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Internetausbau mit Hindernissen

Die Enso wollte das komplette Wilsdruffer Stadtgebiet ans schnelle Internet anschließen. Doch die Telekom will ihre Stellung behaupten. Nun wird gestritten.

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© A. Weihs

Von Annett Heyse

Wilsdruff. Am Anfang klang alles so einfach: Die Energie Sachsen Ost AG (Enso) wollte in ganz Wilsdruff Glasfaserkabel legen, um schnelles Internet anzubieten. Das wäre für die Nutzer in vielen Straßenzügen einerseits ein Sprung in eine neue Dimension gewesen. Und andererseits ein Anbieter mehr und damit eine größere Auswahl an Leistungen und Tarifen. Doch in etlichen Wilsdruffer Straßen wird es vorerst nichts mit der Konkurrenz zur Deutschen Telekom. Das betrifft die Dresdner Straße, die Töpfer- und die Heimgasse, die Zedtlerstraße, das Areal am Kirchplatz, die Berggasse, Teile der Rosenstraße und der Straßenzug Am Ehrenfriedhof – siehe Grafik.

Dort will sich der Platzhirsch behaupten, die Enso darf nicht bauen. Jetzt wird hinter den Kulissen gestritten. Es geht um die Versorgung mit schnellem Internet ab 50 Megabit bis 100 Megabit pro Sekunde – bislang liegt der Durchschnitt bei 16 Megabit. Die Enso lässt dafür in Wilsdruff gerade Glasfaserkabel verlegen. Diese zweigen vom firmeneigenen Datennetz an der Niederlassung in Kesselsdorf ab, verteilen sich über Kesselsdorf und Wilsdruff und münden an den Schaltschränken der Deutschen Telekom. Dort docken die Enso-Kabel an das Datennetz des Branchenprimus an. So geht es im Telekomnetz – alles Kupferleitungen – weiter bis in jeden einzelnen Haushalt.

Vectoring nennt sich dieses Verfahren. Die Daten werden schneller transportiert, weil Glasfaser mehr Kapazitäten mit höheren Geschwindigkeiten transportieren kann. Diese Technik wird bereits vielerorts praktiziert: Die Enso selbst hat 2015 ein solches Netz in Großenhain aufgebaut, die Freitaler Strom und Gas baute in Freital. Allerdings hat dieses Vectoring-Verfahren rechtliche Grenzen. Und die beginnen dort, wo die Deutsche Telekom ihre Hauptverteiler stehen hat. „Die gibt es in jedem größeren Ort in Deutschland. Im Bereich der Hauptverteiler liegt schon ein Netz, welches Surf-Geschwindigkeiten von bis zu 50 Megabit pro Sekunde zulässt“, erklärt Unternehmens-Sprecher Georg von Wagner. Und genau in diesem sogenannten Nahbereich – in Wilsdruff ist dies das Gebiet rund um die Dresdner Straße – kommt die Konkurrenz nicht hinein.

Geregelt wird das von der Bundesnetzagentur. Die Regulierungsbehörde entschied kürzlich, dass die Telekom in den Nahbereichen den Zugang für Konkurrenten verweigern kann. Allerdings nur dann, wenn sie selbst diese Zonen mit VectoringTechnik erschließt. Georg von Wagner: „Das kommt ab 2017, dann bauen wir deutschlandweit aus, sodass Übertragungsraten bis zu 100 Megabit möglich sind.“ Die Telekom hat rund 8 000 Hauptverteiler. Wann das Wilsdruffer Netz modernisiert wird, steht derzeit noch nicht fest.

Bei der Enso bewertet man die Situation etwas anders. „Wir sehen das als wettbewerbsbehindernd an und prüfen, ob wir dagegen vorgehen“, teilt Claudia Kuba, Pressesprecherin des Energieversorgers, mit. So wird jetzt zunächst außerhalb der Reichweite der Telekom-Hauptverteiler gebaut. In Wilsdruff und Kesselsdorf werden für den Breitband-Ausbau rund 6,5 Kilometer Leitungen gezogen. Das neue Glasfaser-Netz in Kesselsdorf ist bereits fertig, am 7. Oktober erfolgt hier die Freischaltung. In Wilsdruff dauert es etwas länger, als zunächst geplant. Voraussichtlich Anfang Februar 2017 kann dann auch hier mit Hochgeschwindigkeit gesurft werden.