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Investor plant Würfelhäuser

Eine Immobiliengesellschaft hat große Pläne am ehemaligen Lehrlingsheim in Großröhrsdorf. Das soll saniert und ein Wohnpark entwickelt werden.

© Matthias Schumann

Von Reiner Hanke

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Der Garten ruft

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Großröhrsdorf. Ein innerstädtischer Dschungel erstreckt sich in Großröhrsdorf zwischen der Bischofswerdaer Straße, der Stadtdruckerei und Häusern an der Pulsnitzer Straße. Ein Dickicht aus Sträuchern und Bäumen, daneben Wiese. Durch die gluckert ein Bächlein.

Das Gebäude steht auch wegen der Fassade unter Denkmalschutz. © Matthias Schumann

Verdeckt wird der Dschungel durch die bröckelnde Fassade eines ehemals stolzen Fabrikantenhauses gegenüber der Pizzeria Rosario. Die Großröhrsdorfer kennen es vor allem noch als Lehrlingswohnheim. Das war es bis 1997. Der Kreis verkaufte das Gebäude schließlich. Nun steht es lange leer. Doch hier nimmt jetzt ein Wohnprojekt Gestalt an. Eine Immobiliengesellschaft ist inzwischen der Besitzer und hat hier große Pläne. Es ist die NP (Neth und Partner) Immobilienbeteiligungsgesellschaft. Die stammt aus Baden-Württemberg und hat eine Niederlassung in Dresden. Die Stadt verkaufte dem Investor außerdem das Nachbargrundstück an der Straße. In der Hoffnung natürlich, dass sich an diesem Schandfleck in absehbarer Zeit etwas Sichtbares tut.

Denkmalgeschütztes Haus wird saniert

Im rückwärtigen Areal gehen die Pläne der Immobiliengesellschaft weiter. Insgesamt – mit Fabrikantenhaus – stehen rund 3 700 Quadratmeter zur Verfügung. Dort will der Investor einen Wohnstandort mit Mehrfamilienhäusern entwickeln. Das denkmalgeschützte Fabrikantenhaus soll saniert werden. Dann könnte die gründerzeitliche Fassade mit den Stilelementen der Neurenaissance ein Schmückstück an der Straße werden und einmal mehr an die industriellen Glanzzeiten der Bandweberstadt erinnern. So wurde der Bau 1879 als Wohn- und Geschäftshaus errichtet. Denkmalschützer betonen die baugeschichtliche Bedeutung. Aus Dresden hat die Firma NP Erfahrung mit Gründerzeithäusern. Die kann der Investor hier ausspielen. Etwa zehn Wohnungen in dem Bau sollen entstehen.

Im Kontrast dazu plant der Investor im rückwärtigen Bereich modernere Architektur. Erste Entwürfe konnten jetzt die Mitglieder des Technischen Ausschusses begutachten. Drei Würfelhäuser mit vier Geschossen sind danach geplant, mit Flachdach. Insgesamt sind 24 Wohnung geplant. Dass der Bedarf vorhanden ist, hatte die Stadt immer wieder betont. Die eigene Wohnungsgesellschaft sei so gut wie ausgebucht, und bei der Wohnungsgenossenschaft sieht es kaum anders aus. So war auch im Stadtrat immer wieder die Forderung an die Stadt laut geworden, auch Mehrfamilienwohnungsbau zu befördern. Dieses Projekt geht genau in die Richtung.

So könnte ein attraktiver Wohnpark im Herzen der Stadt entstehen. Zu den Häusern haben die Planer auf dem Gelände Stellplätze für die Pkws vorgesehen. Dazu einen Freizeitbereich für die Bewohner mit Bänken, einem kleinen Spielplatz, Fahrradständern. Zudem schlängelt sich über das Gelände ein kleiner Bach, der mit einbezogen werden soll.

Bis tatsächlich die Bagger anrollen können, ist es freilich noch ein weiter Weg bis hin zum Landkreis als Genehmigungsbehörde. Naturschutz-, Wasser- und Denkmalbehörde werden sich damit befassen und natürlich die Bauaufsicht. Das Bächlein könnte ein Knackpunkt sein, wegen möglicher Hochwassergefahren.

Ein Schandfleck weniger

Seine Bedenken äußerte Stadtrat Henry Honomichl (CDU) und betonte: Es habe nichts damit zu tun, dass sich seine Druckerei in der Nachbarschaft befinde. Wenn die Stadt aber so viel Wohnungsbau entwickle, um junge Familien in die Stadt zu holen, könnte das am Ende Kitas und Schulen überfordern. Anders Holger Poitzsch von den Freien Wählern: Er teile die Sorge nicht. Dann müssten eben die Kitas aufgestockt werden. Das sei kein Hinderungsgrund für Mehrfamilienhäuser. Gerade diese, so Stadtrat Christian Schöne (Fraktion Bretnig-Hauswalde), würden auch für Senioren ideal sein. Das Areal liege sehr zentral. Hier könnten die Bewohner alles besorgen, was man zum Leben braucht.

Im Übringen ist noch offen, ob überhaupt alle Häuser wie geplant entstehen. Das hängt vom Genehmigungsprozess ab. Und, so Michael Wagner (SPD): „Es wird ein Schandfleck weniger.“ Unabhängig von vielen planungsrechtlichen Fragen, die noch zu klären wären, stellte sich eine große Mehrheit der Ausschussmitglieder erst einmal hinter das Projekt. Allerdings müsste noch mal über gestalterische Dinge gesprochen werden. Ob Fachdächer ins Ensemble passen, daran gab es zumindest Zweifel. Aber das lässt sich bestimmt auch anders lösen.