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Ist der Landkreis bereit für die digitale Revolution?

Der Bund muss mehr tun, damit schnelles Internet überall verfügbar ist, fordert der frühere Minister. Doch auch die Firmen dürfen sich nicht zurücklehnen.

© Archiv/dpa

Freital.Sie sind seit einigen Monaten Geschäftsführer des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft, kurz BVMW, mit Sitz in Berlin. Wie oft schaffen Sie es noch nach Sachsen?

Als BVMW-Geschäftsführer setze ich mich natürlich immer auch für den sächsischen Mittelstand ein. Das Wissen und die Erfahrung, die ich in Berlin sammle, helfen mir bei meiner Arbeit im sächsischen Landtag. Derzeit bin ich außerdem viel in Brüssel bei der EU-Kommission in Sachen Digitalisierung. Dort spielt die Musik – auch für Sachsen.

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In Neustadt/Sachsen haben Sie diese Tage vor Unternehmern über Chancen und Risiken der Digitalisierung gesprochen. Sind den Firmenchefs in der Region diese Chancen und Risiken bewusst?

Lahm im Landkreis

Mehr als die Hälfte der Haushalte im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge kann nicht auf schnelles Internet zugreifen.

Das Landratsamt hofft auf Fördermittel, um flächendeckend auf mindestens 30 bis 50 Mbit je Sekunde aufzurüsten.

Zuletzt wurde eine Förderquote von bis zu 90 Prozent in Aussicht gestellt. Entschieden ist das aber noch nicht, deshalb wird abgewartet.

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Einigen schon. Es gibt aber noch viel zu tun. Vielen Mittelständlern ist noch nicht bewusst, dass sie etwa fünf Jahre Zeit haben, ihr Geschäftsmodell von der analogen in die digitale Welt zu überführen. Sonst gilt für sie: Wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit…

Digitales Pionierland sind nun mal die USA, Europa und Deutschland hinken hinterher. Was kann gegen diese Rollenverteilung getan werden?

Entscheidend sind jetzt schnelle Internetverbindungen. Nur 25 Prozent aller Haushalte verfügen in Deutschland über mindestens 30 Mbit/Sekunde. Hier ist der Staat gefordert, der schnell und massiv investieren muss. Die digitale Infrastruktur gehört zum Leben, wie Straßen und fließend Wasser, sonst machen Investoren einen Bogen um Sachsen und Deutschland.

Sie waren bis 2012 vier Jahre lang Sachsens Kultusminister. Ist die Bildung im Freistaat auf die digitale Revolution vorbereitet?

Unzureichend. Das Problem ausreichender und gut qualifizierter Lehrer ist nicht gelöst. Im neuen Schulgesetzentwurf ist nicht einmal von Digitalisierung die Rede. Da muss die Staatsregierung nachsitzen. Die Herausforderungen von morgen lösen wir nur, wenn wir die Kreidezeit hinter uns lassen. Wir sind verantwortlich für die Zukunft unser Kinder und Enkel.

Jahrelang haben sich die Rathäuser darum bemüht, schnelles Internet in die Region zu bringen. Jetzt bemüht sich seit fast einem Jahr die Landkreisverwaltung. Mehr als Vorarbeit ist bislang nicht gelungen. Gibt es einen Ausweg?

Wir leben in einer digitalen Welt, haben aber 28 verschiedene Regulierungsauflagen und Datenschutzgesetze in Europa. Der Bund und der Freistaat dürfen die Kreise und Kommunen hier nicht alleine lassen. Wir brauchen in Europa einen digitalen Binnenmarkt. Gleichzeitig muss der Bund aus einer Hand die digitale Infrastruktur aufbauen und finanzieren.

Was kann der Mittelständler im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge tun, um von der Digitalisierung nicht überrollt zu werden?

Eine kraftvolle Interessenvertretung des Mittelstandes auch gegenüber der Politik ist nötig. Die großen Konzerne können sich selber helfen. Mittelständlern rate ich, sich zu informieren und diese Herausforderungen offensiv anzunehmen.

Wie können dabei Interessenverbände – wie es der BVMW ist – helfen?

Wir wissen, wie der Mittelstand tickt. Wir haben das Wissen unserer Mitgliedsunternehmen und Experten. Im Mai eröffnen wir ein Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0. Es ist eines von fünf vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Zentren, die Mittelständler berät und konkret bei der Digitalisierung begleitet.

Die Fragen stellte Domokos Szabó.