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Italien will Lifeline nicht mehr einlaufen lassen

© AXEL STEIER/MISSION LIFELINE

Noch während die „Aquarius“ mit 629 Flüchtlingen an Bord über das Mittelmeer irrt, richtet Italiens Innenminister Matteo Salvini harsche Worten an die Besatzung der „Lifeline“ aus Dresden.

Fabian Schröder

Dresden. Italien und Malta hatten der „Aquarius“ die Einfahrt in ihre Häfen verweigert. Die Folge: Eine mehrtägige Odyssee auf dem Mittelmeer für 629 Flüchtlinge. Schließlich erklärte sich Spanien bereit, das Schiff in Valencia einlaufen zu lassen und die Menschen aufzunehmen. Jetzt stellt sich die Frage: Bleiben die Einfahrt-Verweigerer bei ihrem harten Kurs?

Zumindest auf Italien dürfte das zutreffen. Wie Innenminister und Vizeregierungschef Matteo Salvini am Samstag auf seiner Facebook-Seite erklärte, wolle sein Land nicht länger „Komplize eines illegalen Einwanderungsgeschäfts“ sein. Außerdem spricht er in seinem Posting auch direkt von zwei Schiffen, die künftig nicht mehr italienische Häfen ansteuern sollten: Die von der Nichtregierungsorganisation Sea-Eye genutzte „Seefuchs“ und die von der Dresdner Organisation Seenotretter betriebene „Lifeline“.

Die Ausführungen des Lega-Chefs sind harsch, in Teilen aber auch nicht ganz richtig. Denn die „Lifeline“ hat noch nie in Italien angelegt, um Flüchtlinge an Land zu bringen. „Wir retten Menschen in Notsituationen auf See und übergeben sie dann an größere Schiffe oder die italienische Küstenwache“, sagt Axel Steier, der Chef der Seenotretter. Steier hält Salvinis Äußerungen für einen „populistischen Zug“ und verweist darauf, dass Italien im Falle einer Rettungsmaßnahme dazu verpflichtet sei, in Seenot geratene Menschen aufzunehmen.

Für die „Lifeline“ dürfte sich trotz Salvinis Ansage zunächst nichts ändern. „Wir halten uns auch weiter an die im vergangenen Jahr mit Italien getroffene Vereinbarung“, so Steier. Diese regelt das Übergabe-Prozedere von Geretteten auf hoher See. „Und was Salvini nicht sagt, ist, dass die Küstenwache seines Landes noch mehr zu tun hätte, wenn es uns und andere Nichtregierungsorganisationen nicht gebe“, fügt Steier hinzu.