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Ist Blitzen hier gerecht?

Die Messaktion des Landkreises vor der Kita in Herrnhut schlägt hohe Wellen. Autofahrer kritisieren die Beschilderung.

© Häschke

Von Anja Beutler

Herrnhut. Als Robby Häschke an diesem Dienstag kurz vor dem Herrnhuter Ortsausgang das Blitzgerät sieht, bringt er seinen Transporter sofort zum Stehen. „Ja, ich habe mich kurz genau vor das Messgerät gestellt, weil ich den Mitarbeitern des Landratsamtes meine Meinung sagen wollte“, bestätigt er. Das hat er dann auch getan – und zwar nicht zum ersten Mal. Den Ruppersdorfer ärgert nämlich, dass der Mitarbeiter des Kreises einige Wochen nach der letzten Blitzaktion und trotz der Kritik der Herrnhuter genau wieder an derselben Stelle gemessen hat. „Als Autofahrer sieht man das 30er Schild in der Zittauer Straße durch das Baugerüst schlecht“, erklärt er. Deshalb betrachtet er die Aktion als ungerecht.

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An einer Hauswand noch vor der Liergasse hängt in Richtung Ortsausgang nach Zittau ein 30er-Schild. Wer vom Zinzendorfplatz kommt, muss in der Tat genau hinschauen, um es nicht zu übersehen, das zeigen auch die Fotos von Häschke. „Es gab sogar schon Situationen, da stand ein Baustellenlaster genau vor dem Schild“, beschreibt er. „Ich habe volles Verständnis, dass man vor einer Kita die Geschwindigkeit misst, aber dann muss man die Schilder auch erkennen können“, bringt er seinen Unmut auf den Punkt. Die Kindertagesstätte kurz vor dem Ortsausgang hatte sich nämlich erst vor Kurzem mit einer Unterschriftenliste bei der Stadt für mehr Verkehrssicherheit auf diesem Straßenstück stark gemacht.

Die Stadt selbst hat freilich wenig direkten Einfluss: „Es gab im Frühjahr eine Verkehrsschau mit dem Straßenverkehrsamt des Kreises und der Polizei“, bestätigt Ordnungsamtsleiterin Anja Nocke. Danach sei – durchaus überraschend – auf beiden Seiten der Zittauer Straße bis zum Ortsausgang durchgehend die 30 eingeführt worden. Aus Zittau kommend hat die Kreisbehörde das frühere 50-Schild entfernt. In der anderen Richtung ist ein kleines Zusatzschild verschwunden, das bisher deutlich gemacht hatte, dass die 30 nur auf 150 Metern gilt. Viele Ortskundige hatten diese leichte Veränderung vor einigen Wochen übersehen. „Wir hatten mehrere Beschwerden“, bestätigt Frau Nocke. Auch die Stadt war dazu nicht vorab informiert worden. Allerdings, so fügt Herrnhuts Ordnungsamtsleiterin hinzu, stand auch zu diesem Zeitpunkt bereits das Baugerüst, das jetzt aus Sicht der Blitzer-Kritiker die Sicht verstellt. Dennoch, betont Frau Nocke, werde die Stadt bei der Straßenverkehrsbehörde nachhaken, ob man die Sicht auf das 30er-Schild nicht doch verbessern könne.

Aus Sicht der Bußgeldstelle des Kreises ist an der Messung nichts zu beanstanden. Jüngst aufgetauchten Gerüchten aus sozialen Netzwerken, die Polizei hätte die Messung an jenem Dienstag abgebrochen, weil sie unrechtmäßig gewesen sei, widersprach der Mitarbeiter, der vor Ort war, Andree Scharf. Die Polizisten, die da gesichtet wurden, sollten ihn ursprünglich bei der Geschwindigkeitsmessung unterstützen. Da die Beamten kurzfristig bei einem anderen Einsatz gebraucht wurden, hatten sie sich später vor Ort nach der Lage der Dinge bei Andree Scharf erkundigt. „Bei der Messung ist alles korrekt gelaufen“, betont Scharf. Und er kündigt an, dass er in Kürze wieder messen werde. Auch die Beschilderung für Tempo 30 auf der fraglichen Strecke sei korrekt. Bei der jüngsten Geschwindigkeitsmessung des Landkreises waren in zwei Stunden 60 Autos zu schnell. Am eiligsten hatte es eine Fahrerin, die mit 59 statt 30 Stundenkilometern geblitzt wurde.