahren in der Medizin bewährt, gravierende Nebenwirkungen sind nicht bekannt“, erklärt er. Wer Ingwer zu sich nimmt, sollte allerdings eine Tagesdosis von vier bis fünf Gramm nicht überschreiten. „Ansonsten könnten Sodbrennen oder Verdauungsprobleme die Folge sein“, warnt Krehl.

Außerdem sollte man Ingwer nicht kontinuierlich, sondern besser nur phasenweise zu sich nehmen. „Die Schärfe der Inhaltsstoffe stimuliert den Magen ungemein, wodurch die Magenschleimhaut angegriffen wird“, so Wechsler. Das könne zu Magen-Darm-Beschwerden führen. Vorsichtig muss auch sein, wer Medikamente einnimmt. Ingwer kann hier ungewollte Wechselwirkungen verursachen. (dpa)

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