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Israel verstärkt Luftangriffe

Angriff auf UN-Posten. Der Weltsicherheitsrat gibt dem Druck der USA nach und verurteilt Israel nicht.

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Tel Aviv/Beirut - Mit mehr als 180 Einsätzen innerhalb von 24 Stunden hat Israel seine Angriffe auf die Hisbollah im Libanon noch einmal verstärkt. Die radial-islamischen Milizen feuerten ihrerseits am Freitag, dem 17. Tag des Konflikt, noch einmal 100 Raketen auf Nordisrael.

Keine Verurteilung Israels

Die USA verhinderten unterdessen im Weltsicherheitsrat eine Verurteilung Israels wegen der Tötung von vier UN-Beobachtern im Südlibanon. In einer in New York beschlossenen Erklärung zeigte sich das höchste UN-Gremium lediglich „tief schockiert und erschüttert“ über den Angriff. „Israel und alle anderen beteiligten Seiten“ wurden zur Einhaltung des Völkerrechts und zum Schutz des UN-Personals ermahnt. Die unbewaffneten UN-Beobachter vor Ort begannen am Freitag, sich aus der umkämpften Zone zurückzuziehen.

Nach Angaben eines israelischen Militärsprechers wurden unter anderem Hisbollah-Stützpunkte in der östlichen Bekaa-Ebene beschossen. Ziel waren außerdem 57 Gebäude oder Anlagen, die nach israelischen Angaben von der Hisbollah genutzt werden. Nach libanesischen Angaben starben vier Menschen. Die Gefechte um die seit Tagen umkämpfte südlibanesische Hisbollah-Hochburg Bint Dschbeil, wo am Mittwoch neun israelische Soldaten ums Leben gekommen waren, gingen weiter. Dabei wurden fünf Hisbollah-Kämpfer getötet, meldete das israelische Armeeradio. Die Hisbollah erklärte, die israelischen Soldaten hätten sich aus dem Ort zurückgezogen.

Israel ließ unterdessen der syrischen Regierung eine Botschaft „über verschiedene Kanäle“ übermitteln, dass sie keinen Angriff auf das Nachbarland plane, wie der israelische Rundfunk berichtete. Die geplante Mobilisierung zehntausender Reservisten diene ausschließlich dem Kampf gegen die libanesische Hisbollah.

Eppler bezweifelt Sieg über Hisbollah

Der von Israel angestrebte Sieg über die Hisbollah in Libanon ist für den SPD-Politiker Erhard Eppler ein „hoffnungsloses Unterfangen“. Auch internationalen Truppen werde es nicht gelingen, diese Form „entstaatlichter Gewalt“ dauerhaft zu besiegen, sagte Eppler. Verteidigungsminister Franz Josef Jung sieht in einer schnellen Waffenruhe die Grundlage einer dauerhaften Stabilisierung im Nahen Osten. Die deutschen Katholiken mahnten am Freitag in dem Konflikt die Verhältnismäßigkeit der Mittel an, betonten aber Israels Recht auf Selbstverteidigung.

Nach einem arabischen Zeitungsbericht begannen indessen Bemühungen unter Einschluss deutscher Vermittler, um den Austausch der zwei in den Libanon verschleppten israelischen Soldaten zu erreichen. Wie die in London erscheinende Tageszeitung „Al-Hayat“ unter Berufung auf libanesische Regierungskreise berichtete, befindet sich die Initiative noch „in ihrem Anfangsstadium“.

Eine Delegation der Europäischen Union hat am Freitag in Beirut mit dem libanesischen Parlamentspräsidenten Nabih Berri gesprochen, der derzeit als eine Art Vermittler für die schiitische Hisbollah auftritt. Nach Angaben aus Delegationskreisen empfing Berri, der zur schiitischen Amal-Bewegung gehört, die EU- Kommissarin für Außenbeziehungen, Benita Ferrero-Waldner, den finnischen Außenminister Erkki Tuomioja sowie den EU-Nahostgesandten Marc Otte. Über den Inhalt der Gespräche wurde zunächst nichts bekannt. US- Außenministerin Condoleezza Rice will nach eigenen Worten zu weiteren Gesprächen in den Nahen Osten zurückkehren. Einen Termin nannte sie aber am Freitag nicht.

Geringe Spendenbereitschaft

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen hat seine Hilfslieferungen in den Südlibanon verstärkt. Die Organisation schickte mehrere LKW-Konvois in die Städte Sidon und Jezzine, die die Bevölkerung mit Grundnahrungsmitteln, Medikamenten sowie Decken und Zelten versorgen sollen. Auch das Rote Kreuz schickte einen Konvoi in die Grenzstadt Rmeisch, wo 30000 Flüchtlinge festsitzen. Dabei wurden zwei arabische Mitarbeiter des deutschen Nachrichtenkanals N24 verletzt, die den Konvoi begleitet hatten. Sie wurden verletzt, als neben ihrem Wagen eine israelische Rakete einschlug.

Hilfsorganisationen beklagen eine geringe Spendenbereitschaft der Deutschen für die Krisenregion in Nahost. „Die Deutschen spenden erschreckend wenig“, sagte eine Sprecherin der Aktion Deutschland Hilft am Freitag in Bonn. Auch die Caritas und das Deutsche Rote Kreuz meldeten geringe Spenden-Zuflüsse. Die deutsche Sektion des UN- Kinderhilfswerks UNICEF erhielt in den vergangenen fünf Tagen rund 20000 Euro, sagte ein Sprecher in Köln. (dpa)