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Innenansichten des Winzerhauses

Das Interesse an alten Häusern ist auch in Radebeul zum „Tag des offenen Denkmals“ groß. Es gibt Geschichte zum Anfassen.

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© Anne Hübschmann

Von Stephan Hönigschmid

Radebeul. Wie groß das Interesse ist, das 1648 erbaute Haus von Jakob Reichstein und Jens Güldemann in der Wettinstraße mal von innen zu sehen, wurde „Beim Tag des offenen Denkmals“deutlich. Bereits vor dem eigentlichen Beginn um 13 Uhr saßen schon 30 Leute im Garten und bekamen dort von den Gastgebern Kaffee und Kuchen, aber auch Wasser und Federweißer serviert.

„Ich wohne gleich um die Ecke und habe mich immer schon mal gefragt, wie es im Inneren aussieht“, sagt Sven Koppen. Ihn interessiere die Geschichte des Hauses, wer dort im Laufe der Jahrhunderte gewohnt hat, sagt Koppen. Ähnlich ging es auch Martina Schmidtke, die ebenfalls in der Nähe wohnt. „Wir fahren morgen in den Urlaub, daher können wir nur dieses Haus ansehen.“ Sie sei vor allem vorbeigekommen, weil ihr Mann sich sehr für Heimatkunde interessiere, so Schmidtke.

In dem alten Winzerhaus, das ursprünglich als reines Fachwerkhaus erbaut und später im barocken Stil umgebaut und erweitert wurde, kamen die Geschichtsfans voll und ganz auf ihre Kosten. Unter anderem konnten sie im Garten einen alten Weinkeller bestaunen, den die Besitzer erst durch Zufall entdeckt hatten. „Als wir vor zwei Jahren mit der Renovierung des Hauses begonnen haben, wollten wir eigentlich nur ein Rohr im Garten verlegen. Beim Graben sind wir dann auf den Weinkeller gestoßen“, sagt Jakob Reichstein.

Weitere Erkenntnisse offenbarten sich zudem Stück für Stück im Hausinneren.

„Obwohl das Haus von 1648 ist, haben wir festgestellt, dass bestimmte Bauteile viel älter sind. So stammt die Holzspindel an der Treppe aus dem Jahr 1630“, so Reichstein. Im 17. Jahrhundert hatte auch das Grundstück einen anderen Zuschnitt. Damals reichte es bis zum Augustusweg. „Passend zum Winzerhaus gab es einen großen Weinberg“, so Reichstein.

Hingucker im Obergeschoss waren am Sonntag die von Baumeister Samuel Locke ab 1654 eingefügten Barock-Elemente. So ist in der Decke des Wohnzimmers ein großes ovales Bild mit Engeln zu sehen. In der Mitte soll noch die Fortuna abgebildet gewesen sein, von der ist aber nur noch die Perlenkette übrig. In den Ecken des Zimmers befinden sich darüber hinaus an der Decke Bilder der Maitressen Augusts des Starken wie zum Beispiel der Gräfin Cosel.