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„Inszenierung der schieren Fülle“

Die Gemäldegalerie Alte Meister ist nach siebenjähriger Sanierung wieder in ihrer ganzen Pracht zu erleben – mit neuem Konzept und integrierten Skulpturen.

Italienische Malerei des 14. bis 17. Jahrhundert.
Italienische Malerei des 14. bis 17. Jahrhundert. © Foto: © Staatliche Kunstsammlungen Dresden, H.C. K

Als eine „Inszenierung der schieren Fülle“ bezeichnet Marion Ackermann, Chefin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, die wiedereröffnete Galerie Alte Meister im Semperbau am Zwinger. Und der Besucher ist tatsächlich überwältigt von der üppigen Pracht goldgerahmter Bilder vor edlen Wandbespannungen und von den Skulpturen aus vielen Jahrhunderten, die in einen direkten Dialog mit den Gemälden treten. Die Integration dieser Sammlung gehört zu den wichtigsten Neuerungen in der vollständig überarbeiteten Dauerausstellung.

Sieben Jahre lang konnten nur Teilbereiche der „Alten Meister“ bewundert werden, denn der Semperbau wurde umfangreich saniert. In dieser Zeit wurden nicht nur die Räume neu gestaltet und mit zukunftsfähigen Klima-, Brandschutz- und Sicherheitsanlagen ausgestattet – die Restauratoren arbeiteten auch an über 200 Gemälden und fast ebenso vielen Rahmen. Das Beleuchtungskonzept setzt jetzt auf mehr Tageslicht und lässt Farben und Materialien noch kräftiger strahlen. „Die Galerie hat die Betrachter seit jeher tief beeindruckt“, sagt Museumsdirektor Stephan Koja. „Wir haben uns bemüht, dieses Gefühl noch zu verstärken.“ Jeder Raum, so Koja weiter, habe ein klar formuliertes Thema und einen ganz eigenen Charakter: So sind die großen Altarbilder in einem Oberlichtsaal am Ende einer langen Saalflucht um die „Sixtinische Madonna“ versammelt. Als einer der berühmtesten Frauenfiguren der Welt kommt ihr damit wieder ein ihr gebührender Platz zu. „Für viele Touristen ist die ,Sixtina‘ der wichtigste Grund für einen Besuch der Gemäldegalerie“, sagt Sachsens Kulturministerin Barbara Klepsch. „Rund drei Viertel der Gäste kommen aus dem Ausland, mehr als 30 Prozent allein aus Russland.“

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Am anderen Ende der Sichtachse hängt – umrahmt von anderen wichtigen Werken Rembrandts – sein berühmter „Ganymed in den Fängen des Adlers“. Entgegen den damaligen akademischen Malauffassungen stellt der Niederländer Ganymed nicht als schönen Jüngling, sondern als verängstigtes Kleinkind mit nacktem Hinterteil dar. Direkt davor steht der vom Bildhauer Hendrik de Keyser geschaffene Kopf eines Knaben mit unverkennbar ähnlichen Zügen. „Ein Beispiel dafür, wie sich die Kunstgattungen gegenseitig anregten“, so der Direktor. Ähnliche Gegenüberstellungen finden sich noch an zahlreichen anderen Orten der neukonzipierten Galerie.

Weitere Höhepunkte der Präsentation sind die Venezianer, allen voran die „Schlummernde Venus“, der an eine Kapelle erinnernde Cranach-Raum, das Pastellkabinett mit dem „Schokoladenmädchen“ und die 17 nah beieinander hängenden Veduten von Bernardo Bellottos, genannt Canaletto. „Der Betrachter sieht sie auf Augenhöhe und kann förmlich hineinwandern“, schwärmt Stephan Koja. Eine Restauratorin sei seit Jahren auf die berühmten Stadtansichten spezialisiert.

Die bedeutende Dresdner Antikensammlung wird nach zehn Jahren im „Ausweichquartier“ nun in einer großen Halle im Erdgeschoss des Ostflügels in Szene gesetzt, auf Plastiken und Skulpturen aus Barock und Renaissance spielt das Tageslicht in einem Gang im ersten Obergeschoss. Mit dem Winckelmann-Forum und dem Semper-Kabinett wurden zudem Sonderausstellungsflächen der größeren und kleineren Form geschaffen. So wird bereits seit dem Tag der Wiedereröffnung die Schau „Begegnung mit einem Gott. Der Dresdner Mars von Giambologna“ gezeigt. „Die Besucher erwartet eine einzigartige Reise durch die europäische Kulturgeschichte“, fasst SKD-Direktorin Marion Ackermann zusammen, „und durch eine der beliebtesten Galerien der Welt. Kaum eine andere Sammlung besitzt so viele Werke und Werkgruppen, die so tief im kollektiven Bewusstsein der Menschheit verankert sind.“

Dieser Beitrag erschien in der Tour de Saxe Juni 2020.

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