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Jäger wehrlos vor der Seuchengefahr

Brandstifter haben in der Sächsischen Schweiz Jagdkanzeln abgefackelt. Das könnte die Ausbreitung der Schweinepest befördern.

© Marko Förster

Von Gunnar Klehm

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Waltersdorf. Hans-Georg Kammerhoff ist seit rund 40 Jahren Jäger und hat schon einiges erlebt. Doch was dieser Vandalismus bringen soll, kann und will der Vorstand des Jagdverbands Sächsische Schweiz nicht verstehen. Wütend steht er vor einer abgebrannten Kanzel eines Jagdpächter-Kollegen bei Papstdorf. Seine eigenen Hochstände stehen nur wenige hundert Meter entfernt. Auch dort lag Kohlenanzünder drin, war aber offenbar ausgegangen. Die Polizei stellte ihn sicher.

Die Feuerwehr rückte zu den Bränden aus.
Die Feuerwehr rückte zu den Bränden aus. © Marko Förster

„Das sind ja Kosten. Alles wurde in Eigenleistung in der Freizeit errichtet. Tags gehen die Jagdpächter auf Arbeit, nachts sitzen sie auf den Feldkanten oben auf den Hochsitzen, um die Landwirtschaftsflächen zu schützen“, sagt der 74-Jährige. Beim Jagen drehe es sich nicht alles ums Schießen. Jäger übernehmen auch sogenannte Hegepflichten. „Wir haben da auch eine Verpflichtung. Wir brauchen jeden Hochsitz. Das Getreide ist gefährdet“, sagt Kammerhoff. Es wird zum Futter für die Wildschweine. Daher gehe es hauptsächlich darum, die Bestände einzudämmen, die sich immer mehr vergrößern würden.

In der Nacht zu Sonnabend wurden mehrere Jagdkanzeln in der Sächsischen Schweiz angezündet. Entdeckt wurden die zum Teil schon brennenden Hochstände bei Papstdorf von zwei Polizisten auf Streifenfahrt. Zwei der vier Kanzeln brannten ab, die anderen zwei konnten die Beamten mithilfe eines Feuerlöschers retten. Gefundenen wurde Brandbeschleuniger. Die Jagdeinrichtungen standen mehrere hundert Meter auseinander an einem Waldrand. Feuerwehrleute löschten schließlich die zwei brennenden Kanzeln. Ein Übergreifen des Feuers auf den Wald wurde verhindert.

Auch bei Waltersdorf brannten in jener Nacht zwei Jagdkanzeln ab. Unbekannte hatten auch hier Feuer gelegt. Ein Hochsitz befand sich vom Ziegenrücken kommend rechts auf dem Feld, der andere links an der Kiesgrube. Sie gehörten Hans-Gerald Beyer. Er ist dort der Jagdpächter und nicht nur wegen des Verlustes der Jagdkanzeln stinksauer. „Diese Tat ist umso verwerflicher, wenn man die aktuelle Problematik um die Afrikanische Schweinepest kennt“, sagt er. Diese breitet sich von Osteuropa über Wildschweine gen Westen aus. Weil auch Hausschweine infizierbar sind, wird die Gefahr sehr ernst genommen. Die Wildschwein-Population müsse daher so gering wie möglich gehalten werden.

Reden statt zündeln

Doch nun sind die Jäger in den betroffenen Gebieten wehrlos. „Auf den Flächen der abgebrannten Kanzeln ist keine Jagd mehr durchführbar“, erklärt Beyer. Sollten die Täter Jagdgegner aus vermeintlichem Tierschutz gewesen sein, fragt sich der Jäger, welchem Tier damit geholfen sein soll, wenn sich die Seuche nun besser ausbreiten kann. „Wir schießen doch nicht aus Dummdüdelei“, sagt er wütend. Stattdessen würden sie viel Freizeit opfern und die Agrarproduktion vor größeren Wildschäden schützen. Trotz allem sei Hans-Gerald Beyer jederzeit gesprächsbereit. „Statt zu zündeln, sollten diese Jagdgegner lieber mit uns reden“, sagt er. Seine Argumente könnten doch nicht einfach in den Wind geschlagen werden.

Der Schaden an den angezündeten Hochsitzen bei Papstdorf und Waltersdorf beträgt nach ersten Schätzungen mehrere tausend Euro. „Vieles haben wir selbst gebaut“, sagt Beyer. Sofort sei das nicht ersetzt. Die Polizei hat Spuren gesichert und ermittelt.