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Italiener kocht französisch in der Gondelfahrt

Daniele Roberto hat seinen Beruf von der Pike auf gelernt. Doch selbst für ihn war etwas in Jonsdorf vollkommen neu.

© Matthias Weber

Von Elke Schmidt

Jonsdorf. In dieser Woche gab es für die Mitarbeiter der Ausflugsgaststätte & Hotel Gondelfahrt Jonsdorf eine echte elsässische Spezialität zum Nachtisch, nämlich einen Rhabarer-Brisée-Kuchen. Diese französische Version des Mürbeteigs hatte Daniele Roberto für sie zubereitet. Der 23-jährige war für eine Woche als Praktikant im Haus.

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Dabei habe er viel gelernt, sagt er. Obwohl er eine sehr gute und umfassende Ausbildung habe, konnte er in Jonsdorf doch etwas neues lernen, nämlich wie man ein Wildschwein zerlegt. Das hatte er selbstverständlich theoretisch im Unterricht erklärt bekommen, aber noch nie selber gemacht. Dennoch hat er diese Aufgabe gut gemeistert und das 120 Kilo schwere Tier fachgerecht zerlegt. Darüber hinaus hat ihm sein gesamter Aufenthalt gut gefallen. Zum Abschied und als Dankeschön kochte er für seine Kollegen auf Zeit ein typisch elsässisches Drei-Gänge-Menü.

Seine Ausbildung macht Daniele Roberto in Frankreich in der Nähe von Straßburg an der Adrien-Zeller Hotelfachschule. Deren voller Name lautet „Centre Européen de Formation et de Promotion Professionelle par Alternance pour l’Industrie Hôtelière“ (CEFPPA). Diese renommierte Schule arbeitet schon seit ihrer Gründung vor 27 Jahren mit der IHK Zittau zusammen, sagt Thomas Tamme, der dieses Projekt seit einigen Jahren betreut.

Damals entstand gerade die Städtepartnerschaft zwischen Dresden und Straßburg und die CEFPPA suchte den Kontakt nach Sachsen. So kurz nach der Wende habe es in der Oberlausitz einen Überschuss an Auszubildenden gegeben, für die sehr schnell neue Plätze gefunden werden mussten. Einige der damaligen Absolventen seien heute weltweit im Einsatz, berichtet Thomas Tamme stolz. Seit 2009 kommen Praktikanten aus Frankreich in die Oberlausitz, und vor drei Jahren fuhren zum ersten Mal Lehrlinge von hier Richtung Straßburg.

Für sie alle sei dieser Aufenthalt eine wichtige Erfahrung geworden. Die Deutschen erfahren, welch einen hohen Stellenwert die Gastronomieausbildung in Frankreich genießt, während die Praktikanten von dort hier durchaus Dinge tun, die an einer Schule eher nicht gezeigt werden. Wie Daniele, der in Deutschland zum ersten Mal ein Wildschwein zerlegte.

Dabei beschäftigt er sich schon sehr lange mit dem Kochen und allem, was dazugehört. Das wollte er schon immer werden, sagt er. In seiner Heimatstadt Turin ging er deshalb auf ein spezielles Gymnasium für Gastronomie. Diese Schule pflegt enge Beziehungen zur CEFPPA und so kam der Italiener nach Frankreich. Das war für ihn zumindest sprachlich kein Problem, denn er beherrscht acht Sprachen, darunter auch französisch.

Genauso vielfältig sind seine Kochkünste, doch sein persönlicher Favorit ist die italienische Küche. Er ist in Italien aufgewachsen, und dieses Essen wecke Kindheitserinnerungen. Auch die deutsche Küche gefällt ihm gut. Ein ordentliches Schnitzel sei nicht zu unterschätzen, sagt er.

Er liebt Deutschland, ist hier geboren und seine Schwester lebt hier. Seine Lieblingsstadt ist Berlin, die sehr jung ist, viele kulturelle Möglichkeiten und ebenso viel Historie bietet. Die Oberlausitz habe aber auch ihren Charme, besonders die hiesige Natur. Als echtes Großstadtkind leben ihm bei uns auf dem Land jedoch zu wenige Menschen. Das sei eher nichts für ihn.

Ob er aber einmal in einer Großstadt arbeiten wird, ist noch völlig offen. Selbst der Kontinent steht noch nicht fest. Sein Wunschtraum ist, später einmal ein großes Hotel zu leiten. Dabei sei ihm egal, ob es ihn nach Europa, Amerika oder Asien verschlägt. Nach Abschluss seiner Ausbildung hat er einen Fachhochschulabschluss in der Tasche und ist Koch, Restaurantfachmann und Betriebswirt für Gastronomie. Das sind gute Voraussetzungen, dieses Ziel auch zu erreichen.