merken

Ironischer Hilferuf der Weesensteiner Senioren

Für Vereine reicht das Geld nicht mehr. Erika Strecke hat sich jetzt Luft gemacht. Geld gibt es noch immer nicht, aber ein Angebot.

© Archiv: Norbert Millauer

Von Heike Sabel

Anzeige
"Kinder haben keine Scheu zu helfen!"

Können Kinder Erste Hilfe? Logo, ist die Notfallcrew überzeugt und bietet mit dem Pflasterpass spannende Erste-Hilfe-Kurse für Kinder an.

Weesenstein. Zunächst liest es sich wie ein Bericht über eine Weihnachtsfeier, den man liest oder eben nicht. So ging es auch Brigitte Starke. Die CDU-Gemeinderätin hatte während der Krankheit von Bürgermeister Andreas Burkhardt die gemeindlichen Geschäfte geführt und war zum Jahresende 2017 als Stellvertreterin zurückgetreten. Nun hat sie offenbar wieder etwas mehr Zeit. Und so las sie den Bericht von Erika Strecke über die Feier der Weesensteiner Volkssolidarität weiter. Bis zu den zwei Sätzen, die sie in Rage versetzten.

Der erste Satz: „Leider musste die stellvertretende Vorsitzende feststellen, dass niemand mehr die Interessen der älteren Bürger in der Gemeinde Müglitztal wahrnimmt und vertritt, um eine kleine Zuwendung für eine solche Gemeinschaftsfeier im Haushaltsplan der Gemeinde ausweisen zu können.“ Das war eindeutig an den Gemeinderat adressiert. Der zweite Satz noch mehr: „Wir hoffen, dass sich das bald verändert, ansonsten regen wir an, dass der Gemeinderat seine Verbundenheit mit den älteren hier lebenden Menschen durch einen eigenen geldwerten Beitrag leistet.“

Das sei ja nun unverschämt, sagte Brigitte Starke. Nach der Sitzung war ihr das offenbar unangenehm, sie wollte das so nicht geschrieben wissen. Doch sie hatte damit eine Debatte ausgelöst. Immerhin sei die Gemeinde schon kulant, indem die Volkssolidarität die Räume kostenlos nutzen könne. „Geld haben wir eben keines.“ Außerdem sei sie ja keine Bundestagsabgeordnete. Erika Strecke, die seit 2010 stellvertretende Vorsitzende der Weesensteiner Volkssolidarität ist, habe sich da ein bisschen falsch geäußert.

Festival der Missverständnisse


Daraufhin fühlte sich Erika Strecke falsch verstanden. Sie habe das ironisch gemeint, wollte kein böses Blut und niemandem in die Tasche greifen, sagte sie in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend. Dass es kein Geld gebe, sei ihr bekannt. Und man sei dankbar für den Raum. Aber es gehe eben nicht nur um Geld. Die meisten Mitglieder seien um die 80 Jahre. Sie würden sich freuen, wenn einfach mal jemand vom Gemeinderat vorbeikäme. Deshalb wollte sie ihre Zeilen als Anstoß verstanden wissen. Wohl auch als Hilferuf.

Michael Neumann (CDU), der neue erste Bürgermeister-Stellvertreter, verwies auf die finanzielle Situation. Die verbiete der Gemeinde schon seit einigen Jahren freiwillige Aufgaben, wie es eben die Unterstützung von Vereinen sei. „Wir wollen schon gern, aber uns sind die Hände gebunden“, sagte Neumann. Und daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Nächste Woche sitzen die Räte zusammen, um in einer Klausur das Geld für dieses Jahr zu verteilen. Viel zu verteilen gibt es nicht.

Ulrike Fischer (Heimatverein Maxen) machte am Ende einen Kompromissvorschlag. Sie sei mal durch Zufall zu einer Veranstaltung der Volkssolidarität dazugekommen. Damit das künftig nicht dem Zufall überlassen wird, solle die Gruppe ihren Jahresplan dem Gemeinderat und der Verwaltung schicken und auf sie zukommen, wenn wieder etwas ansteht. Wenn sie eine Einladung gehabt hätte, wäre Brigitte Starke sicher auch gekommen, sagt sie. Erika Strecke nimmt das Angebot an.