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Irritationen um Auschwitz-Befreiung

Mit der Behauptung, Ukrainer hätten das KZ befreit, hat Polens Außenminister heftige Reaktionen ausgelöst.

Warschau. Der polnische Präsident Bronislaw Komorowski hat vor einer Politisierung des Gedenkens an die Befreiung des deutschen Vernichtungslagers Auschwitz gewarnt. Polnisch-russische Kontroversen würden wohl noch lange von einem unterschiedlichen Geschichtsverständnis beflügelt, meinte er im polnischen Nachrichtensender „TVN Info“.

Komorowski erklärte aber: „Es gibt andere Gelegenheiten, die das für die gesamte Menschheit nötige Gedenken an die Grausamkeit des unmenschlichen Vernichtungssystems weniger gefährden.“

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Am 27. Januar wird der Befreiung der letzten 7 000 Häftlinge von Auschwitz-Birkenau vor 70 Jahren durch Soldaten der Roten Armee gedacht. Zu der Gedenkfeier werden etwa 300 ehemalige Häftlinge erwartet; fast 40 Länder sind mit Politikern hochrangig vertreten. Der russische Präsident Wladimir Putin kommt nicht – nach Angaben eines Kreml-Sprechers, weil es aus Polen keine offizielle Einladung gegeben hat.

Zudem löste der polnische Außenminister Grzegorz Schetyna in russischen Medien heftige Reaktionen aus, als er sagte, es seien ukrainische Soldaten gewesen, die Auschwitz an jenem Tag befreiten. Schetyna selbst hatte am Donnerstag betont, die Äußerung sei nicht antirussisch gewesen.

Komorowski sagte, der Ersten Ukrainischen Front hätten Soldaten vieler Nationen angehört. „Die größte Gruppe waren Russen. Und das sollte man würdigen“, betonte der Staatspräsident. (dpa)