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Ist Barack Obama wirklich ein „Schwarzer“?

Amerika diskutiert über die ethnische Herkunft des Präsidentschaftskandidaten.

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Von Markus Günther,SZ-Korrespondent in Washington

Mehrere Leser haben gefragt, ob es eigentlich richtig ist, dass Barack Obama überall, auch in unserer Zeitung, gelegentlich als der „schwarze Kandidat“ bezeichnet wird. Denn schließlich sei ja nur sein Vater, der aus Kenia kam, ein Schwarzer gewesen, seine Mutter dagegen eine weiße Amerikanerin aus Kansas. Ist das nicht kurios, den Sohn einer weißen Mutter einen „Schwarzen“ zu nennen?

Die einfache Antwort auf die Frage heißt zunächst: Wir folgen mit der Bezeichnung „schwarz“ einfach nur dem, was auch in den USA üblich ist – „black“ – und, wichtiger noch, was Obama über sich selbst sagt: „I am a black man!“, also: „Ich bin ein schwarzer Mann!“

Obama selbst hat erzählt, dass er sich über viele Jahre nicht darüber im Klaren war, wo er hingehört, zu den Weißen oder zu den Schwarzen. Aber auch sein jugendlicher Versuch, seine eigene Hautfarbe zu ignorieren und so zu tun, als spiele das ja einfach keine Rolle, sei nicht realistisch gewesen. Obama erlebte beides, Diskriminierung von außen, aber auch ein inneres Ringen mit sich selbst um seine Identität.

Im Wahlkampf spielt das immer noch eine Rolle, weil es prominente Schwarze gibt, die ihm vorgeworfen haben, nie richtig zur „Black Community“ gehört zu haben. Der Prediger und Politiker Jesse Jackson hat sogar einmal über Obama gesagt, er „benehme sich wie ein Weißer“. Das ist eine verquaste Form von Rassismus.

Inzwischen macht Obama in fast jeder Wahlkampfrede eine Anspielung auf diese seltsame Kontroverse, ob er nun schwarz ist oder nicht: „Dass ich ein Schwarzer bin, weiß ich spätestens, wenn ich versuche, in New York ein Taxi zu bekommen, und der Fahrer hält lieber ein paar Meter weiter bei dem weißen Mann neben mir.“ Der Begriff „Farbiger“ – im Englischen: „Coloured people“ – ist heute fast ungebräuchlich und gilt, zu Recht oder zu Unrecht, als historisch belastet.

Und das Wort „Afroamerikaner“ galt in den neunziger Jahren als besonders fortschrittlich, ist aber auch wieder aus der Mode gekommen. „Black“ gilt dagegen immer noch als weitgehend neutral und wertfrei, zumal der entsprechende Begriff „Weiße“ ebenso gebräuchlich ist.

Markus Günther schrieb auch das Buch: Barack Obama. Amerikas neue Hoffnung. Wißner Verlag Augsburg, 2007; 16,80€