merken

„Integration ist auf gutem Weg“

Der Fußball-Nationalspieler Nils Petersen spricht über die Özil-Debatte und warum er sich über sein WM-Aus nicht ärgert.

© Christian Charisius/dpa

Von Holger Schmidt

Herr Petersen, seit Wochen scheint es in Deutschland nur zwei Themen zu geben: das Wetter. Und Mesut Özil. Hat Sie die Sprachlosigkeit von Özil und DFB auch gewundert?

Einkaufen und Schenken
Nur einen Klick entfernt
Nur einen Klick entfernt

Hier erhalten Sie nützliche Tipps und die aktuellsten Neuigkeiten rund ums Thema Einkaufen und Geschenke aus Ihrer Region.

Mesut Özil hat sich ja in den letzten Jahren nie ausführlich zu irgendeinem Thema geäußert. Jetzt hat er, glaube ich, einfach gehofft, dass Gras über die Sache wächst, aber dafür war es zu spät. Keiner wusste, wie man mit diesem Foto umgehen sollte, das jeden Tag präsent war. Für den DFB war das schon ein Zwiespalt. Auf der einen Seite will er für gewisse Werte stehen, auf der anderen muss er seine Spieler schützen.

Manche Kommentare erklären das Ziel der Integration mit dem Rücktritt von Özil für beendet.

Wieso das denn? Mesut hat jahrelang für Deutschland seine Knochen hingehalten. Es ist einfach nur schade, dass er so abtritt und die letzten Spiele auch ausgepfiffen wurde. Warum sollte man anhand von einem Menschen, einem Fehlverhalten oder einem Foto alles infrage stellen? Abgesehen davon, dass es gefährlich ist, solche Debatten loszutreten: Es spielen doch so viele Spieler mit Migrationshintergrund in Deutschland. Daran sieht man ja, dass die Integration auf einem guten Weg ist.

Sie wurden nach der WM-Vorbereitung aus dem Kader gestrichen. Ihr Trainer Christian Streich behauptet, weder Sie noch er hätte das sonderlich schockiert. Kaum zu glauben ...

Stimmt aber. Klar wäre ich gern nach Russland mitgeflogen. Aber ich habe nicht lange gebraucht, um mir zu sagen, dass ich ein Länderspiel gemacht habe und damit Anfang Mai noch nicht im Traum gerechnet hätte. Und dann sind Christian Streich und ich ja beide so mit dem SC verwurzelt, dass wir beide schnell gesagt haben, dass es für den Verein ja gut ist, wenn ich eine normale Vorbereitung mitmachen kann.

Trotz der zehntägigen WM-Vorbereitung wollten Sie beim Freiburger Trainingsstart dabei sein und haben Ihren Urlaub verkürzt. Warum eigentlich?

In Freiburg finden die Leistungstests immer an den ersten Tagen statt, da wollte ich gerne dabei sein. Das gilt auch für die Freundschaftsspiele in der Umgebung, die mir immer großen Spaß machen. Wir hatten dann ausgemacht, dass ich mich dafür im Juli mal ein paar Tage rausziehe, um für die lange Saison hoffentlich genug im Tank zu haben.

Wie ist Ihr Eindruck der neu formierten Freiburger Mannschaft?

Das Gros des Kaders steht, und ich habe ein total gutes Gefühl, wehre mich da aber fast ein bisschen dagegen.

Wieso?

Na ja, es wäre ziemlich peinlich, wenn ich überall rumposaune, was wir für eine tolle Mannschaft beisammen haben, und dann haben wir in der Winterpause zehn Punkte. Und natürlich weiß ich, dass in Mainz, Nürnberg und Düsseldorf auch gut gearbeitet wird, und kann mir denken, dass die da auch gerade eher optimistisch sind.

Frankreich ist mit einer Ballbesitzquote von 39 Prozent Europameister geworden. Ist der auf Ballzirkulation beruhende Fußball, der auch in Freiburg gespielt wird, damit am Ende?

Schauen Sie sich das WM-Spiel Spanien gegen Russland an. Die Mannschaft, die 200 Pässe spielt, gewinnt gegen die, die 1200 spielt. Ich glaube, die großen Mannschaften haben es verpasst, den einfachen Fußball, der früher oft zum Erfolg geführt hat, in ihr Spiel einzubinden. Das hat man auch beim deutschen Spiel gegen Südkorea gesehen, wobei es am Schluss auch noch mal besser wurde, als eben auch mal mit Druck und langen Bällen gearbeitet wurde.

Das Interview führte Christoph Ruf.