Merken

Ist die Sächsische Schweiz als Kulisse zu billig?

Die Kritik an Filmdreharbeiten in der Sächsischen Schweiz ebbt nicht ab. Nach dem Bund Sächsische Schweiz und der Grünen Liga fordert jetzt auch der Sächsische Bergsteigerbund (SBB) ein Umdenken in der Genehmigungspraxis für Film- und Fernsehproduktionen.

Teilen
Folgen

Von Hartmut Landgraf

Die Kritik an Filmdreharbeiten in der Sächsischen Schweiz ebbt nicht ab. Nach dem Bund Sächsische Schweiz und der Grünen Liga fordert jetzt auch der Sächsische Bergsteigerbund (SBB) ein Umdenken in der Genehmigungspraxis für Film- und Fernsehproduktionen. Das Anliegen, verbindliche und eindeutige Regeln für solche Genehmigungen zu formulieren, sei richtig, sagte Peter Rölke, Chef der SBB-Naturschutzarbeitsgruppe, der SZ.

Auch, dass im Vorfeld von Dreharbeiten die Öffentlichkeit – sprich die Verbände – stärker einbezogen werden müssten, „wenn beispielsweise Klettergebiete gesperrt werden sollen“, findet Rölke angebracht. Dabei gehe es dem SBB keineswegs um ein generelles Verbot der Filmerei, ergänzt Umweltvorstand Klaus Kallweit. „Was fehlt, ist die gesetzliche Handhabe.“ Wegen Wald- und Felsschäden in zwei Fällen – beim Freischütz-Opernfilm im Bielatal und beim Hanuta-Werbespot am Gamrig – war die Arbeit von Filmleuten im Elbsandsteingebirge in die Kritik geraten. Der Bund Sächsische Schweiz hatte sich darüber in einem Schreiben an die Staatsregierung beschwert.

„Absolut charmante Preise“

Filmfirmen hingegen loben die ausgezeichneten Dreh-Bedingungen in der Sächsischen Schweiz, Hotels und Infrastruktur sowie die Hilfsbereitschaft von Behörden und Anwohnern. Die unverbaute Landschaft ohne Windräder und Hochspannungsleitungen – die am Computer sonst retuschiert werden müssten – sei ein großes Plus, sagt Markus Bensch, Locationmanager der Filmstudios Babelsberg, der die Sächsische Schweiz u.a. für den Hollywood-Film „Inglourious Basterds“ (Quentin Tarantino) empfohlen hatte. „Die Landschaft hat wegen der Felsen eine große Tiefe, was filmisch sehr attraktiv ist.“

Das aber ist offenbar nicht das einzige Plus, was aus Sicht der Produktionsfirmen für den Elbsandstein spricht. Wie aus einer Antwort der Staatsregierung auf eine Anfrage der Landtagsfraktion Bündnis 90/Grüne hervorgeht, sind Drehgenehmigungen hierzulande recht preiswert. Für den Hollywood-Film „Der Vorleser“ (Kate Winslet) zum Beispiel – immerhin ein Projekt mit einem geschätzten Budget von 32 Millionen US-Dollar – musste die Produktionsfirma für die im Kirnitzschtal gedrehten Szenen ganze 3570 Euro an den Freistaat entrichten. Die Preise in der Sächsischen Schweiz seien absolut charmant, bestätigt Markus Bensch von den Babelsberger Filmstudios.

Sachsens Umweltministerium scheint jetzt zu reagieren. Wie aus einem Schreiben hervorgeht, ist man dort der Ansicht, dass „eine Verständigung über Rahmenbedingungen bei der Gestattung von Filmaufnahmen im Elbsandsteingebirge auf der Grundlage der geltenden Rechtsvorschriften angezeigt“ sei. Dem Sachverständigenrat zur Nationalparkregion Sächsische Schweiz werde man vorschlagen, das Thema auf seiner nächsten Sitzung zu behandeln.

Einladungen für Sitzungen des Gremiums freilich sind Sache des Chefs, in diesem Fall die von Tourismusverbandschef Klaus Brähmig – eines entschiedenen Gegners strikterer Filmreglementierungen.

Dreharbeiten seien kein Thema des Sachverständigenrates, sagte Brähmig der SZ. „Die Tagesordnung legen wir fest“ – frühestens im Februar oder März. Der Verbandschef betont die touristische Werbewirksamkeit von Filmproduktionen für die Region. Die bisherige Genehmigungspraxis bezeichnete Brähmig als „seit vielen Jahren praktikabel“.