Partner im RedaktionsNetzwerk Deutschland
Merken

Irrsinn an der Seidewitz?

Anwohner vermuten einen Schildbürgerstreich auf Kosten des Steuerzahlers. Doch ganz so schlimm ist es nicht.

Teilen
Folgen
NEU!
© Norbert Millauer

Von Mareike Huisinga

Pirna. Konstanze Krause versteht die Welt nicht mehr. „Das, was hier passiert, ist für mich der Aufreger des Monats“, sagt die Pirnaerin, die bis vor Kurzem an der Zehistaer Straße 36 wohnte. Vor wenigen Tagen ist sie mit ihrer Familie aus Pirna weggezogen. Vor dem Umzug konnte sie aber noch Zeuge eines scheinbaren Schildbürgerstreichs werden.

Was ist geschehen? Hinter dem Mietsblock, wo Familie Krause wohnte, fließt die Seidewitz. Anfang August rückten Bagger einer Baufirma an. Im Auftrag der Landestalsperrenverwaltung (LTV) sollte die Uferböschung der Seidewitz instand gesetzt werden. Darauf wiesen Aushänge in den Hauseingängen hin. „Die Bauleute waren sehr freundlich und zuvorkommend. Es gab nie Probleme“, erinnert sich Konstanze Krause. Unter anderem hätten die Fachleute das Flussbett vom starken Bewuchs befreit, außerdem wurden die Uferböschungen rechts und linksseitig befestigt. „Die Leute haben sehr genau gearbeitet und die großen Steine gut verfugt. Es sah prima aus“, urteilt die Anwohnerin.

Umso erstaunter waren sie und ihr Mann, als die Bauarbeiter die Befestigung in der letzten Augustwoche wieder aufrissen. „Überall lagen die Steine herum, teilweise sogar im Bachbett. Das kann doch nicht gut sein“, sagt Konstanze Krause. Ihr Mann habe die Bauarbeiter darauf angesprochen. „Man sagte ihm, dass ein Rechtsanwalt der Deutschen Bahn hier gewesen wäre. Angeblich greife die Baumaßnahme zu stark auf das Gelände der Deutschen Bahn ein, das sich hinter der Böschung befindet“, gibt Konstanze Krause das Gespräch wieder. Nach ihren Informationen seien die Bauleute deshalb angewiesen worden, die Befestigung einzureißen. „Das ist doch kompletter Irrsinn. Und vor allem: Wer zahlt das?“, fragt sie sich. Auch die anderen Nachbarn würden über die aktuellen Geschehnisse nur noch mit dem Kopf schütteln.

Wasserbehörde ist informiert

Doch auf Nachfrage bei der Landestalsperrenverwaltung Pirna stellt sich die Sache anders dar. Bei der Schadensbeseitigung im Bereich Zehistaer Straße handelt es sich nicht um ein Flurstück der Deutschen Bahn, sagt LTV-Sprecherin Katrin Schöne. Die Durchführung der Maßnahme wurde den Grundstückseigentümern rechtzeitig angezeigt und von diesen geduldet. Von einem Anwalt der Deutschen Bahn sei der Behörde nichts bekannt. Allerdings bestätigt Schöne, dass es bei den bisherigen Arbeiten zu Problemen kam. „Linksseitig der Seidewitz entsprach die Bauausführung des beauftragten Betriebes nicht der Planung. Daher musste teilweise zurückgebaut werden. Die Kosten dafür trägt das Unternehmen“, berichtet die LTV-Sprecherin. Trotz dieser Verzögerung befinde sich die Baumaßnahme noch im Plan und soll bis Ende September abgeschlossen sein.

Das bestätigt Birgit Kümmel, Unternehmenssprecherin von Strabag, und nennt Details. Um das Strömungsverhalten zu optimieren und die natürliche Wasserzurückhaltung zu gewährleisten, wurde ein Teil der bereits gebauten Uferböschungen wieder aufgerissen und abgeflacht. Bei der Instandsetzung des Seidewitz-Flussbettes handelt es sich um eine Maßnahme zur Beseitigung von Schäden, die durch das Juni-Hochwasser 2013 verursacht wurden. Die Arbeiten wurden im Vorfeld bei der Unteren Wasserbehörde angezeigt, die grünes Licht gegeben habe, informiert Katrin Schöne.