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Ist Gold doch keine Krisenwährung?

Von den Turbulenzen an den Aktienmärkten profitiert das Edelmetall kaum. Steigende Zinsen in den USA bremsen.

© dpa

Von Rolf Obertreis

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In Pyeongchang bei den Olympischen Winterspielen sammeln die deutschen Sportler fleißig Goldmedaillen. Eigentlich sollte das Edelmetall auch hierzulande in diesen Tagen wieder hoch im Kurs stehen. Nicht, weil es um Sieger geht. Im Gegenteil: Es geht um Verlierer. Die finden sich seit letzter Woche am Aktienmarkt. Und in solchen Zeiten drängt es Anleger eigentlich nach Gold. Das Edelmetall gilt schließlich als Krisenwährung. Aber davon ist in diesen Tagen nichts zu sehen. Der Goldpreis ist nur leicht gestiegen und mit rund 1 330 Dollar pro Feinunze (31,1 Gramm) weit von seinem Rekordhoch im September 2011 entfernt. Damals kostete die Feinunze fast 1 900 Dollar.

Experten sehen dafür vor allem einen Grund. Am Aktienmarkt habe es zwar eine deutliche Korrektur gegeben. Mehr aber nicht. „Wir haben bislang keine Panik am Markt, nichts, was groß genug wäre, um in Gold fliehen zu müssen, sagt Nico Baumbach von Hansainvest.

Zweiter Grund für die verhaltende Reaktion beim Goldpreis: Es sind die allmählich steigenden langfristigen Zinsen. Sie sind zwar immer noch niedrig und bewegen sich auch bei Bundesanleihen unterhalb der Prozentschwelle und liegen damit real, also nach Abzug der Inflationsrate, immer noch im negativen Bereich. Aber in den USA hat die Zinswende längst eingesetzt. Die Notenbank Fed hat den Leitzins bereits mehrfach erhöht und wird ihn in diesem Jahr weitere drei- bis viermal anheben. Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte sich dagegen mit einer ersten Zinserhöhung Experten zufolge noch bis 2019 Zeit lassen. Aber der Trend zeigt nach oben, Hypothekenzinsen steigen derzeit leicht.

Steigende Zinsen aber sind tendenziell schlecht für Gold. Denn Anleihen werden als Alternative wieder interessanter, weil sie Zinsen abwerfen werden, heißt es etwa bei der Commerzbank. Gold hat einen entscheidenden Nachteil: Es gibt weder Zinsen noch Dividenden. Anleger können allein auf steigende Preise hoffen oder darauf, dass er zumindest stabil bleibt. Auch in diesem Jahr sind Experten zufolge keine großen Sprünge zu erwarten. Beim Edelmetall-Händler Heraeus rechnet man mit einem Anstieg auf maximal 1 375 Dollar je Feinunze. Es könnten am Ende – wegen der steigenden Realzinsen – aber auch nur 1 175 Dollar sein. Ähnlich sehen es andere Experten. Anders dürfte es aussehen, wenn die Aktienmärkte tatsächlich einbrechen oder wenn es zu schweren politischen Krisen kommt.

Generell aber steht Gold auch bei Privatanlegern weiter hoch im Kurs. Degussa-Goldhandel verzeichnete im Dezember eine starke Nachfrage, als der Preis etwas nach unten zeigte. Gefragt gewesen seien, offenbar auch als Weihnachtsgeschenk, Krügerrand-Goldmünzen und 100-Gramm-Barren, sagt Geschäftsführer Wolfgang Wrzesniok-Roßbach. Nach Angaben des Münchner Edelmetallhändlers Pro Aurum war der Handel im Januar eher unterdurchschnittlich, es habe aber mehr Käufer als Verkäufer gegeben. „Auf neun Käufer kam ein Verkäufer“, sagt Pro Aurum-Geschäftsführer Robert Hartmann. Auch hier waren Krügerrand-Münzen und die Goldmünzen Wiener Philharmoniker neben Goldbarren von 100 und 250 Gramm gefragt.

Auch die Deutsche Börse erlebte 2017 eine hohe Nachfrage nach Gold. Sie bietet das Edelmetall über die Inhaberschuldverschreibung Xetra-Gold an. Sie unterlegt die verkauften Anteile mit realen Goldbarren. Der Bestand erhöhte sich 2017 um 57 Tonnen auf den Rekordwert von 175 Tonnen zum Jahresende. „Der Anstieg liegt vor allem an der hohen Nachfrage von institutionellen Investoren“, sagt der zuständige Geschäftsführer Michael König. „Allerdings zeigen auch immer mehr Vermögensverwalter, Family Offices und Privatanleger Interesse an Gold als Anlageklasse“.

Weltweit größter Goldkäufer war 2017 nach Angaben des World Gold Councils die russische Zentralbank. Sie erwarb 223 Tonnen und erhöhte ihren Bestand auf 1 838 Tonnen. Ähnlich viel Gold hält China. Deutschland hat über die Bundesbank mit 3 374 Tonnen die zweithöchsten Goldreserven der Welt. An der Spitze stehen die USA mit 8 133 Tonnen.