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Irak-Konflikt alarmiert USA und Iran

Die Lage im Irak wird immer dramatischer. Die Islamisten versuchen, Bagdad einzukreisen. In ihrem Herrschaftsbereich richten sie Gegner hin. Teheran und Washington sind alarmiert.

© dpa

Bagdad/Washington. Die Irakkrise eskaliert und droht in einen internationalen Konflikt auszuarten. Die Islamisten versuchen, die Hauptstadt Bagdad einzukreisen. Die USA schließen eine militärische Reaktion nicht aus, um den Vormarsch der Terrorgruppe Isis zu stoppen. Der iranische Präsident Hassan Ruhani sicherte dem schiitisch regierten Nachbarland die uneingeschränkte Solidarität im Kampf gegen die sunnitische Terrororganisation zu.

Die Vereinten Nationen schlugen Alarm wegen willkürlicher Hinrichtungen durch die Terrorgruppe „Islamischer Staat im Irak und Syrien“ (Isis). UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay berichtete, Isis-Kämpfer hätten zusammen mit befreiten Gefangenen Zivilisten erschossen. Nach ihren Informationen seien allein in einer Straße von Mossul 17 Zivilangehörige der Polizei getötet worden.

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„Ich bin besonders besorgt über die gefährliche Lage von Minderheiten, Frauen und Kindern“, sagte Pillay in Genf. Nach UN-Angaben wurden bei Kämpfen in den vergangenen Tagen mehrere Hundert Zivilisten getötet und etwa 1.000 verletzt.

Isis selbst verbreitet im Internet Fotos von hingerichteten Soldaten und Polizisten. „Isis hat Listen mit Polizisten, Soldaten und Politikern“, zitierte die kurdische Nachrichten-Plattform „Rudaw“ einen Flüchtling aus Mossul. „Wenn du an einem Kontrollpunkt erwischt wirst und auf der Liste stehst, töten sie dich.“

Polizei und Soldaten patrouillierten durch Baghdad

In der irakischen Hauptstadt Bagdad bereiteten sich Sicherheitskräfte und Bürger auf mögliche Angriffe der Dschihadisten vor. Augenzeugen berichteten von massiven Sicherheitsmaßnahmen. Polizei und Soldaten patrouillierten durch die Straßen, Kontrollposten würden aufgebaut. „Die Sicherheitskräfte sind in maximaler Alarmbereitschaft“, verlautete aus Sicherheitskreisen.

Im Ostirak bereiteten sich kurdische Truppen auf eine Gegenoffensive vor. „Rudaw“ berichtete, die Peschmerga-Soldaten hätten ihr Einflussgebiet über Kirkuk hinaus ausgeweitet. Die kurdische Armee sei rund 50 Kilometer weiter gen Süden vorgedrungen.

Zuvor hatte Isis laut Medienberichten die Stadt Dschalula sowie die Ortschaft Saadija in der Provinz Dijala übernommen. Dort leben neben Arabern viele Kurden und Turkmenen. Dschalula liegt 125 Kilometer nordöstlich von Bagdad und ist nur 35 Kilometer Luftlinie von der iranischen Grenze entfernt.

Der irakische Großajatollah Ali al-Sistani rief seine schiitischen Glaubensbrüder zum Widerstand auf. Die Schiiten sollten vor allem die Heiligtümer in Nadschaf und Kerbela schützen, ließ er verkünden.

Die im Syrienkrieg stark gewordene Miliz Isis hatte zu Beginn der Woche die nördliche Millionenstadt Mossul eingenommen und ist seitdem auf dem Vormarsch Richtung Bagdad. Ziel ist ein sunnitischer Gottesstaat zwischen Mittelmeer und Persischem Golf.

Regierung soll an politischer Lösung arbeiten

US-Präsident Barack Obama schloss militärische Optionen als Reaktion auf den Isis-Vormarsch nicht mehr aus. Er wolle sicherstellen, dass die Extremisten gestoppt werden könnten, sagte er am Donnerstagabend. Obama forderte die schiitische irakische Führung auf, an einer politischen Lösung zu arbeiten.

Der Iran schickte nach einem US-Medienbericht bereits Truppen in den Kampf gegen Isis in den Irak. Mindestens drei Bataillone der Al-Kuds-Brigaden, die Eliteeinheit der iranischen Revolutionsgarden, seien entsandt worden, berichtete das „Wall Street Journal“ unter Berufung auf iranische Sicherheitskreise. Ruhani versicherte dem irakischen Regierungschef Nuri al-Maliki telefonisch Unterstützung gegen die Terroristen zu. Er haben Außenminister Mohammed Dschawad Sarif beauftragt, alle diplomatischen Möglichkeiten auszuschöpfen.

Die Türkei will nicht militärisch eingreifen, um die rund 80 türkischen Geiseln im Nordirak zu befreien. Die Regierung bemühe sich um eine diplomatische Lösung, sagte Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

Innenminister Thomas de Maizière (CDU) erklärte zum Irak. „Uns macht die Entwicklung dort die allergrößten Sorgen, nicht nur weil es ein Konfliktherd in der Welt ist, sondern weil es Auswirkungen auf uns haben kann im Blick auf den internationalen Terrorismus, im Blick auf Migration und vieles andere mehr.“ Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) appellierte an die politisch Verantwortlichen im Irak, schnellstmöglich eine handlungsfähige Regierung zu bilden.

Isis-Kämpfer waren am Donnerstag bis auf 60 Kilometer an Bagdad herangerückt. Nach Angaben der Organisation Ärzte ohne Grenzen sind rund eine Million Iraker auf der Flucht. Allein in Mossul waren binnen weniger Stunden 500.000 Menschen vor den Extremisten geflohen.

Dort lief inzwischen eine Nothilfe des Welternährungsprogramms WFP für 42.000 Menschen an, wie die UN-Organisation mitteilte. Auch die Caritas Irak begann im Norden des Landes mit der Versorgung der aus Mossul geflohenen Familien. (dpa)