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Internet-Turbo für Strehla

Vor allem auf dem Land hapert es mit dem Breitband-Ausbau. Das soll sich ändern. Doch die Anwohner brauchen Geduld.

© Symbolbild/dpa

Von Eric Weser

Strehla. Schnelles Internet für Strehla – das ist ein Thema mit Magnetwirkung. Bis auf den letzten Platz war der Trausaal im Rathaus beim dritten Bürgerstammtisch gefüllt. Vor allem jüngere Leute aus den dörflichen Ortsteilen waren ins Rathaus gekommen. Sie wollten wissen, wann es denn es endlich verlässliches Turbo-Internet in ihrem Ort gibt. Versprochen worden sei das nämlich schon vor Jahren, ohne dass etwas passiert sei, monierten einige.

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Dass in den nächsten Monaten Abhilfe geschaffen wird, konnte die Stadtführung auch diesmal nicht versprechen. Aber die Zielrichtung sei klar. „Wir müssen auf jeden Fall mehr Bums in die Ortsteile bekommen“, so Stadtchef Jörg Jeromin (FWG) mit Blick auf die Datenraten.

Wenn der Markt versagt

Gelingen soll die ersehnte Beschleunigung mithilfe von Fördergeld. Das stellen Bund und wenn nötig auch das Land für den Breitbandausbau in Größenordnungen bereit. Erklärtes Ziel ist, flächendeckend Zugänge mit Geschwindigkeiten von 50 Megabit anzubieten. In Strehla sind derzeit gerade mal knapp 18 Prozent so schnell, der Rest ist langsamer. Es gibt also viel zu tun.

Zwar sind Fördertöpfe voll Geld. Doch für die Kommune ist es nicht ganz einfach, sie anzuzapfen. Wichtige Grundlage ist ein Gutachten, in dem Planer die gesamte vorhandene Telekommunikations-Infrastruktur im Strehlaer Gemeindegebiet analysieren: welche Datenraten wo anliegen, ob irgendwo im Boden schon Leerrohre liegen. Teil der Analyse ist auch eine Kalkulation, wie teuer der Breitbandausbau wird.

Daneben muss erfragt werden, ob eine private Telekommunikations-Firma in nächster Zeit den Breitbandausbau auf eigene Kosten übernehmen will. Nur wenn das nicht der Fall ist, darf mit Fördermitteln hantiert werden. Schließlich handle es sich um einen schweren Markteingriff, sagte ein Vertreter von der Landes-Beratungsstelle „Dios“, die Sachsens Kommunen beim Breitbandausbau hilft, in Strehla.

Zeigt sich, dass der Ausbau nur mit Fördergeld funktioniert, bleibt noch eine wichtige Frage: die nach dem Fördermodell für den Ausbau. Denkbar sind zwei. Nummer eins: die Wirtschaftlichkeitslücke. Dabei wird der Breitbandausbau, der für das Telekommunikations-Unternehmen eigentlich unwirtschaftlich wäre, mit dem Fördergeld rentabel gemacht. Die andere Variante nennt sich Betreibermodell. Dabei baut die Kommune die passive Infrastruktur und bleibt auch deren Eigentümer. Das kommunale Kabel- oder Funknetz wird dann an eine private Betreiberfirma verpachtet, die letztlich den aktiven Betrieb übernimmt.

Doch in Strehla steht man erst ganz am Anfang. Man sei dabei, das Gutachten in Auftrag zu geben, so Stadtchef Jörg Jeromin. Mit Ergebnissen rechnet die Stadt Ende des Winters oder im Frühjahr 2017. Klar sei schon jetzt: Private Firmen wollen in den Dörfern derzeit keine Netze bauen. Landtagsmitglied Geert Mackenroth (CDU) riet der Stadt deshalb, das Gutachten erstellen zu lassen, um damit an Fördergeld zu kommen. Denn die Strehlaer müssten sich – wie viele andere – beim Bund anstellen. Dann gelte das Windhund-Prinzip. Wer das Gutachten in der Schublade habe, wenn der Bund die Zuschüsse verteilt, sei gut beraten, so Mackenroth.

Windräder als Funkmasten?

Ausführlich diskutiert wurde in Strehla auch die scheinbar plausible Forderung, beim derzeitigen Abwasserbau in Görzig gleich Leerrohre für einen künftigen Breitbandausbau zu verlegen. Dazu gab es aber eine Absage der Stadtführung. Fachlich unterstützt vom Baubüro hieß es, dass es keinen Sinn mache, Leerrohre in die geöffnete Straße zu legen. Das sei riskant und weder wirtschaftlich noch technisch sinnvoll. Denn das künftige Datenkabel, das aus Glasfaser bestehen dürfte, sei sensibel und gehöre nicht in den Hoheitsbereich anderer Medienleitungen. Sollte der Breitbandausbau kommen, würden Glasfaserkabel in einem Graben neben der Straße verlegt. Teurer sei das neuerliche Aufschachten auch nicht, habe sich gezeigt.

Gesprochen wurde auch über die Möglichkeit, mögliche Windräder bei Paußnitz perspektivisch als Funkmasten einzusetzen. Denn auch Funklösungen sind beim Breitbandausbau denkbar und werden gefördert. Da aber derzeit völlig unklar ist, ob und wann Windräder bei Paußnitz entstehen, gilt diese Variante als eher unwahrscheinlich. Der Vertreter der Breitband-Beratungsstelle meldete arge Zweifel an solch einer Lösung an.

Die Diskussion zeigte: Viele Strehlaer wollen sich beim Breitband-Internet nicht wieder vertrösten lassen. In einem halben Jahr, hofft die Stadt, liegt das Gutachten als Förder-Grundlage bereit. Dann soll das Thema erneut auf die Agenda.