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Internetanbieter buhlen um Riesaer

Vodafone und Telekom bauen ihr Netz großflächiger aus, als die Stadt Riesa gedacht hätte. Ungereimtheiten aber bleiben.

© Carsten Rehder/dpa

Von Britta Veltzke

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Riesa. Zwei Internetanbieter legen sich in Riesa nach eigenen Angaben gerade mächtig ins Zeug. Zuerst verkündete der eine: „Die Telekom baut ihr Netz in Riesa aus. Rund 10 500 Haushalte bekommen ab dem dritten Quartal 2018 schnelles Internet. Das maximale Tempo beim Herunterladen steigt auf bis zu 100 Megabit pro Sekunde und beim Hochladen auf bis zu 40 Megabit pro Sekunde.“ Dafür werde das Unternehmen rund 16 Kilometer Glasfaser verlegen und 36 Verteiler aufstellen oder „mit moderner Technik“ ausstatten.

Da will Vodafone nicht hinterherhinken und verkündete jüngst: „Wir haben die erste Stufe unseres Ausbauprogramms im Kabel-Glasfasernetz vollendet. Ab sofort können alle 18 000 Haushalte, die ans Kabel-Glasfasernetz von Vodafone angeschlossen sind, mit Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 200 Megabit pro Sekunde im Internet surfen.“ Damit seien 90 Prozent der Riesaer Haushalte versorgt.

Was allerdings stutzig macht, ist die Tatsache, dass es in Riesa nur rund 20 000 Haushalte gibt. Beide Anbieter wollen ab Sommer insgesamt aber 28 500 Haushalte erreichen. Dazu kommt, dass der Stadtrat vor einem Jahr zugestimmt hat, die „weißen Flecken“ auf der Internet-Stadtkarte selbst zu tilgen. Die Gebiete nämlich, die aus Sicht der Privatwirtschaft unrentabel sind. Nach einer von der Stadt in Auftrag gegebenen Analyse gehören dazu weitere 2 690 Haushalte. Als unterversorgt galten dabei Gebiete, in denen 30 Megabit pro Sekunde und weniger anliegen und für die es auch keine Ausbauzusage eines Unternehmens für die kommenden drei Jahre vorliegt.

Bleiben „weiße Flecken“ übrig?

Laut den Sprechern von Vodafone und Telekom tummeln sich die beiden Anbieter zum Teil in denselben Straßenzügen. Wer dort wohnt, kann künftig also zwischen zwei Anbietern entscheiden. Die Stadtverwaltung begrüßt das Engagement der Unternehmen. „Aufgrund der verstärkten Aktivitäten der beiden großen Kabelnetzprovider wird sich die Situation in Riesa in diesem Jahr unerwartet schnell für viele Bürgerinnen und Bürger verbessern“, erklärt Stadtsprecher Uwe Päsler.

Also weniger Arbeit für das Rathaus? „Ja, dort sind auch einige Gebiete der Stadt dabei, die eigentlich als „weiße Flecken“ noch in den städtischen Ausbauplanungen standen. So sind Teile von Gröba nach Rücksprache mit der Wohnungsgenossenschaft schon im Vodafone-Programm drin.“ Leutewitz sei aus Richtung Schänitz versorgt. Laut Telekom seien auch Nickritz und Jahnishausen fest geplant. „Deshalb werden Verwaltung und unsere Beratungsfirma nochmals gemeinsam prüfen, welche Aufgaben noch übrig bleiben.“

Laut Stadtsprecher Uwe Päsler bleiben aber immer noch „weiße Flecken“ wie zum Beispiel das Gebiet um die Friedrich-Turra-Straße in Merzdorf, Altweida, Mautitz, Gostewitz, Pochra und Teile von Canitz. Das Geld dafür kommt größtenteils vom Freistaat und vom Bund. Ursprünglich mussten die Mittel bis Ende dieses Jahres verbaut sein – ein Ding der Unmöglichkeit aus Sicht der Stadtverwaltung. Daher hat Riesa eine Fördermittelverlängerung beantragt. Der Bund sei einverstanden, dass das Geld bis Ende 2019 ausgegeben wird. „Beim Freistaat ist die Fördermittelverlängerung beantragt, da gibt es noch keine Antwort“, so Päsler.

Aber vielleicht hat die Stadt bis Ende kommenden Jahres gar nichts mehr zu tun. Glaubt man der Internet-Verfügbarkeitsprüfung auf der Internetseite von Vodafone, können Anwohner an den genannten Orten bereits jetzt schon Internetverbindungen mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde bei dem Anbieter buchen. Nach der Definition würden sie damit nicht mehr als „weiße Flecken“ gelten.

Laut einer Studie der Bundesnetzagentur sind die „Bis-zu-Versprechen“ der Internetanbieter jedoch mit Vorsicht zu genießen. Danach bleibt schnelles Internet häufig ein leeres Versprechen. Nach der Auswertung von bundesweit rund 700 000 Messungen war die Datenübertragung bei fast drei von zehn Nutzern nicht mal halb so schnell wie die vertraglich vereinbarte Höchstgeschwindigkeit.