Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Merken

Installateur mit neuer Leidenschaft

Im Schlottwitzer Boot werden am Sonntag Hobbys vorgestellt. Einige Aussteller werden vor der Tür bleiben.

Teilen
Folgen
NEU!
© Frank Baldauf

Von Maik Brückner

Schlottwitz. Langeweile im Ruhestand? Das kennt Hans-Jochen Büttner nicht. Der Rentner aus Schlottwitz hat ein Faible für alte Autos, speziell für die Nachfolger der Marke DKW, die in der DDR gebaut wurden. Inzwischen ist er Besitzer von drei dieser Fahrzeuge. Er besitzt einen IFA-F 8-Cabrio, Baujahr 1949, und einen IFA-Kombi, Baujahr 1959 und eine Pritsche. Alle drei sind restauriert. Und dafür hatte er in den letzten Jahren die notwendige Zeit. Denn vor fünf Jahren zog sich der Schlottwitzer aus dem Berufsleben zurück.

Mit dabei ist auch Werner Türk mit seinem Goggomobil aus dem Jahr 1968.
Mit dabei ist auch Werner Türk mit seinem Goggomobil aus dem Jahr 1968. © Frank Baldauf

„Das war eigentlich fünf Jahre zu spät“, sagt der heute 70-Jährige. Denn sein Körper schickte ihm schon eher Zeichen, ruhiger zu treten. Doch als Unternehmer sei es nicht einfach aufzuhören, sagt er. Schließlich mochte er seinen Beruf, sagt der gelernte Installateur. Bereits 1973 machte er sich damit selbstständig. Die Verantwortlichen in der DDR hatten erkannt, dass man die „Krauter“, wie die selbstständigen Handwerker damals genannt wurden, brauchte. Hans-Jochen Büttner gründete eine Firma. Die überstand die Wendezeit erfolgreich und hatte zwischenzeitlich bis zu 40 Mitarbeiter. Vor fünf Jahren ist es ihm gelungen, auszusteigen.

Seine Söhne haben bereits vorher selbst Firmen gegründet, einer hat die Dachklempnerei übernommen. Seine Firma hat Büttner an die Mitarbeiter verkauft. In der alten Tischlerei der Firma hat sich der Schlottwitzer seine Schrauberwerkstatt eingerichtet. Drei Jahre hat er hier an dem Carbrio gewerkelt, das er von einem Händler aus dem brandenburgischen Calau gekauft hatte. In mühevoller Kleinarbeit zerlegte er das Auto. Alle noch brauchbaren Teile restaurierte er. Als Installateur wusste er, was zu tun ist. Teile, die nicht zu retten waren, ersetzte er. „Nur das Polstern und Lackieren habe ich anderen überlassen“, sagt der stolze Oldtimerbesitzer. Ähnlich ging er bereits bei der Pritsche und beim Kombi vor. Zuletzt hat sich der Schlottwitzer noch einen Wartburg 311 zugelegt. „Das hatte eher nostalgische Gründe“, sagt er. Denn so ein Auto hatte er sich als Familienvater zu DDR-Zeiten zugelegt.

Auch am Wartburg gibt es noch einiges zu tun. Denn der Vorbesitzer hatte ihn ein wenig „aufgemotzt“, Büttner will den Originalzustand wieder herstellen.

Diese Aufgaben erfüllen Büttner. Und sie bieten Gesprächsstoff. Schließlich erlebt man was beim Fummeln am Oldtimer. Und darüber kann man sich hervorragend mit anderen austauschen. So lernte Büttner eines Tages bei seinem Nachbarn Werner Türk eine ganz andere Seite kennen. Denn auch der 67-Jährige hatte sich einen Oldtimer zugelegt, allerdings ein Goggomobil aus dem Jahr 1968. Türk, der gelernter Funkmeldemechaniker ist, holte die Einzelteile des Autos nach Schlottwitz, restaurierte sie. In seiner Garage baute er das Fahrzeug, das mit einem Motorradführerschein gelenkt werden darf, so gut wieder auf, dass er 2015 den TÜV schaffte.

Hans-Jochen Büttner ist begeistert, wenn er solche Geschichten hört. „Es gibt schon interessante Hobbys“, sagt er heute. „Wir Oldtimerfreunde haben den Vorteil, dass wir bei Ausfahrten Anerkennung bekommen“, sagt er. Es gibt aber viele andere, die auch interessante Hobbys haben. Denen wollte er auch eine Plattform geben. Deshalb regte der Schlottwitzer an, anlässlich des 15-jährigen Bestehens des Heimatvereins, das am Sonntag gefeiert wird, eine Hobbyschau in der Begegnungsstätte Boot zu veranstalten. Der Verein, dem Büttner auch angehört, fand die Idee gut. Nun ist Büttner gespannt, wer die Einladungen angenommen hat, um sein Hobby anderen zu zeigen. Er und seine Oldtimerfreunde werden sich auch an der Ausstellung beteiligen. Zuvor unternehmen sie aber eine Ausfahrt durchs Erzgebirge.