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Ist der gesund oder kann der weg?

Am Alaunplatz werden fast 30 Bäume gefällt. Sie wurden vorher genau untersucht.

© Sven Ellger

Von Sarah Grundmann

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Wenn Bäume fallen, ist der Ärger meist groß. Auch am Alaunplatz müssen nun 29 Exemplare weichen – überwiegend Robinien, Pappeln und Spitzahorn. Die drei großen Bäume an der Tannenstraße werden ebenfalls gefällt. Bereits mehrfach waren Teile der Krone herabgefallen, weil sie von Pilzen befallen und ausgehöhlt sind: eine Gefahr für die Passanten. Doch oft werden solche Gutachten des Grünflächenamts von Anwohnern infrage gestellt. Wie wird eigentlich ermittelt, ob ein Baum gesund ist oder nicht?

„Bäume werden auf der Grundlage einer anerkannten Fachrichtlinie regelmäßig kontrolliert“, erklärt Kristina Klabes, Sachbearbeiterin im Grünflächenamt. Extra geschulte Baumkontrolleure wie Sarah Aberle begutachten den Baum zunächst vom Boden aus. Dabei verlassen sie sich nicht nur auf ihr Augenmaß, sondern benutzen auch technische Hilfsmittel. So werden die Bäume zunächst mit einem sogenannten Schonhammer abgeklopft. Nach jahrelanger Erfahrung können die Mitarbeiter vom Regiebetrieb meist schon am Geräusch erkennen, ob der Stamm hohl ist. Sollten an Stamm oder Wurzel Löcher erkennbar sein, wird deren Tiefe mit einem Sondierstab überprüft. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden protokolliert. Nur wenn es Zweifel an der Standsicherheit eines Baumes gibt, folgen weitere Untersuchungen.

So nutzen Aberle und ihre Kollegen beispielsweise ein spezielles Messgerät, um die Widerstandsfähigkeit des Baums zu ermitteln. Das Instrument gleicht einer Bohrmaschine, ist aber deutlich sensibler. Von zwei Seiten werden Sensoren durch die Rinde ins Innere der Bäume eingeführt. „In der Messkurve kann man dann sehr gut erkennen, wie hohl ein Stamm ist und wie widerstandsfähig dementsprechend der Baum“, sagt Klabes. Oft reichen dann Pflegearbeiten, wie das Entfernen von Ästen, um die Sicherheit zu gewährleisten. Nur etwa 0,2 Prozent aller Bäume müssen gefällt werden. In Dresden gibt es derzeit etwa 53 200 Straßenbäume sowie mindestens 20 000 Bäume in Parks. Etwa 127 verschiedene Arten können Interessierte in der Landeshauptstadt finden. Trotzdem bleibt oft die Skepsis an der Notwendigkeit, wenn das Grünflächenamt die Fällung von Bäumen ankündigt.

So gab es im Oktober 2015 am Stresemannplatz einen Aufschrei, als das Grünflächenamt alte Kastanien fällen wollte. Dass die Bäume so krank sind, dass sie eine Gefahr darstellen, wollten die Anwohner nicht glauben. Sie forderten von der Stadt, die Lebensdauer durch einen externen Gutachter beurteilen zu lassen. Die Kastanien sollten so lange stehen bleiben, bis ihre Zeit wirklich gekommen ist. Der Protest hat sich ausgezahlt: Das Grünflächenamt ließ sich auf den Kompromiss ein, und so konnten zumindest fünf Bäume erhalten bleiben – vorerst.

„Normalerweise ziehen wir einen externen Gutachter aber nur bei besonders wertvollen Bäumen – zum Beispiel in einem Naturdenkmal – zurate“, sagt Abteilungsleiter Lange. Denn diese verwenden andere Methoden, die deutlich kostspieliger sind. So wird zum Beispiel mittels eines Schallmessgeräts ermittelt, ob ein Baum hohl ist. Teilweise werden sogar Stürme simuliert. „Man muss sich aber genau überlegen, wann solche Verfahren angewendet werden. Sie sind meist teurer als eine Neupflanzung“, so Lange. Entlang der Tannenstraße war die Lage so klar, dass solche Methoden gar nicht erst in Betracht gezogen wurden. Die Spitzahorne müssen fallen.

Für sie werden im Frühjahr Linden nachgepflanzt, die eine deutlich längere Lebenserwartung haben und wegen ihrer Unkompliziertheit besonders gut als Straßenbäume geeignet sind. Warum keine Tannen an der Tannenstraße? „Die verkraften den eingeschränkten Platz nicht“, sagt Jörg Lange, Abteilungsleiter im Grünflächenamt. Damit sich einzelne Bäume besser entfalten können, sind auch im Inneren des Parkgeländes Fällungen notwendig. Zwischen dem Pavillon und der kleinen Rodelbahn werden vor allem gestrüppartige Bäume entfernt, die anderen den Platz zum Wachsen rauben. Während der Arbeiten müssen die Wege im Park teilweise gesperrt werden. Im Frühjahr werden dann auf dem gesamten Gelände 27 Bäume gepflanzt – grüppchenweise, damit es für die Parkbesucher in den sonnigen Sommermonaten mehr Schattenplätze gibt.

Einen Überblick über die Fällungen gibt es online: www.dresden.de/baum