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Ist Löbau ein Vorbild für Kottmar?

Wogegen sich Kottmar sträubt, hat Löbau schon gemacht: Doppelte Straßennamen geändert. Am Ende mit Erfolg.

Von Anja Beutler und Carina Brestrich

Friedhelm Gerlich wohnt seit rund sieben Jahren unter einer anderen Adresse als zuvor. Ohne umzuziehen. Denn die Alte Cunnersdorfer Straße hatte vorher keinen Namen. Gerlichs Adresse lautete schlicht Wendisch-Cunnersdorf – und dann nur die Hausnummer. Genau dieses Schema war für viele Einwohner in Rosenhain schlicht Normalität. Für Friedhelm Gerlich brachte das auch nach der Eingemeindung zu Löbau durchaus Nachteile: „Wenn man einen Handyvertrag abschließen wollte, funktionierte das fast nie, weil die Adresse kein System gefunden hat“, erinnert er sich.

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Inzwischen finden sowohl die aktuellen Navis im Auto als auch die Post und – wenn nötig – auch der Pizza-Service Familie Gerlich problemlos. Mit dem neuen Straßennamen hadert niemand mehr. Denn, die durchaus vorhandenen Anfangsschwierigkeiten sind überstanden. „Das hat aber schon noch eine Weile gedauert, bis alles so richtig funktionierte“, sagt Ortsvorsteher Gerlich. Doch jetzt, in der Rückschau, ist er sicher, dass die ganze Um- und Neubenennung in den Löbauer Ortsteilen die richtige Entscheidung war. Etwa 40 Straßennamen haben so wie zuerst in Rosenhain im Laufe der Jahre im Löbauer Stadtgebiet eine neue Bezeichnung erhalten. Oftmals bekam eine Bahnhofstraße nur einen Zusatz und es wurde beispielsweise eine Alte Bahnhofstraße daraus. Und noch etwas sei wichtig gewesen, sagt Löbaus Bürgermeister Guido Storch (CDU): „Wir haben uns immer dafür entschieden, den Straßennamen zu ändern, wo insgesamt weniger Menschen betroffen waren“, betont er. Storch sieht die ganze Sache rückblickend als Erfolg.

Ob es auch für die noch neue Gemeinde Kottmar ein Erfolg wäre, das bezweifelt derzeit aber Bürgermeister Michael Görke (parteilos). Den Wunsch der Deutschen Post, doppelte Straßenbezeichnungen nach der Gemeindefusion endlich zu ändern, lässt er abprallen. Seine Amtskollegen in Herrnhut und Ebersbach-Neugersdorf tun ihm das momentan gleich. So müssten allein in Kottmar 30 Straßen umbenannt werden. Von dem Aufwand betroffen wären 880 Haushalte. Das will Görke seinen Bürgern und der Gemeinde ersparen. Er setzt stattdessen auf die Nennung des Ortsteils in der Adressangabe. Eine Umbenennung gleichlautender Straßen wäre dann überflüssig und würde stattdessen die Identität der Ortsteile wahren.

Guido Storch kann das nicht verstehen. Denn mit solchen Sorgen und Widerstand der Anwohner behaftet, wie die ganze Aktion zu sein scheint, sei sie in Löbau gar nicht gewesen, sagt er. In der Tat hat die Stadt über Jahre – etwa von 2005 bis 2010 – die Umbenennungen in ihren zahlreichen Ortsteilen bestimmt, aber nicht zu schnell vorangetrieben. „Wir haben ausführlich informiert, haben die Bürger mit einbezogen, sie konnten selbst Vorschläge machen“, sagt Storch. In den meisten Ortsteilen hätten sich die Anwohner auch rege beteiligt. Daran kann sich auch der Rosenhainer Friedhelm Gerlich noch erinnern. An die Rennerei, die die Umschreibungen von Ausweis und sonstigen Papieren für viele mit sich brachte, aber auch.

Guido Storch will diesen Aufwand für die Bürger nicht wegdiskutieren. Dennoch habe man nach Kräften versucht, den Betroffenen die Sache zu erleichtern: „Wir haben für die Änderungen, die über die Stadt laufen, keine Kosten verlangt“, sagt Storch. Beim Landkreis habe man dies freilich nicht durchsetzen können, bedauert er noch heute.

Und noch etwas habe Löbau getan: Man habe die Adressänderung für die Betroffenen auch gleich an den Wärmeversorger oder die Wasserwirtschaft weitergereicht. Seitdem seien ihm keine Probleme mit Adressen in Löbau mehr bekannt geworden, sagt der Bürgermeister. Dass Rettungsdienste oder auch die Post nicht den richtigen Ort finden, sei nicht mehr der Fall. „Notdienst, Post – das sind die wichtigen Sachen, auf die es uns damals ankam“, sagt Storch. „Aber auch im Alltag hat es schon einen Vorteil, wenn die bestellte Pizza tatsächlich noch warm ankommt“, wirft Storch noch ein. Wäre doch ärgerlich, wenn sie kalt geworden wäre, nur weil der Lieferant im falschen Ortsteil mit der gleichen Adresse gesucht hat.