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Innenausschuss berät über Datenklau

Der Datendieb ist gefasst, aber viele Fragen sind noch offen. Sachsens Innenminister  fordert Konsequenzen aus Datenraub-Skandal.

© Symbolbild/dpa

Berlin/Dresden.  Nach der illegalen Veröffentlichung privater Daten von Politikern und Prominenten haben die Ermittler zwar einen geständigen Tatverdächtigen präsentiert, für Innenpolitiker ist der Fall aber längst nicht abgeschlossen. Die Mitglieder des Innenausschusses des Bundestages wollen von Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) und von den Chefs der Sicherheitsbehörden wissen, wieso sie und andere Betroffene nicht früher darüber informiert wurden, dass ihre Handynummern und zum Teil auch private Chat-Verläufe im Netz für jedermann zu finden waren. Die Behördenvertreter werden an diesem Donnerstag in einer Sondersitzung des Innenausschusses Rede und Antwort stehen. Die Sitzung ist nicht öffentlich.

Der FDP-Digitalexperte Manuel Höferlin sagte am Mittwoch, der Innenminister müsse die IT-Sicherheit zur Chefsache machen. Auch wenn die Ermittlungen noch nicht abgeschlossen seien, hätten die Betroffenen ein Recht darauf zu erfahren, wie genau der Täter an die Daten gelangt seien und ob dabei Sicherheitslücken ausgenutzt worden seien, sagte der FDP-Politiker.

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Der junge Hacker war Anfang der Woche festgenommen worden. Er legte ein Geständnis ab und wurde anschließend auf freien Fuß gesetzt. Bei seiner Vernehmung sagte er nach Angaben des Bundeskriminalamtes, er habe Menschen "bloßstellen" wollen, über deren öffentliche Äußerungen er sich geärgert habe.

Teile der Zugangsdaten soll sich der 20-Jährige im Darknet besorgt haben. Das berichtet die "Bild" (Donnerstag) unter Berufung auf Ermittlerkreise. Die Daten über die Geschädigten habe er nur zu einem Teil bei von ihm selbst durchgeführten Hacker-Angriffen erbeutet. Ein anderer Teil der Zugangsdaten zu den Social-Media-Konten der Geschädigten sowie ein Teil der geleakten Social-Media-Daten selbst soll der Beschuldigte im Darknet, einem verborgenen Teil des Internets, gekauft haben. Die zuständige Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main bestätigte "Bild", dass gegen den Beschuldigten daher auch wegen des Vorwurfs der "Datenhehlerei" ermittelt werde. 

Roland Wöller (CDU).
Roland Wöller (CDU). © Monika Skolimowska/dpa

Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) hat sich indes für eine häufigere Anwendung beschleunigter Verfahren ausgesprochen. "Die Anwendung von Schnellverfahren kann ein klares und warnendes Signal in die Hackerszene senden", sagte Wöller der "Heilbronner Stimme" (Donnerstag). Datenraub sei "kein Kavaliersdelikt". Besonders bedenklich sei bei fast allen Hackerangriffen, dass es Hunderte oder sogar Tausende Opfer gebe. (dpa)