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Israelische Razzia gegen Politiker der Hamas

Unter den mehr als 30 Verhafteten sind auch zwei Minister.

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Von Ali Daraghmeh, Nablus

Israelische Soldaten haben in einer Razzia 33 führende Hamas-Mitglieder verhaftet. Unter ihnen sind ein Minister, zwei Abgeordnete und drei Bürgermeister. Die Razzia im Norden des Westjordanlands war offenbar eine Reaktion auf jüngste Raketenangriffe von Kämpfern der islamischen Miliz. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas verurteilte die Festnahmen als Schlag gegen die Friedensbemühungen.

Von den Politikern, die am frühen Morgen abgeführt wurden, ist Bildungsminister Nasser Schaer am bekanntesten. Der als Pragmatiker geltende Minister wurde bereits im vergangenen Jahr festgenommen. Seine Frau sagte, die Truppen hätten auch den Computer des Ministers mitgenommen. Die Soldaten verhafteten außerdem den ehemaligen Minister Seidan, die Abgeordneten Bitawi und Abu Ser sowie die Bürgermeister von Nablus, Kalkilija und Beita.

Festnahmen verteidigt

Festnahmen seien besser als Blutvergießen, sagte Verteidigungsminister Amir Peretz. Ein Sprecher des palästinensischen Premiers Ismail Hanija forderte die sofortige Freilassung der Männer. Im vergangenen Juni hatte Israel rund 40 Abgeordnete der Hamas festgenommen, fast ein Drittel des palästinensischen Parlaments. Sie befinden sich noch immer in Gewahrsam.

Israelische Kampfflugzeuge zerstörten bereits am Mittwochabend zwei Geldwechselstuben und andere Geschäfte in der Stadt Gaza, die nach Darstellung der Streitkräfte zum Finanzsystem der Hamas gehörten.

Die zerstörten Wechselstuben seien für die Überweisung von mehreren Millionen Dollar zur Bewaffnung und Ausbildung von Hamas-Kämpfern genutzt worden. Die Mittel seien aus dem Iran, aus Syrien und aus dem Libanon gekommen, erklärten die israelischen Streitkräfte.

Neue Luftangriffe

Ein dritter Luftangriff auf die Stadt Gaza richtete sich gegen ein Auto, dessen Insassen vom Geräusch der Raketen gewarnt wurden und in letzter Minute fliehen konnten. Gestern griff die israelische Luftwaffe nach Angaben von Augenzeugen erneut ein Ziel der Hamas im Gazastreifen an. Getötet worden sei damit niemand, erklärte ein Hamas-Sprecher.

Bei Beit Lahija wurde ein Palästinenser von Schüssen aus einem israelischen Panzer getötet, wie aus Krankenhauskreisen verlautete. Eine Frau erlag laut Gesundheitsministerium den Verletzungen, die sie bei einem Luftangriff in der vergangenen Woche erlitten hatte.

Wärend zwischen Israel und Libanon weiter die Unifil-Truppe über die Pufferzone wacht, verlängerte die EU ihre Beobachtermission am Grenzübergang Rafah im Gazastreifen um ein weiteres Jahr. Die Beobachtermission Eubam ist seit Dezember 2005 in Rafah im Einsatz und wurde nun vorerst bis zum 24. Mai 2008 bestätigt. Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana, der gestern den Gazastreifen besuchte, begrüßte die Verlängerung. Er rief beide Seiten zur Beendigung der Gewalt auf. (AP)