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Ist der Hohwaldwolf zurück?

© dpa

Über Pfingsten wurden auf der Weide von Manfred Horn sieben Schafe getötet. Er bezweifelt, dass es nur ein Wolf allein war.

Von Katarina Gust

Viele Monate hatte Schäfermeister Manfred Horn aus Berthelsdorf Ruhe vor ihm. Zu Pfingsten war damit Schluss. In der Nacht zu Sonntag soll erneut ein Wolf seine Schafherde angegriffen haben. Das Ergebnis dieses brutalen Übergriffs hat Horn am Vormittag bei einem Routinekontrollgang entdeckt.

Der Schäfer merkte schnell, dass an diesem Morgen etwas anders ist. Und dann fand er sie: Sieben tote Tiere lagen auf der Weide: zwei Mutterschafe und fünf Lämmer. „Ein erwachsenes Tier war fast komplett abgefressen“, schildert Manfred Horn die Szenerie. Von einem Lamm fehlte die Hälfte. Ein weiteres hatte sich schwer verletzt in den Stall geschleppt. Das Jungtier verstarb jedoch auch. Um ein Mutterschaf, das bei dem Angriff verletzt wurde, macht sich der Schäfermeister noch Sorgen. Es hat eine Wunde am Hals. „Der Wolf hat versucht, das Tier zu reißen, es jedoch zum Glück nicht richtig zu fassen gekriegt“, vermutet Horn. Er wird das Schaf nun pflegen und hofft, dass es durchkommt.

Manfred Horn ist überzeugt, dass der Hohwaldwolf seine Schafe getötet hat. Und nicht nur einer. „Es müssen mehrere Wölfe gewesen sein.“ Dafür spreche die hohe Anzahl an getöteten Schafen. Außerdem wurden die Tiere nicht nur gerissen, sondern zum Großteil auch aufgefressen. Der Berthelsdorfer meldete sich nach dem Vorfall beim Landratsamt in Pirna. Zwei Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde sahen sich die getöteten Schafe an. Die Fachleute müssen nun klären, ob tatsächlich ein Wolf die Schäden verursacht hat.

„Der Wolf als Verursacher kann zumindest nicht ausgeschlossen werden“, erklärt Detlef Uhlig vom Landratsamt. Vor allem, weil mehrere Tiere fast vollständig aufgefressen wurden. Um sich Gewissheit zu verschaffen, wurden von den getöteten Tieren Gen-Proben genommen. Diese werden nun zum Senckenberg-Institut geschickt, wo das Gewebe untersucht wird. In wenigen Wochen soll das Ergebnis dann vorliegen.

Sprung über 1,20 Meter hohen Zaun

Schäfermeister Manfred Horn fühlt sich schon jetzt bestätigt. Eine Sache bereitet ihm jedoch Kopfzerbrechen. Und zwar die Frage, wie der Wolf oder die Wölfe zu der Herde gelangen konnten. Die Tiere weideten über Pfingsten keine 300 Meter von seinem Hof in Berthelsdorf entfernt. Die Herde wird dabei durch einen speziellen Zaun geschützt. Dieser ist an einigen Stellen 1,20 Meter hoch. Gefordert wird vom Freistaat ein mindestens 90 Zentimeter hoher Zaun. Horn hat obenauf noch ein auffälliges Flatterband angebracht, als Extraschutz für die Schafe und Abschreckung für den Wolf. „Der Zaun war bei meinem Kontrollgang aber überraschenderweise intakt“, sagt der Schäfer. Er hat auch keine Stelle gefunden, die von den Tieren untergraben wurde. Er geht deshalb davon aus, dass die Wölfe den Zaun übersprungen haben müssen.

Für Manfred Horn ist der Vorfall ein weiterer Grund, gegen die ungehinderte Ausbreitung der Wölfe in Sachsen zu kämpfen. Er hatte vor zwei Jahren zusammen mit Schäfer Eberhard Klose aus Oberottendorf mehr als 10 600 Unterschriften von Einwohnern aus ganz Sachsen gesammelt. Die Petition wurde damals an die sächsische Regierung übergeben. Darin wurde unter anderem der Abschuss einzelner Wölfe gefordert, die sich Siedlungen und landwirtschaftlichen Nutztieren wie Ziegen und Schafen gefährlich nähern.

Der Petitionsausschuss des Landtages hatte sich 18 Monate lang mit dem Thema „Wölfe in Sachsen“ beschäftigt. In einer Stellungnahme forderte das Gremium im Sommer 2014 die Politik auf, den Wolfsgegnern Zugeständnisse zu machen. Ob und wie die Vorschläge des Petitionsausschusses von der Landesregierung umgesetzt werden, ist im Moment noch unklar.