Teilen: merken

Ist Crystal fürs Trinkwasser eine Gefahr?

Die Spuren des Drogenkonsums sind in der Elbe zu finden. Doch aus der kommt Wasser auch für Dresdner Haushalte.

© René Meinig

Von Peter Hilbert

Dresdens Elbwasser ist seit der Wiedervereinigung zwar viel sauberer geworden. Doch jetzt gibt es im Fluss Mikroschadstoffe, die einst nicht vorkamen. So die synthetische Droge Crystal Meth, die in Dresden kräftig konsumiert wird. Das hat ein kürzlich vorgelegter Bericht der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht belegt.

Symbolbild Anzeige
Anzeige

Von Actionfilm bis Comic

Erwartungsvolle Spannung. Der Vorhang öffnet sich. Dann laufen 13 Kurzfilme über Sachsen. Neugierige können hier die Filme schon online sehen.

Die Drogenreste: Trotz Spitzenplatz im EU-Vergleich nur geringe Spuren

Laut der Studie konnten in den Abwässern von 1 000 Menschen im Klärwerk Kaditz täglich 136,7 Milligramm Crystal nachgewiesen werden. Das ist der vierte Platz unter den über 50 untersuchten europäischen Städten. Nun wird das Dresdner Trinkwasser teilweise aus Uferfiltrat der Elbe oder Grundwasser gewonnen. Für das gebe es aber keinerlei Gefahr, versichert Jürgen Storm. Der 59-jährige Drewag-Gruppenleiter führt das Coschützer Trinkwasserlabor mit seinen 26 Mitarbeitern.

„In der Trinkwasserverordnung gibt es zwar keinen Grenzwert für Crystal“, sagt er. Schließlich gibt es Tausende chemische Verbindungen. Um jedoch Schäden für Menschen auszuschließen, wird für solche Stoffe ein gesundheitlicher Orientierungswert festgelegt. Der liegt bei 100 Nanogramm pro Liter. „Bei Crystal liegt er schon im Elbwasser darunter“, erklärt Storm. Laut den jüngsten Proben seien es nur zehn Nanogramm. Solche Werte werden in einem Speziallabor in Nossen ermittelt.

Der natürliche Filter: Mikroorganismen leisten im Untergrund gute Arbeit

Für das Wasserwerk Hosterwitz wird Uferfiltrat aus 120 Brunnen, für die Tolkewitzer Anlage aus 72 Brunnen gewonnen. Der Untergrund wirkt wie ein hervorragender Filter. Sand und Gestein reinigen das Uferfiltrat mechanisch „Zudem bauen Mikroorganismen organische Verbindungen wie Crystal und Medikamentenreste ab“, erläutert Storm. So kann schon in den Brunnen kein Crystal mehr im Uferfiltrat nachgewiesen werden. Das prüfen Speziallabore, die auch nach Rückständen von Medikamenten oder der Antibabypille suchen.

Die Gewinnung: Täglich werden bis zu 135 000 Kubikmeter benötigt

Derzeit werden in Dresden täglich zwischen 100 000 und 110 000 Kubikmeter Trinkwasser verbraucht. Im Sommer sind es bis zu 135 000 Kubikmeter. „Der Großteil kommt mit derzeit 80 000 Kubikmetern täglich aus Coschütz. Der andere Teil kommt aus den Wasserwerken Hosterwitz und Tolkewitz. Dort werden Uferfiltrat der Elbe und Grundwasser aufbereitet. Wegen des höheren Calcium- und Magnesiumgehalts ist es etwas härter. Das Coschützer Werk bereitet Wasser aus der Talsperre Klingenberg auf, das sehr weich ist.

Die Aufbereitung: Aktivkohle filtert letzte Mikroschadstoffe heraus

In den Werken reinigen unter anderem Kiesfilter das Wasser. Schwer abbaubare Stoffe wie Reste von Röntgenkontrastmitteln, die noch im Uferfiltrat sind, können letztlich in zusätzlichen Aktivkohlefiltern entfernt werden. „Schließlich geben wir nur einwandfreies Trinkwasser ab, in denen solche Stoffe nicht mehr nachgewiesen werden“, verweist der Laborchef auf das Lebensmittel Wasser. Am Ende der Aufbereitung wird das Trinkwasser desinfiziert. In Coschütz und Tolkewitz geschieht dies laut Trinkwasserverordnung im Rahmen vorgeschriebener Unter- und Obergrenzen mit Chlordioxid, in Hosterwitz mit Chlor.

Die Prüfung: 107 Wasserproben im Labor beanstandet

Überprüft werden darf das Wasser nur in einem akkreditierten Labor wie in Coschütz, das besondere Anforderungen erfüllt. „In der Trinkwasserverordnung ist festgelegt, was wie oft gemessen werden muss“, sagt der Laborchef. Kontrolliert wird jede einzelne Stufe der Aufbereitung bis hin zum fertigen Trinkwasser. Kleinere Wasserversorger aus der Region haben kein eigenes Labor, sodass die Drewag zum Dienstleister wird. 2016 untersuchten die Coschützer Laboranten 18 365 Wasserproben, davon knapp 8 900 aus Dresden. Direkt aus dem Trinkwassernetz wurden 3 362 Proben überprüft. Nur 107 davon mussten beanstandet werden, das entspricht 3,2 Prozent. Bei den Trinkwasser-Proben von den Abläufen der Wasserwerke gab es Storm zufolge keine Beanstandung.

Die Überwachung: Spezialisten haben rund um die Uhr das Netz im Blick

Dass das Lebensmittel Trinkwasser eine einwandfreie Qualität hat, wird in der zentralen Leitwarte überwacht. Wichtige Punkte der Wasserwerke und des Trinkwassernetzes sind mit Online-Messgeräten ausgestattet, die die Daten ins zentrale Leitsystem übertragen. So überwachen die Operatoren in der Leitwarte rund um die Uhr, ob Grenzwerte überschritten werden oder Rohrbrüche auftreten. Für jeden Fall gibt es vorgeschriebene Pläne.

Das Ergebnis: Sanierung der Rohre bringt bessere Qualität

Eins zahlt sich für die Drewag aus. „Die Sanierungsmaßnahmen im Netz haben zu einem drastischen Rückgang der Wasserverluste und Qualitätsbeanstandungen geführt“, berichtet der Laborchef. Bei den Beanstandungen handelt es sich meist um Trübungen wegen Korrosion oder Geruchs- und Geschmacksprobleme. Die seien aber meist sehr subjektiv. Mit Fragen oder Problemen können sich die Dresdner an die Kunden-Hotline der Drewag wenden (Service-Telefon 0351 8604444).