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Bauen und Wohnen

Insolvenz der Kettler Freizeit GmbH

Das vergangene Jahr endete für die Kettler Freizeit GmbH – die nicht zuletzt durch das überaus beliebte Kettcar bekannt wurde – mit einem echten Paukenschlag.

© Falco / Oberhausen

Die bereits im Juli 2018 angemeldete Insolvenz konnte trotz intensiver Bemühungen nicht abgewendet werden, wie der Gläubigerausschuss Mitte Oktober des letzten Jahres offiziell mitteilte. Das sauerländische Unternehmen stellte nicht nur Tretroller und Fahrräder aus Aluminium her, sondern auch diverse andere Sportgeräte und sogar Gartenmöbel.

Die gute Nachricht vorab: Viele Produkte der Kettler Freizeit GmbH bleiben weiterhin verfügbar. Aber wie konnte es denn eigentlich überhaupt soweit kommen, dass ein derart bekanntes und erfolgreiches Familienunternehmen wie Kettler mit Niederlassungen in zahlreichen Ländern auf der ganzen Welt am Ende doch die Segel streichen musste? Was ist genau passiert?

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Kettler – Die komplizierte Geschichte eines deutschen Traditionsunternehmens

Kinderspielzeug (wie unter anderem das berühmte Kettcar), zahlreiche Sport- und Freizeitartikel, Fahrräder und Kettler Gartenmöbel – die Produktpalette des inzwischen insolventen Familienunternehmens ist lang. Doch bis sich die Firma derart breit aufstellen konnte, vergingen einige Jahrzehnte. Gegründet wurde die Kettler Freizeit GmbH im Jahre 1949 von Heinz Kettler, der 2005 im Alter von 77 Jahren verstarb, wodurch die Firmenleitung an seine Tochter Karin überging, die wiederum 2017 nach einem Verkehrsunfall ihren Verletzungen erlag. Der Stammsitz der Gesellschaft befand sich seit der Gründung im nordrhein-westfälischen Parsit, was mittlerweile zu einem Ortsteil der sauerländischen Stadt Ense geworden ist. Von Anfang an wurden sowohl die gesamte Entwicklung der verschiedenen Produkte als auch der Vertrieb und die Produktion eigenständig durchgeführt, sodass Kettler zu Hochzeiten über mehrere Werke, diverse und Lagerstätten sowie über Niederlassungen in den Niederlanden, Österreich, Frankreich, England, Polen und auch in den Vereinigten Staaten verfügte.

Neben diversen Freizeit- und Sportgeräten, wie beispielsweise der allseits bekannten Kettler Tischtennisplatte, stach vor allem ein Produkt besonders hervor: Das sogenannte Kettcar. Dieses als Kinderspielzeug vertriebene Tretauto kam bereits 1962 auf den Markt und mauserte sich mit weltweit rund 15 Millionen abgesetzten Einheiten relativ schnell zu einem echten Verkaufsschlager. Das zweite Standbein kam im Jahre 1977 hinzu: Das Kettler Alu-Rad 2600, das als weltweit erstes geschweißtes Aluminium-Fahrrad in Großserie produziert und vertrieben wurde. Diese Fahrrad-Sparte wurde jedoch bereits im Jahre 2015 an die Kettler Alu-Rad GmbH veräußert, nachdem das Unternehmen kurz zuvor zum ersten Mal einen Insolvenzantrag einreichen musste.

Das Verfahren konnte zwar Ende März 2016 wieder aufgehoben werden, doch der Frieden hielt nicht lange: Bereits zwei Jahre später musste die Kettler Freizeit GmbH erneut einen Insolvenzantrag stellen – von dem sie sich abermals nur mit knapper Not erholte. Denn trotz des Einstiegs des Finanzinvestors Lafayette Mittelstand Capital im Dezember 2018 musste die Kettler Freizeit GmbH kürzlich, nach einer nunmehr dritten Insolvenz, endgültig ihre Tore schließen – was laut dem Online-Magazin Welt übrigens zugleich auch für 400 der knapp 550 Angestellten das Aus bedeutete.

Was ist mit den Restbeständen der Firma Kettler passiert?

Und die Produkte der Unternehmensgruppe? Die gibt es glücklicherweise weiterhin. Die beliebten Alu-Räder von Kettler Alu Rad, auch Sportartikel und Spielzeug sind nach wie vor verfügbar. Gartenfreunde dürfte zudem freuen, dass über Online-Portale wie Gartenmoebel.de die Outdoormöbel mit dem bekannten farbenfrohen Logo auch in der Gartensaison 2020 erhältlich sein werden.

Dieser Artikel entstand in Zusammenarbeit mit dem externen Redakteur Lisa Marie Schwark.