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Sachsen

Irlands Präsident besucht Leipzig

Das Staatsoberhaupt von der Insel sorgt bei Sachsens Studenten für Aufregung, denn sie bekommen von ihm eine ganz besondere Aufgabe.

Die Leipziger Studenten Elisa Rost (rechts) und Martin Pfingstl treffen den irischen Präsidenten Michael D. Higgins.
Die Leipziger Studenten Elisa Rost (rechts) und Martin Pfingstl treffen den irischen Präsidenten Michael D. Higgins. © Foto: Jürgen Lösel

Von Sven Heitkamp, Leipzig

Als Irlands Präsident Michael D. Higgins auf seiner Deutschlandreise am Donnerstag in Leipzig Station macht, hat er besondere Stimmen im Ohr: Die deutsche und englische Simultan-Übertragung der Reden im Paulinum der Universität übernehmen nicht etwa vereidigte Sprachexperten des Bundespräsidialamtes – sondern zwei Studierende der Leipziger Uni. Der 27-jährige Martin Pfingstl flüsterte dem Präsidenten aus Dublin die Ansprachen von Regierungschef Michael Kretschmer (CDU) und Rektorin Beate Schücking in Englisch ins Ohr. „Eine Feuertaufe“, sagt Martin Pfingstl. Dann übertrugen er und seine gleichaltrige Kommilitonin Elisa Rost Higgins‘ einstündige Grundsatzrede für ein ökologisches und soziales Europas ins Deutsche. Für sie „ein krönender Studienabschluss vor den Prüfungen.“ In einem solch hochklassigen Format hatten beide noch nie gedolmetscht.

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Am Ende... gut

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Der Wunsch dazu kam vom Präsidenten selbst. Er habe im Vorfeld großes Interesse an studentischen Beiträgen bei seinem Leipzig-Besuch geäußert, hieß es. Daher sollten die Studierenden vom Institut für Angewandte Linguistik und Translatologie dolmetschen – als besondere Facette. „Als unsere Dozenten nach Freiwilligen fragten, haben wir uns sofort gemeldet“, erzählt Elisa Rost. Während des Festakts in der Aula und der Universitätskirche St. Pauli saßen sie zusammen in der Dolmetscher-Kabine, um sich notfalls gegenseitig helfen zu können. „Ein wenig aufgeregt ist man natürlich“, sagt Martin Pfingstl. Zur Vorbereitung hatten sie mit Reden von Higgins auf YouTube geübt und sich mit der Lage Irlands befasst.

Unerfahren sind sie mit Simultanübersetzungen nicht. Schon bei Festakten der Uni, im Leipziger Schauspielhaus und zum 100-jährigen Bauhaus-Jubiläum in Dessau waren sie im Einsatz. Seit zwei Jahren studieren sie im Masterstudiengang Konferenzdolmetschen, Übungen mit Kommilitonen gehören da zum Alltag. Zuvor studierten sie Übersetzungen im Fachbereich „Translation“. Pfingstl, der 2011 aus dem bayrischen Schweinfurth nach Leipzig kam, hat zudem ein Jahr bei einer Londoner Firma Serien und Filme mit Untertiteln versehen. Er habe großen Spaß daran, sagt er, sprachliche Klippen wie Wortbilder und Scherze kreativ zu übersetzen. Elisa Rost, die aus der Nähe von Halle stammt, konnte noch unter Präsident Barack Obama im Leipziger US-Generalkonsulat ein Praktikum absolvieren. Nächstes Jahr schreiben sie ihre Masterarbeiten. Danach wollen sie als Dolmetscher und Übersetzer arbeiten. Higgins‘ Segen haben sie nun.

Sein Auftritt war zugleich der erste offizielle Besuch eines irischen Präsidenten in Ostdeutschland. Für den 78-Jährigen selbst war es indes schon der dritte Leipzig-Aufenthalt: Er war früher bereits als Wissenschaftler und Autor in der Stadt. Nun trug er sich in die Goldenen Bücher der Stadt, des Freistaates und der Uni ein, besuchte die Nikolaikirche und legte Blumen für die Montagsdemonstranten ab. Zudem gab er einen Empfang mit der irischen Gemeinde und ließ sich eine mehr als 100 Jahre alte Leipziger Übersetzung eines keltischen Heldenepos zeigen. Die Universität ist seit Ende des 19. Jahrhunderts ein Zentrum zur Lehre und Erforschung keltischer Sprachen. 2013 war es zudem gelungen, das von Irland finanzierte Irisch-Lektorat heranzuziehen und so die Minderheitenstudien weiter auszubauen, berichtet Expertin Sabine Asmus. In irischer Sprache und keltischen Studien werden jährlich mehr als 60 Studierende ausgebildet.