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Politik

Kapitän von Tanker festgenommen

Die britische Regierung hat einen Zwischenfall mit einem Öltanker im Persischen Golf bestätigt. Der Iran weist alle Anschuldigungen von sich. 

© Symbolfoto: Jon Gambrell/AP/dpa

Von Maren Hennemuth, Farshid Motahari und Christoph Meyer

Wieder gibt es einen Zwischenfall mit einem Öltanker im Persischen Golf. Wieder gibt es Schuldzuweisungen an den Iran. Und wieder wächst die Sorge, dass der Konflikt zwischen der iranischen Führung und dem US-Präsidenten sich so zuspitzen könnte, dass es zu einer militärischen Auseinandersetzung kommt.

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Die britische Regierung berichtet am Donnerstag, dass sich drei iranische Boote in der Straße von Hormus dem Öltanker "British Heritage" genähert hätten. Sie hätten "entgegen internationalem Recht" versucht, das Handelsschiff an der Durchfahrt zu hindern. Die Boote drehen erst ab, als sich die Fregatte "HMS Montrose" der Royal Navy zwischen ihnen und der "British Heritage" positioniert. Teheran bestreitet jedoch, an einem Vorfall mit einem britischen Schiff beteiligt gewesen zu sein.

Kapitän und Erster Offizier festgenommen

Es ist nicht die einzige Auseinandersetzung zwischen den beiden Ländern: Sie streiten derzeit über einen iranischen Supertanker, der in der vergangenen Woche vor Gibraltar wegen des Verdachts illegaler Öllieferungen für Syrien festgesetzt worden war. Gibraltar am Südzipfel der Iberischen Halbinsel steht seit 1713 unter britischer Souveränität.

Der iranische Präsident Hassan Ruhani hatte Großbritannien mit Konsequenzen gedroht. Der Stopp des Tankers sei dumm gewesen und ein Fehler, sagte er am Mittwoch. "Wir müssen uns alle dafür einsetzen, dass die internationale Schifffahrt sicher bleibt und sie nicht mit solchen Aktionen unsicher machen." Großbritannien solle dies beherzigen, "um später nicht die Konsequenzen zu tragen". Am Donnerstag teilte die Polizei in Gibraltar mit, der Kapitän und der Erste Offizier des Supertankers seien festgenommen worden. Sie würden nun zu den Vorwürfen befragt, hieß es.

Nach dem Vorfall mit dem britischen Tanker richten sich alle Augen einmal mehr auf US-Präsident Donald Trump. Der Sender CNN berichtet am Donnerstagmorgen, ein US-Militärflugzeug habe den Zwischenfall aus der Luft beobachtet und ein Video davon gemacht. Es gibt offensichtlich Kreise in der US-Regierung, die ein Interesse daran haben, dass dies und der Zwischenfall an sich bekannt wird.

Regierungsvertreter halten sich in ihren Äußerungen aber zunächst zurück. Man kenne die Berichte, wonach iranische Boote versucht hätten, einen britischen Öltanker zu beschlagnahmen, heißt es aus dem Außenministerium. Die USA würden weiterhin mit Verbündeten zusammenarbeiten, "um die korrupten und bösartigen Aktivitäten des iranischen Regimes zu bekämpfen und den globalen Handel zu schützen"

Drohung mit Blockade

Trump hat in den vergangenen Wochen immer wieder scharfe Warnungen an Teheran gerichtet. Erst am Mittwoch drohte er der Führung in Teheran mit einer weiteren Verschärfung der Sanktionen und warf ihr vor, sie reichere seit langem heimlich Uran an. Belege dafür nannte er nicht.

Das internationale Atomabkommen von 2015 hatten die USA bereits im vergangenen Jahr einseitig aufgekündigt. Es sollte den Iran am Bau einer Atombombe hindern und zugleich dessen politische und wirtschaftliche Isolation beenden. Aus Sicht der Trump-Regierung wurde der Iran aber durch den Deal nicht dauerhaft an der Entwicklung von Nuklearwaffen gehindert. Washington setzte scharfe Sanktionen gegen Teheran wieder in Kraft.

Die Straße von Hormus im Persischen Golf spielt eine entscheidende Rolle im Konflikt zwischen dem Iran und den USA. Fast ein Drittel des globalen Ölexports wird durch die Meerenge verschifft. Im September vergangenen Jahres drohte der iranische Präsident Ruhani sogar mit einer Blockade. "Falls eines Tages die USA wirklich den iranischen Ölexport blockieren sollten, dann wird überhaupt kein Öl mehr am Persischen Golf exportiert", sagte Ruhani damals.

Die Botschaft war klar: Iran würde eine Ölkrise - und dementsprechend auch einen internationalen militärischen Konflikt - in Kauf nehmen, sollte das Land wegen der US-Sanktionen seine Haupteinnahmequelle verlieren. Mit mehreren Manövern der Armee und der Revolutionsgarden (IRGC) in der Straße von Hormus unterstrich Teheran seine Entschlossenheit.

Seitdem lösten an der wichtigen Wasserstraße mehrere Zwischenfälle große Besorgnis aus. Von angeblichen Sabotageversuchen gegen vier kommerzielle Handelsschiffe vor der Ostküste der Vereinigten Arabischen Emirate bis zum Abschuss einer US-Drohne. Die USA sehen Teheran dahinter. Der Iran hat nur den Abschuss der Drohne eingeräumt, aber eine Beteiligung an den anderen Vorfällen dementiert.

Trotz des erhöhten Drucks auf Teheran machte Trump aber deutlich, dass er eigentlich kein Interesse an einem Krieg hat. Als der Iran im Juni die US-Drohne abschoss, bereiteten die USA einen Gegenschlag vor, den Trump nach eigenen Worten kurz zuvor stoppte.

Es gibt einflussreiche Stimmen im Umfeld des US-Präsidenten, die ihn vor einer militärischen Auseinandersetzung mit dem Iran gewarnt haben und ihn daran erinnerten, dass er mit dem Wahlkampfversprechen angetreten war, Amerikas endlose Kriege zu beenden.

Nachdem der Iran in den vergangenen Tagen die erlaubte Obergrenze bei der Urananreicherung überschritt und damit gegen eine Bestimmung des Atomabkommens verstieß, sprach Trump davon, dass Teheran besser vorsichtig sein solle. Er drohte mit einer Verschärfung der Sanktionen. Ansonsten hielt er sich aber zurück.

Auch am Donnerstagmorgen wirkt es ein wenig so, als stehe der Iran derzeit nicht ganz oben auf seiner Liste. Trump hat für den Nachmittag zu einem Social-Media-Gipfel ins Weiße Haus eingeladen, auf Twitter läuft er sich dafür schon einmal warm. (dpa)